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Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung · Aug 23, 2026

Geniestreich zieht seit 30 Jahren Komödienfans ins Essener Grend Theater

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Dagmar Schwalm · Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung

„Sie läuft und läuft und läuft“, sagt Felix Sommer, künstlerischer Leiter des Essener Grend Theaters, und meint den Publikumsrenner „Freunde der italienischen Oper“. Sigi Domkes Komödie, die 1996 zum Einzug des später umbenannten Theaters Freudenhaus ins Steeler Kulturzentrum aus der Taufe gehoben wurde, erfreut sich seit 30 Jahren großer Beliebtheit. Die Vorstellungen sind stets ausverkauft und es wird immer noch gelacht, wenn der italienische Gastarbeiter Rudolfo Zampini 1969 eine sehr deutsche Familie mit Charme, Musik und italienischer Pasta für sich gewinnt. Vom 24. bis 27. September wird der 30. Geburtstag der „Oper“ und des Grend im Beisein vieler Ehemaliger gefeiert.

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Essener Erfolgsstück begründete im Grend das Genre Ruhrgebietskomödie

Viele Stücke sind nach drei Jahrzehnten angestaubt, der Humor veraltet, die Handlung längst überholt. Nicht so die „Freunde der italienischen Oper“. Ein Geniestreich ist Sigi Domke gelungen, ein Klassiker, der in der Regie von Markus Andrae das Genre Ruhrgebietskomödie begründete. Doch was ist das Geheimnis des Stücks, das unerreicht blieb und durch alle Umbesetzungen hindurch funktioniert? „Alle Konflikte erledigen sich im Guten“, so Felix Sommer. Aber auch, dass der Alltagsrassismus und der Generationenkonflikt bei aller Komik immer noch aktuell sind, spielt eine Rolle.

Es gibt noch einen Grund zum Feiern. Das Theater Freudenhaus wurde von Thomas Koppelberg 1986 in Rüttenscheid mitbegründet. Nach der Abspaltung des Theater Courage war es ohne festen Wohnsitz – bis zum Einzug in die ehemalige Rektoratsschule in Steele. Im so benannten Grend haben das Bildungswerk, das theaterpädagogische Zentrum und das Theater Platz gefunden und rund 20 Jahre 15 Komödien von Sigi Domke. Rainer Besel begann in seiner Zeit als künstlerischer Leiter, neue Themen und Formate in den Spielplan einzubinden. Felix Sommer treibt die konzeptionelle Neuausrichtung seit 2023 voran. Damit geht auch die Umbenennung in Grend Theater einher. Man will sich nicht ausschließlich an die Ruhrgebietskomödie binden, aber die „Oper“ bleibt.

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Känguru-Werke verjüngen Publikum

Felix Sommer setzt nun erfolgreich neue Akzente mit den Verlagswerken „König Ödipus” von Bodo Wartke, „das zwei Preise abgeräumt hat“, Marc-Uwe Klings „Die Känguru-Chroniken” sowie mit Formaten wie dem musikalischen Abend „Mixtape”. „Wir müssen unsere Publikumsstruktur verjüngen“, weiß Sommer. „Bei den Känguru-Werken gelingt das auch.“ Aber auch die Monologe „Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen“ nach Christine Brückners gleichnamigem Buch und „NippelJesus“ nach Nick Hornbys Kurzgeschichte kommen bei Zuschauerinnen und Zuschauern an. Sie beschäftigen sich mit gesellschaftlich relevanten Themen und sind finanziell vertretbar.

Proben zu König Ödipus im Grend Theater

Reimfreudig in den Abgrund der Antike: Thorsten Struck und Thos Renneberg bestreiten im Grend Theater „König Ödipus“ in der Fassung von Bodo Wartke.© FUNKE Foto Services | Olaf Fuhrmann

Produktionen mit kleiner Besetzung halten den Aufwand des Theaters gering

„Dem Theater geht es gut“, sagt Felix Sommer. Damit das so bleibt, werden Stücke mit kleiner Besetzung, maximal drei Mitwirkenden, ausgewählt. „Stücke mit fünf Schauspielenden sind für uns ein zu großes Risiko, wenn es nicht voll wird“, so der 48-Jährige. Die Eigenproduktion „Demo Version“ des ehemaligen Grillo-Dramaturgen Florian Heller erfüllt die Kriterien. Trotz aktueller Bezüge kann es nicht genügend Publikum anziehen, das bereit ist, den Handlungsverlauf per Smartphone zu steuern. Es wird nicht wiederaufgenommen. Die Seniorinnenstücke „Zwei Witwen sehen rot“ und „Oma auf App-Wegen“ (nur noch wenige Vorstellungen) und „Der Ruhrfaust“ sehr wohl.

Viel gespielter Monolog rüttelt auf

Die neuen Pläne für diese Spielzeit sind auf Erfolg ausgerichtet. Der deutschlandweit viel gespielte Monolog „Prima Facie“ (allem Anschein nach wahr) von Suzie Miller gehört dazu. „Es ist ein harter Stoff“, meint Sommer. Das Stück hinterfragt die Rechtssicherheit von Vergewaltigungsopfern. Im Mittelpunkt steht eine ehrgeizige Strafverteidigerin, die Männer bei sexuellen Übergriffen raushaut und dann selbst Opfer einer Vergewaltigung durch einen Kollegen wird – was zu beweisen wäre. Paula Luy wird die fordernde Rolle der Anwältin spielen, Sascha von Zambelly führt Regie. Als zweite Premiere ist Bodo Wartkes „Antigone“ angedacht, also Antike in unvergleichlicher Reimkultur.

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Was immer auch gespielt wird und egal wie lange, „Freunde der italienischen Oper“ ist nicht mehr zu überbieten. Mehr als 700 ausverkaufte Vorstellungen sind es bis jetzt und ein Ende ist nicht abzusehen – mit sieben Schaupielenden übrigens und drei Generationen im Zuschauerraum. „Ich frage mich, wo die alle herkommen“, staunt Autor Sigi Domke. Zur Eröffnung des Theaters im Grend vor 30 Jahren fand mit der scharfen Parodie „Transatlantik“ von Witold Gombrowicz eine zweite Premiere statt. Von ihr redet kein Mensch mehr.

Programm zum 30-jährigen Bestehen des Grend und des Eröffnungsstücks „Freunde der italienischen Oper“:

„Grendslam Nr. 60“ (Poetryslam) am Mittwoch, 23.9., 20 Uhr, Wintergarten; „Latin Quarter Quartett“ (Konzert) am Donnerstag, 24.9, 20 Uhr, Veranstaltungsraum; „aux animaux + This Eternal Decay + Another Tale“ (Konzert ausverkauft) am Samstag, 26.9., 20 Uhr, Veranstaltungsraum; „Freunde der italienischen Oper“ (Jubiläumsvorstellung, wenige Restkarten) am 26.9., 20 Uhr, Grend Theater.

Karten auf der Internetseite des Grend Kulturzentrums und des Grend Theaters.

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