Gestern hatte ich den wohl undankbarsten Zeitslot für meinen Workshop zum Thema “Reset & Recharge” beim Deutschen Lehrkräfteforum in Göttingen: 19:30 Uhr.
Am Abend. Nach einem prall gefüllten Tag. Direkt nach dem Abendessen. Wenn man einfach nicht mehr kann (so, wie du junge Lady oben, mit der ich meinen Workshop startete). Als ob da wirklich jemand mitmachen würde…
Und doch saßen ca. 50 Menschen im Raum (freiwillig!) – müde, aber neugierig.
Ein Teilnehmer sagte mir später sogar: „Ich dachte am Anfang wirklich, 75 Minuten Workshop am Abend können SEHR lang werden… gerade wenn’s jetzt um Achtsamkeit und so geht.“
Ich musste lachen – weil ich das selbst kenne. Diese leichte Skepsis gegenüber Dingen, die vermeintlich „ganz gut“ sind, aber bitte nicht anstrengend. Und schon gar nicht um 19:30 Uhr. Nach einem vollen Tag.
Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – war dann alles anders.
Wir alle hoffen insgeheim auf die perfekten Bedingungen: Mehr Zeit. Viel Ruhe. Eine bessere Ausgangslage. Ein leerer Kalender. Ein aufgeräumter Kopf. Ein 10-Uhr-Zeitslot.
Doch das Leben liefert diese Deluxe-Versionen von Augenblicken eher selten. Es liefert 19:30 Uhr nach einem vollen Tag. Und genau dann liegt es an uns zu entscheiden: Warte ich auf einen (vermeintlich) besseren Zeitpunkt – oder fange ich einfach an? Jetzt. Hier.
(fair enough: Es gibt Momente, in denen es gute Gründe gibt, nicht alles zu überstürzen… aber wenn wir ehrlich sind, sind das eher die Ausnahmen)
Im Workshop gestern war spürbar: Die Teilnehmenden waren voller Eindrücke vom Tag. Und gleichzeitig waren sie voll da. Bereit, sich einzulassen. Bereit, ihren eigenen Reset zu starten – in dem Moment, der ihnen gegeben wurde.
Die Energie im Raum hat sich mit der ersten Übung gleich nochmal verändert – nicht, weil die Bedingungen perfekt waren. Sondern weil die Menschen bereit waren. Bereit für ihren eigenen Reset & Recharge.
Eine Lehrerin erzählte mir heute Morgen ganz begeistert, sie habe abends gleich eine der Atemübungen zum Einschlafen gemacht (hat geklappt). Und morgens den kleinen Wirbelsäulentwist, um sich zu mobilisieren und in Aktion zu kommen (hat auch geklappt). Und gestern? Da war sie nach dem Workshop „entspannt, aber ganz klar und wach“.
Nicht zwingend perfekt. Aber unbedingt wirksam. Richtig gut!!
Ich habe den Teilnehmenden gestern u.a. die folgenden kleinen Tools mitgegeben — Dinge, die auch um 19:57 Uhr noch funktionieren:
Einen sanften Wirbelsäulentwist zum Loslassen der Spannung vom Tag.
Einen Atemfokus, bei dem wir eine Minute lang nur beobachtet haben, ohne etwas verändern zu müssen.
Eine kurze Reflexionsübung, bei der die Teilnehmenden sich selbst gefragt haben: „Wie geht’s mir – wirklich?“
(by the way: wie geht’s dir — wirklich?)
Mein vielleicht wichtigstes Learning dieses Workshops: Wir unterschätzen uns selbst regelmäßig – und überschätzen die Bedeutung der äußeren Umstände.
Manchmal ist ein scheinbar ungünstiger Moment genau der Raum, in dem etwas Neues entstehen kann. Nicht, weil alles “leicht” oder “perfekt” war, sondern weil wir uns entschieden haben, trotzdem anzufangen. So gut es geht.
Also: Bitte warte nicht, bis der Kalender stimmt. Oder die Raumtemperatur. Oder dein Energielevel.
Fang an genau dort, wo du bist (gedanklich, körperlich, emotional). Hier. Jetzt. So gut (oder müde) du kannst. Denn das genügt. Und ist mehr, als wir durch reines Nachdenken je schaffen würden.
Fang da an, wo du bist. Jetzt. Hier. Warte nicht auf den Moment, an dem alles passt. Er kommt nicht (ok, er kommt selten, sehr selten) – und du kannst trotzdem starten.
Nutze deinen Körper: Ein Atemzug, eine kleine Bewegung, ein Twist – dein Körper ist ein direkter Zugang zu Ruhe und Fokus.
Verbinde dich — bewusst: Mit dir selbst, mit anderen und mit dem, was dir wichtig ist. Verbundenheit macht uns resilienter als jede perfekte Tagesplanung.
take kair!
Nina
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