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nd: Berlin · Aug 21, 2026

DDR-Architektur | Totalabriss des Spaßbads SEZ zumindest aufgeschoben

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Andreas Fritsche · nd-aktuell.de

Das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) an der Landsberger Allee

Das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) an der Landsberger Allee

Foto: dpa/Soeren Stache

Hinter den verquasten Aussagen der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) und des Bausenators Christian Gaebler (SPD) stecke das Eingeständnis, dass ihr Versuch gescheitert sei, das in der DDR errichtete Sport- und Erholungszentrum (SEZ) in Ostberlin noch vor der Abgeordnetenhauswahl am 20. September abzureißen. So sieht es Carl Waßmuth, Sprecher der Initiative »Gemeingut in BürgerInnenhand«. Waßmuth sagt: »Tausende Bürgerinnen und Bürger haben das mit ihrem Engagement verhindert – durch Demos, Kundgebungen, Schreiben, Aufrufe und phantasievolle Aktionen. Es war ein riesiger Kraftaufwand, aber wir haben es geschafft.«

»Vier Wochen vor der Berlin-Wahl scheint sich eine kleine Sensation anzubahnen«, hatte das Boulevardblatt »Berliner Kurier« am Donnerstag gemeldet. Offenbar wolle Bausenator Gaebler nun nicht mehr das komplette SEZ für den Bau von rund 500 Wohnungen opfern. Auf Nachfrage hatte WBM-Sprecher Matthias Borowski dem Blatt erklärt: »Die Ausschreibung der Rückbauleistungen wird derzeit überarbeitet.« Entsprechend sei der Auftrag zum vollständigen Abriss des SEZ bislang nicht erteilt.

Genau das sagte Borowski dann am Freitag auch dem »nd«. Er fügte hinzu: »Bei einer Baumaßnahme dieser Größenordnung und Komplexität gehört es zu einer sorgfältigen Projektentwicklung, die Rahmenbedingungen und insbesondere die Baulogistik fortlaufend zu überprüfen und unterschiedliche Umsetzungsvarianten zu erproben. Auf dieser Grundlage wird anschließend das weitere Vorgehen im Vergabeverfahren intern festgelegt.«

Bis Ende August lasse die WBM an der Landsberger Allee einen provisorischen Gehweg anlegen. Dieser Weg sei erforderlich, um das an die WBM übertragene Grundstück vollständig als Straßenland zu entwidmen. Maßnahmen zur Schadstoffsanierung seien nach Freigabe durch die untere Naturschutzbehörde Ende Juni wieder aufgenommen worden. Anfang August habe die Wohnungsbaugesellschaft die Aufhebung des Baustopps beantragt. Sei dies erfolgt, so Borowski, sollen Arbeiten im Außenbereich, beispielsweise die Befüllung des Außenbeckens, wieder aufgenommen werden. »Arbeiten am eigentlichen Gebäude sind damit nicht verbunden«, versicherte der Sprecher.

»Angesichts der architektonischen und historischen Bedeutung des SEZ muss es jetzt einen transparenten politischen Prozess zur Zukunft des SEZ geben.«

Damiano Valgolio Linke-Abgeordneter

Inwiefern das SEZ damit womöglich wirklich gerettet sein könnte, bleibt unklar. »Der weitere Prozess darf nun nicht allein in den Händen der WBM liegen«, meint der Abgeordnete Damiano Valgolio (Linke). »Angesichts der architektonischen und historischen Bedeutung des SEZ muss es jetzt einen transparenten politischen Prozess zur Zukunft des SEZ geben, in den auch Initiativen und Anwohner*innen eingebunden werden. Schnelle Entscheidungen kurz vor der Abgeordnetenhauswahl oder parallel zu laufenden Sondierungs- oder Koalitionsverhandlungen verbieten sich da.«

Die Linke fordert eine unabhängige Machbarkeitsstudie zum kompletten beziehungsweise teilweisen Erhalt des ersten und einzigen Spaßbades der DDR. Hierbei solle insbesondere untersucht werden, wie der Bau einer Schule und von Wohnungen mit einer Sport- und Erholungsnutzung kombiniert werden könne, erläutert Valgolios Fraktionskollege Michael Efler. Ihm zufolge könnte das SEZ der »Prototyp einer klimafreundlichen Sanierung eines Bestandsgebäudes« sein.

Am 20. März 1981 hatte SED-Generalsekretär Erich Honecker das SEZ nach 27 Monaten Bauzeit eröffnet. Es zeichnete sich unter anderem durch ein Wellenbad, Schwimmbecken innen und außen, durch eine Bowlinganlage und andere Sportstätten aus. In seiner Art war es in der DDR einzigartig. Besucher strömten aus der gesamten Republik herbei. Seit 2002 steht das SEZ leer und verfällt.

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