RSS Amplifier

Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung · Aug 25, 2026

Ein Stadtteil im Lesefieber: Sterkrader Lesesommer startet mit Jubiläumsprogramm

0
Sign in to vote or save

Nadine Gewehr · Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung

  • Der Sterkrader Lesesommer verwandelt den Stadtteil vom 28. August bis 13. September in eine bunte Bühne für Lesungen, Workshops und literarische Aktionen.
  • Bekannte Autorinnen und Autoren, vielfältige Veranstaltungen sowie viele Angebote für Kinder und Familien stehen auf dem Programm.
  • Die Events finden an besonderen Orten im Stadtteil statt, viele sind kostenlos.

Jahr für Jahr verwandelt sich der Oberhausener Stadtteil Sterkrade in ein literarisches Dorf. Es gibt Lesungen und Aktionen für Kinder; Fantasy-Figuren werden zum Leben erweckt, tiefgründige Geschichten erzählt, heitere Anekdoten vorgetragen. Egal ob Gedicht, Märchen oder Krimi - ob Schreibwerkstatt, Kabarett oder musikalische Lesung: Vom 28. August bis zum 13. September steht in Sterkrade die Literatur im Mittelpunkt. Das erste große Highlight ist seit Tagen ausverkauft.

Sterkrader Lesesommer: 36 abwechslungsreiche Veranstaltungen starten

Der Lesesommer startet mit einer Lesung von Lena Schätte im Klumpen Moritz. Alle Eintrittskarten sind bereits verkauft. Die 32-Jährige dürfte nicht nur eingefleischten Literaturliebhabern bekannt sein. Die junge Autorin hat in diesem Jahr den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen. In Sterkrade liest sie aus ihrem Roman „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“. Aus der Ich-Perspektive erzählt „Motte“, wie sie von ihrem Vater genannt wird, über das Leben mit einem liebenden, aber auch alkoholkranken Vater. Sie erzählt, wie sie selbst schon als Kind bei Schützenfesten Kellnerin spielte, um die Reste zu trinken, bis ihr warm wurde. Und sie erzählt, wie sie sich nach der schweren Krebsdiagnose des Vaters verabschiedet hat - vom Vater und vom Alkohol.

Buchautorin Lena Schätte

Die Autorin Lena Schätte, hier aufgenommen im Mai 2025, wurde in diesem Jahr mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Am 28. August liest sie in Oberhausen-Sterkrade.© FUNKE Foto Services | Andreas Buck

Die Lesung wird vom Literaturhaus veranstaltet - in Kooperation mit dem Theater Oberhausen. Kein Zufall: „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ steht als Bühnenfassung im Programm der neuen Spielzeit. Premiere der Uraufführung ist am 7. November im Theater-Studio.

Ruhrpott trifft New York: Autoren-Events in Oberhausen starten

Die Lesung ist nur eine von 36 Veranstaltungen, die es beim diesjährigen Sterkrader Lesesommer gibt - viele können kostenlos besucht werden. Das Organisatoren-Team rund um Kulturflur e. V., Stadtteilbibliothek und Sterkrader Stadtteilbüro freut sich, dass die Mischung in diesem Jahr wieder besonders bunt und abwechslungsreich ist.

Deutlich wird dies direkt am Morgen nach der Eröffnung, wenn Anne P. mit ihrer „hörbar Lesung to go“ ganz unkonventionell auf dem Sterkrader Wochenmarkt unterwegs ist und Menschen spontan mit ganz persönlichen Kurzlesungen inspiriert.

Stadtteil-Reportage Sterkrade

Auf dem Sterkrader Wochenmarkt erzählt Anne P. persönliche Kurzgeschichten.© FUNKE Foto Services | Lars Fröhlich

Unterhaltsam soll es auch werden, wenn der Oberhausener Autor Andreas Reichenbach am Montag, 31. August, im Stadtcafé Cordes von einem Leben zwischen Ruhrpott und New York erzählt. Eher leise Töne schlägt Nadine Rentmeister, ebenfalls am Montag, in ihrem Seminar „Achtsam Schreiben“ an. Im Traditionsgeschäft Spickermann, das in diesem Jahr seinen 160. Geburtstag feiert, kann man mit Sabine Henke am Dienstag, 1. September, in den Erinnerungen zu „Gerichten aus unserer Kindheit“ schwelgen.

Kämmerer bittet zum Kaffeekränzchen, Gerburg Jahnke liest in der Kirche

Am Mittwoch, 2. September, kommt ein Kämmerer zum Kaffeekränzchen. Apostolos Tsalastras, Herr über die Oberhausener Stadtfinanzen, liest Krimis in der Backstube der Konditorei Cordes. Die Macher freuen sich auf diesen Termin, denn die Backstube sei ein Ort, an den man sonst nicht ohne Weiteres gelangt. Und beim Sterkrader Lesesommer gehe es ja auch darum, den Stadtteil noch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und neue Orte zu entdecken. Zu diesen besonderen Orten zählt sicher auch das Bestattungshaus Berger bei einer Lesung am Mittwoch, 2. September.

Frau Jahnke im Burgtheater

Die Kabarettistin Gerburg Jahnke, hier bei einem Auftritt im Burgtheater Dinslaken im August 2025. Am Donnerstag, 3. September 2026, liest sie in der Sterkrader Kirche St. Clemens.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Auch die Oberhausener Prominenz lässt sich nicht lange bitten: Kabarettistin Gerburg Jahnke liest am Donnerstag, 3. September, Geschichten, die meistens von Frauen handeln. Oder von Männern. Oder von den Schwierigkeiten zwischen Mann und Frau. Oder von den Schwierigkeiten, die nichts mit Männern zu tun haben. Also Texte aus dem ganz normalen Alltag. So steht es in der Ankündigung. Karten kosten 10 Euro im Vorverkauf (Stadtteilbibliothek, Wiebus, Stadtteilbüro), die Lesung beginnt um 19 Uhr in der Kirche St. Clemens am Großen Markt. Die Hälfte des Verkaufserlöses geht übrigens an die Oberhausener Tafel.

Sterkrader Lesesommer entführt ins Ruhrgebiet der 50er Jahre

Lokalkolorit kommt selbstverständlich nicht zu kurz: Zahlreiche Autorinnen und Autoren werfen aus verschiedenen Richtungen einen Blick auf das Ruhrgebiet. Eva Völler liest zum Beispiel in der Friedenskirche aus „Ein Gefühl der Hoffnung“ und nimmt am Freitag, 4. September, das Publikum mit in das Ruhrgebiet der späten 1950er Jahre. Beim „Crashkurs Ruhrgebiet“ bringen Werner Boschmann, Jens Dirksen und Adolf Winkelmann am Mittwoch, 9. September, Geschichte, Sprache, Kultur und typischen Ruhrpott-Charme in der Buchhandlung Wiebus zusammen.

Newsletter Illustration

Viele Programmpunkte des Lesesommers richten sich an Kinder, Jugendliche und Familien. So liest Joachim Sohn am Freitag, 4. September, in der Steinbrinkschule aus „Sunnie & Polli – Aufregung in Dampfstadt“ und nimmt junge Zuhörer mit in ein detektivisches Katzenabenteuer. Eine Comic-Lesung mit Einblick in die Buchbinderei lädt am Dienstag, 8. September, zum Zuhören und Selbermachen ein.

Lesesommer in Sterkrade: Ehrenamtliche gestalten vielfältiges Programm

Zum Programm gehören aber auch nachdenkliche und gesellschaftlich relevante Beiträge. Der Zonta Club Oberhausen liest am 1. September an der „Orangenen Bank“ auf dem Martha-Schneider-Bürger-Platz Texte zum Thema Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Der Verein Alsbachtal und das Stadtarchiv laden mit „Geschichte für alle“ zu einer Lesung in einfacher Sprache über die Stadtgeschichte ein. Und bei der Pop-Up-Veranstaltung der neu gegründeten Human Library Oberhausen werden Menschen zu „lebenden Büchern“ und teilen ihre Erfahrungen, Perspektiven und Lebensgeschichten in persönlichen Gesprächen.

Auch interessant

Der Sterkrader Lesesommer ist ein Gemeinschaftsprojekt. Die Veranstaltungen werden von engagierten Menschen aus Sterkrade und Oberhausen organisiert. Das Orgateam koordiniert die Anmeldungen, stellt das Programm zusammen und sorgt dafür, dass aus vielen einzelnen Ideen ein gemeinsamer Lesesommer wird. Das komplette Programm gibt es auf www.sterkrader-lesesommer.de.

Read the original on nrz.de

Comments

Nothing yet. Say the first thing.

    Sign in to join the conversation.