Wie hingekleckst an den Hängen: Häuser in Nuuk, der Inselhauptstadt
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Der Verkäufer in der Drogerie eines Einkaufszentrums in Grönlands Hauptstadt Nuuk nimmt es gelassen. Natürlich darf man hier fotografieren. Vermutlich weiß er, dass es wieder einmal um die roten Trump-Kappen geht, die gleich am Eingang neben grönländischen Flaggen in verschiedenen Größen und Insignien der dänischen Krone drapiert sind. »Make America Go Away« steht darauf. Und »Nu det NUUK!« – ein Wortspiel mit dem Namen der grönländischen Hauptstadt und dem dänischen Satz »Nu er det nok!«: Jetzt reicht’s!
Seit Trump im Januar 2026 sein Begehren erneuerte, Grönland in den Besitz der Vereinigten Staaten zu bringen, sind die roten Kopfbedeckungen vielerorts aufgetaucht. Auf Demonstrationen gegen die rüden Übernahmepläne für den weitgehend selbstverwalteten Teil des Königreichs Dänemark waren sie in Kopenhagen und Nuuk zu sehen. Auch auf europäischen Zeitungsseiten machten sie knallrot auf die Besorgnis aufmerksam, die Trumps wiederholte Ansprüche in der Europäischen Union und unter den Nato-Partnern ausgelöst haben. Die clevere Marketingidee verbindet sich mit Unterstützung für die Interessen der Insel und ihrer rund 57 000 Einwohner. Zahlreiche Kappen wurden auch in die Vereinigten Staaten verkauft.
Hier braucht es keine Animateure. Hier ist die Natur der Star.
An den Tidewater Steps, den Hafenstufen von Nuuk, ficht der geopolitische Streit die zumeist jungen Guides zumindest sichtbar kaum an. Eine besonders lebhafte junge Frau freut sich von ganzem Herzen über das deutlich gewachsene Interesse an ihrer Insel: So viele Menschen aus so vielen Ländern wie in diesem Sommer hätten noch nie in den quietschgelben Wassertaxis Platz genommen. Und als müsse sie es beweisen, zählt sie die Länder auf, aus denen ihre Gäste stammen.
Selbstbewusst, mit viel Spaß und noch mehr Stolz präsentieren die Guides ihre Heimat – bei Walbeobachtungen, Eisfjordfahrten und Angelausflügen. Danach wird der Fang an Land fachmännisch zerlegt, zubereitet und von den stolzen Gelegenheitsfischern verspeist. Die Besatzungen der Wassertaxis scheinen keine festen Dienstzeiten zu kennen. Eine mit sechs Stunden angesetzte Tour ins ewige Eis kann gut und gern eine Stunde länger dauern, weil es in dieser einzigartigen Landschaft noch so viel zu zeigen gibt. Und weil die Sommertage im hohen Norden ohnehin kaum ein Ende nehmen.
Ob sich die engagierte und wohltuend wenig routinierte Betreuung herumspricht oder die seltsame »Öffentlichkeitsarbeit« aus dem Weißen Haus 2026 für zusätzliche Gäste sorgt, wird sich erst nach Abschluss der Saison zeigen. Die bisherigen Zahlen belegen jedoch das wachsende Interesse: Rund 149 000 internationale Gäste besuchten Grönland 2024, davon etwa 54 000 per Flugzeug und 95 000 mit Kreuzfahrtschiffen. 2025 nahm die Zahl der Touristen nochmals um acht Prozent zu.
Tipps
- Anreise: Von Deutschland führen die Flugverbindungen über Kopenhagen oder den isländischen Flughafen Keflavík. Im Sommer bestehen außerdem Direktverbindungen aus Newark, Billund und Aalborg. Informationen unter: airgreenland.com, icelandair.com, united.com
- Unterwegs: Zwischen den grönländischen Orten gibt es keine Straßenverbindungen. Weiterreisen erfolgen mit Flugzeug, Hubschrauber, Küstenschiff oder kleineren Booten.
- Reisezeit: Für Bootsausflüge, Walbeobachtungen und die langen Sommertage eignen sich vor allem die Monate Juni bis September. Reiseinformationen unter visitgreenland.com
Der neue internationale Flughafen von Nuuk wurde Ende November 2024 eröffnet. Im Juni 2025 nahm die Fluggesellschaft United Airlines die erste direkte Linienverbindung aus den USA seit 2008 auf. In diesem Sommer wird die Strecke zwischen Newark und Nuuk erneut zweimal wöchentlich bedient. Grund zur Freude gibt es also, aber auch zur Vorsicht. Das Tourismusamt Visit Greenland hat 2025 eine Zehnjahresstrategie bis 2035 vorgelegt, die auf dem Tourismusplan der grönländischen Regierung aufbaut. Nicht allein die Zahl der Gäste soll wachsen. Entscheidend ist, dass Natur, Kultur und lokale Gemeinschaften geschützt werden und die Wertschöpfung im Land bleibt. So soll verhindert werden, dass Grönland die Fehler bereits überlaufener Reiseziele wiederholt.
Noch ist Grönland vom Übertourismus weit entfernt. Zu Fjorden, Gletschern, Eisbergen und Wasserfällen brechen Individualreisende, die nicht mit den großen Kreuzfahrtschiffen auf die Insel gelangt sind, vom Hafen der Hauptstadt aus in kleinen gelben Booten mit zehn bis zwölf Sitzplätzen auf.
Mit zunehmender Entfernung von den roten, gelben, grünen und blauen Häuschen, die wie hingekleckst an den Hängen stehen und denen die neueren grauen Wohnblöcke kaum Konkurrenz machen können, öffnet sich eine atemberaubende Welt. Hier braucht es keine Animateure. Hier ist die Natur der Star – und die staunende, ergriffene Stille an Bord der Beifall.
Inmitten der mit jedem Kilometer zahlreicher werdenden weißen oder hellblau schimmernden, bizarr geformten Eisberge bekommen längst abgenutzte Begriffe wie Nachhaltigkeit, Bewahrung und Endlichkeit einen neuen Klang. Und das heutzutage überstrapazierte Wort von der Demut findet zu seiner eigentlichen Bedeutung zurück.
Mit der Demut – das konnte die Welt inzwischen bis zum Abwinken erfahren – hat es Donald Trump nicht so. Vielleicht hatte er gehofft, die Grönländer würden mit fliegenden Fahnen in die Vereinigten Staaten strömen. Schließlich hat die Bevölkerung ihre eigenen schlechten Erfahrungen mit der früheren Kolonialmacht gemacht. Grönland war bis 1953 dänische Kolonie und verwaltet sich seit 2009 weitgehend selbst. Außen- und Verteidigungspolitik liegen jedoch weiterhin vor allem in Kopenhagen; zudem trägt ein jährlicher dänischer Zuschuss einen erheblichen Teil des grönländischen Haushalts. 2025 entschuldigte sich Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen bei den Betroffenen einer Verhütungskampagne, in deren Verlauf tausenden grönländischen Frauen und Mädchen ohne ihr Einverständnis Spiralen eingesetzt oder andere Verhütungsmittel verabreicht worden waren. Im selben Jahr schaffte Dänemark zudem die wegen kultureller Voreingenommenheit kritisierten Elternkompetenztests für grönländische Familien ab.
Trumps Rechnung scheint in Grönland nicht aufzugehen. In Nuuk sind die roten Schirmmützen längst nicht mehr allein. T-Shirts und große Aufsteller mit der Botschaft »Greenland is not for sale!« sind hinzugekommen.

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