Filippo brabbelt auf Mamas Arm zufrieden vor sich hin und lächelt den Besuch an: Mit drei Monaten nimmt er seine Umwelt immer stärker wahr, wird neugieriger. Und auch seine Mama ist nach dem Wochenbett bereit, mehr herauszugehen, Kurse zu besuchen und Kontakte zu anderen Familien zu knüpfen. Für Katja Lenz kam der Babybesuchsdienst des Jugendamts zu dieser Zeit genau richtig.
„Ich bin die Erste im Freundeskreis, die ein Baby bekommen hat“, sagt die 33-Jährige. Sie könne also nicht auf Erfahrungen und Ratschläge von Freundinnen und Freunden setzen, wenn es um Krabbelgruppe, Babymassage oder gar die Kita-Anmeldung gehe. Deshalb nahm sie das Angebot eines Babybesuchs gerne an. Nach der Geburt erhielt sie wie alle Eltern in Essen Post vom Jugendamt mit einem Terminvorschlag. „Ich war ganz neugierig“, so Lenz.
Essener Babybesuchsdienst bietet Informationen und Unterstützung an
Babybesucherin Barbara Böse brachte nicht nur ein Willkommensgeschenk mit, sondern auch Zeit für ein Gespräch und Info-Material: über Freizeit-, Betreuungs- und Unterstützungs-Angebote in Essen, aber auch Elternbriefe, in denen es um die Entwicklungsschritte des Kindes und um praktische Fragen im noch ungewohnten Familienleben geht.
Barbara Böse arbeitet seit sechs Jahren als Babybesucherin. Manche Familien würden sich auch Jahre nach dem Besuch noch bei ihr melden, wenn sie Unterstützung bräuchten, etwa bei der Kita-Anmeldung.© FUNKE Foto Services | Dirk A. Friedrich
„Ich finde es viel schöner, so etwas auf Papier zu lesen, auch weil ich in Anwesenheit meines Sohns nicht so viel aufs Handy schauen möchte“, sagt Lenz. „Und gerade auf Social Media gibt es so viele Meinungen, die als Fakten verkauft werden, wenn es um Babys geht.“ Da seien verlässliche schriftliche Informationen hilfreich. Mithilfe der Informationen von Böse habe sie außerdem einen Platz im Pekip-Kurs angefragt.
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Bereitschaft der Eltern ist im Süden höher
Solche Rückmeldungen freuen Barbara Böse, die seit sechs Jahren zum Team des Babybesuchsdienstes gehört. „Das Schöne an dem Job ist, dass es ein so positiver Anlass ist und die Familien sich über den Besuch freuen“, sagt sie. „Ich sage auch immer direkt zu Beginn, dass es kein Kontrollbesuch ist.“ Rund 1500 Familien nahmen den Babybesuchsdienst nach Angaben der Stadt im ersten Halbjahr 2026 in Anspruch, rund 670 Familien lehnten ab und rund 200 Familien konnten nicht erreicht werden. Die Annahme sei seit der Gründung des Babybesuchsdienstes im Jahr 2009 gleichbleibend hoch.
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Seit 2016 gilt das Angebot auch für Familien, die ihr zweites Kind bekommen haben, seit einigen Jahren auch für Familien mit drei oder mehr Kindern. „Auch mit zunehmender Erfahrung und Kinderzahl besteht weiterhin ein Informations- und Beratungsbedarf“, so Tobias Quiram, Pressesprecher der Stadt. Allerdings gebe es ein Nord-Süd-Gefälle: „Die Bereitschaft und das Interesse am Babybesuchsdienst sind im Süden höher.“ Das Jugendamt versucht, auch im Norden mehr Familien zu erreichen, unter anderem mit mehrsprachigem Info-Material und einem mehrsprachigen Team für die Besuche selbst.
Babybesuchsdienst ist ein Baustein in der Prävention
Im Babybesuchsdienst sieht das Jugendamt eine wichtige Chance, möglichst früh Kontakt zu Familien herzustellen, um zu informieren, bei Bedarf Unterstützung anzubieten und auch die Betreuungsquote zu steigern. Zuletzt hatte Sozialdezernent Peter Renzel mit Blick auf alarmierende Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen erklärt, Familien müssten deutlich früher erreicht werden als bisher. Vor allem die ersten 24 Lebensmonate eines Kindes seien entscheidend. Die Schuleingangsuntersuchung sei bislang der einzige Zeitpunkt, zu dem die Stadt alle Kinder systematisch sehe – doch für Prävention sei es dann schon zu spät.

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