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nd: Wirtschaft und Umwelt · Aug 20, 2026

Maritime Industrie | Fregatten und U-Boote füllen die Auftragsbücher

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Hermannus Pfeiffer · nd-aktuell.de

Die Peene-Werft in Wolgast gehört mittlerweile zum Rüstungskonzern Rheinmetall.

Die Peene-Werft in Wolgast gehört mittlerweile zum Rüstungskonzern Rheinmetall.

Foto: dpa/Stefan Sauer

Der deutsche Schiffbau ist in Fahrt gekommen. Es gehe nun darum, die Kapazitäten auszubauen, um die gestiegene Nachfrage in den nächsten Jahren auch bedienen zu können, sagte Hauptgeschäftsführer Reinhard Lüken während der Jahrespressekonferenz des Verbands für Schiffbau und Meerestechnik (VSM), die am Donnerstag in Hamburg stattfand. Kreuzfahrtschiffe für den US-amerikanischen Markt, Megayachten ab 80 Meter Länge für die weltweit wachsende Zahl von Milliardären und Marineschiffe seien die Wachstumstreiber.

Es sei allerdings falsch, die Wachstumsstory, die die deutschen Werften schreiben, mit der Rüstungsstory gleichzusetzen, beteuerte Lüken. Der Bau von Kriegsschiffen sei zwar »ein wichtiger Wachstumsfaktor, aber nicht der einzige«.

Offenbar ist der Branche das Image nicht recht, allein von der Militarisierung zu profitieren. Dieser Eindruck stellt sich aber gerade mit dem Einstieg des führenden Rüstungskonzerns Rheinmetall ein – der Panzer-Bauer aus Düsseldorf produzierte bisher keine Marineschiffe. Das änderte sich Ende 2025 mit der Übernahme der Militärsparte der Bremer Lürssen-Gruppe mit den vier Werften an den Standorten Wolgast, Hamburg und Wilhelmshaven.

Die Abhängigkeit von der Aufrüstung zeigt sich auch an anderer Stelle: beim Aus für den neuartigen Schiffstyp F126. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) stoppte im Juni den Auftrag für den Bau von insgesamt sechs dieser Fregatten. Der Schiffbauverband zeigte sich verärgert: »Die Nachricht kam für viele der beteiligten Unternehmen überraschend und stellt sie vor erhebliche Herausforderungen.« Betroffen sind laut Lüken neben den Rheinmetall-Werften mehr als 100 Zulieferunternehmen. Von den Werften trifft es wohl besonders Warnow. Dem Vernehmen nach ist die auf »graue« Schiffe spezialisierte Werft in Vorpommern aber auf lange Sicht mit Aufträgen ausgelastet.  

Offenbar ist der Branche das Image nicht recht, allein von der Militarisierung zu profitieren.

Stattdessen orderte Pistorius acht kleinere Kampfschiffe Meko A-200 vom Thyssen-Krupp-Ableger TKMS in Kiel. Der Stückpreis soll bei 1,5 Milliarden Euro liegen. Die Meko, die in vielen Marinen bereits im Einsatz ist, wäre damit etwas günstiger als die Rheinmetall-Konkurrenz. Zur Beruhigung der Branche trug allerdings bei, dass TKMS postwendend ankündigte, die vom Abbruch des F126-Projekts betroffenen Unternehmen im Rahmen des neuen Programms nach Möglichkeit einzubinden.

Der Schiffbauverband hätte gerne beide Projekte verwirklicht. Bereits vor einem Jahr betonte der VSM, mit einer schnellen Meko-Beschaffung seien große Chancen verbunden – vorausgesetzt sei eine pragmatische Herangehensweise bei den bisher üblichen Bauvorschriften. Über eine solche ist Lüken nun hocherfreut. 

Im Juli ging zudem der größte U-Boot-Auftrag der Nato-Geschichte nach Kiel. In einer sonst ungewöhnlichen gemeinsamen Anstrengung von Unternehmen und Regierung konnte man einen Verbündeten, nämlich Kanada, von den Vorzügen des Angebots aus Deutschland überzeugen. Mit Unterstützung aus Norwegen entsteht nun ein Netzwerk aus baugleichen U-Booten für den Nato-Raum.

»Die riesigen Meeresgebiete Kanadas werden künftig mit Hilfe von zwölf hochmodernen und besonders leistungsfähigen U-Booten aus Deutschland geschützt«, heißt es vollmundig in einer Mitteilung des VSM. Das Auftragsvolumen taxiert der Verband auf umgerechnet etwa 37 Milliarden Euro. Für den Kieler Marineschiffbauer ist das der bislang größte Einzelauftrag in der Unternehmensgeschichte – so viel dazu, dass die Branche nicht allein von der Militarisierung profitiert.

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