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nd: Ratgeber · Aug 12, 2026

Inflation in Kuba | Kuba: Speiseöl wird zum Luxusgut

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Andreas Knobloch, Havanna · nd-aktuell.de

Es gibt Speiseöl in kubanischen Läden, aber nur zu exorbitanten Preisen

Es gibt Speiseöl in kubanischen Läden, aber nur zu exorbitanten Preisen

Foto: AFP/Yamil Lage

Der Preis für Speiseöl kennt auf Kuba seit Wochen nur eine Richtung – steil nach oben. Kostete der Liter im April noch 1500 Pesos, waren es im Juni bereits 2000. Ende Juli kletterte der Preis auf 2500 und Anfang August an einigen Orten auf mehr als 5000 Pesos, was auf der Straße rund 8,5 US-Dollar entspricht, etwa sieben Euro. Dabei ist der Wechselkurs des Peso zum US-Dollar seit Wochen recht stabil; derzeit erhält man in staatlichen Wechselstuben für einen US-Dollar 624 Pesos, auf der Straße 670. Das unabhängige Webportal ElToque, das täglich den informellen Wechselkurs veröffentlicht, wies zwischenzeitlich ein eigenes Preisbarometer für den Liter Speiseöl aus.

Zum Vergleich: Der staatliche Mindestlohn wurde gerade erst auf 3210 Pesos pro Monat erhöht. Selbst für diejenigen, die im Privatsektor angestellt sind und dort in der Regel etwas mehr verdienen, bleibt Speiseöl ein kaum zu bezahlendes Luxusgut. »Ich muss mein ganzes Gehalt für Speiseöl ausgeben – was soll ich essen? Öl?«, schrieb eine Nutzerin in den sozialen Netzwerken und erhielt viel Zustimmung. Andere nehmen die Situation mit Galgenhumor und posten Memes wie: »Tausche ein MacBook gegen fünf Flaschen Speiseöl« oder: »Du hast mich mit zwei Flaschen Speiseöl gesehen und sofort eine Freundschaftsanfrage geschickt.«

Profitgier oder gestiegene Importkosten?

Die privaten Händler rechtfertigen die Preiserhöhungen mit gestiegenen Import- und Transportkosten und der Devisenknappheit angesichts der US-Sanktionen. Die Behörden hingegen machen Profitgier und Spekulation für die enormen Preissprünge innerhalb kürzester Zeit verantwortlich.

Angesichts des wachsenden Unmuts in der Bevölkerung sind die Regierungen mehrerer Provinzen dazu übergegangen, die Preise für verschiedene Produkte im privaten Einzelhandel zu deckeln. Villa Clara, Holguín und Matanzas haben eine maximale Gewinnspanne von bis zu 30 Prozent für ein Dutzend Grundnahrungsmittel festgelegt. Für einen Liter Speiseöl (außer Olivenöl) dürfen in Matanzas maximal 2250 Pesos im Großhandel und 2500 Pesos im Einzelhandel verlangt werden; für Eier 100 bzw. 110 Pesos pro Einheit; für das Kilo Milchpulver 3000 und 3400 Pesos; was rund einem Monatsmindestlohn für das Pfund Reis 250 und 300 Pesos. In Havanna richtete der Stadtbezirk Plaza eine Hotline ein, über die die Bevölkerung überhöhte oder spekulative Preise privater oder staatlicher Händler melden kann.

Erst im Juni hatte das Ministerium für Finanzen und Preise seit Juli 2024 geltende Höchstpreise für fünf Grundnahrungsmittel und -güter (Milchpulver, Würstchen, Waschmittel, Nudeln und Speiseöl) aufgehoben.

Stop and Go bei den Reformen

Nun also die Rolle rückwärts. Dabei hebeln die neuen Preisdeckel faktisch eine der Maßnahmen des gerade erst verabschiedeten Reformpakets aus. Mitte Juni hat die kubanische Nationalversammlung die umfangreichsten Wirtschaftsreformen in Kuba seit Jahrzehnten beschlossen. Der 176 Punkte umfassende Plan sieht eine Abkehr von der zentralen Planwirtschaft, eine stärkere Öffnung der staatlich gelenkten Wirtschaft und die Einführung marktwirtschaftlicher Mechanismen vor. Damit sollten auch staatlich festgelegte Preise ein Ende haben; sie haben sich in der Vergangenheit als unwirksam und kontraproduktiv erwiesen.

»Die Befugnis zur Genehmigung von Preisen und Tarifen wird auf Unternehmen sowie auf Gebiets- und Kommunalverwaltungen dezentralisiert. Preisobergrenzen werden flächendeckend abgeschafft«, heißt es da. Und an anderer Stelle: »Bei der Preisgestaltung werden Kosten, Aufwendungen, Markttrends, Wertschöpfungsketten sowie die vertikalen und horizontalen Beziehungen zwischen den Wirtschaftsakteuren berücksichtigt.« Die Rolle des Marktes bei der Preisbildung werde anerkannt.

Importe müssen in Devisen bezahlt werden

Die Rückkehr zu Kontrollmechanismen offenbart nach Ansicht einiger Wirtschaftsexperten die Probleme bei der Umsetzung der Reformen. »Der vermeintlich stärker liberalisierende Ansatz der 176 Maßnahmen verpuffte in weniger als zwei Monaten«, schreibt der in Paris lebende kubanische Ökonom Pedro Monreal in einer auf seinen Social-Media-Kanälen veröffentlichten Analyse. »Ein solches Vorgehen – abrupt und ohne produktiven Puffer oder ausreichende soziale Absicherung – schafft mehr Verzerrungen als Lösungen.«

Dabei ist die verfügte maximale Gewinnspanne ein flexibleres Instrument als die fixen Höchstpreise der Vergangenheit. Allerdings haben die Provinzregierungen konkrete Referenzpreise in Peso festgelegt – und die werden im Grunde hinfällig, sobald sich die Transportkosten erhöhen oder der Peso gegenüber dem Dollar weiter an Wert verliert. Und davon ist auszugehen. Denn Importe müssen in Devisen bezahlt werden – und die werden immer knapper.

Kubas großes Dilemma: Die Reformagenda muss im Kontext einer immer aggressiveren Strangulierungspolitik Washingtons umgesetzt werden. Nach der Ende Januar verfügten Blockade aller Rohöllieferungen nach Kuba haben die USA seit Anfang Mai das Sanktionsregime gegen die kubanische Regierung und auf der Insel tätige ausländische Unternehmen massiv verschärft.

Das hat zum Rückzug spanischer Hotelketten, internationaler Bergbaukonzerne, der Kreditkartenunternehmen Visa und Mastercard sowie deutscher und französischer Reedereien aus dem Kuba-Geschäft geführt. Zuletzt verhängte die Trump-Regierung Zwangsmaßnahmen gegen staatliche kubanische Hafenbetreiber; Tausende Container mit Ziel Kuba hängen in diversen Häfen der Region fest. Die steigenden Preise hängen eben auch mit den zunehmenden Problemen zusammen, angesichts der US-Blockadepolitik Waren ins Land zu bekommen. Sie geben insofern einen Ausblick auf das, was dem Land noch bevorstehen könnte, wenn auch andere Grundnahrungsmittel als Speiseöl knapp werden.

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