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Morgenimpuls · Aug 23, 2026

Teil von etwas Größerem

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DOMRADIO.DE · https://www.domradio.de

Sommerzeit ist Festivalzeit. Dieses Jahr war ich zum ersten Mal bei Rock am Ring. 

Was für eine Atmosphäre. Musik, die man nicht nur hört, sondern spürt. Die Bässe. Die Beats. Und diese vielen Menschen. Alle schwarz gekleidet, alle irgendwie entspannt. Ich kenne kaum eine Menschengruppe, die so friedlich und freundlich ist wie Rocker und Metaller. 

Ich gehe generell gern auf Konzerte, obwohl ich einen entscheidenden Nachteil habe: Ich bin ziemlich klein. In Menschenmengen habe ich selten den Überblick. 

Bei Rock am Ring waren rund 90.000 Menschen. Eine Zahl, die ich kaum greifen kann. Und das Verrückte ist: Man merkt sie gar nicht. 

Natürlich weiß ich, dass da Zehntausende sind. Aber ich sehe nur die Menschen direkt um mich herum. Ich höre die Stimmen in meiner Nähe. Ich nehme die paar Reihen vor und hinter mir wahr. Mehr nicht. Und trotzdem singen da Tausende denselben Song.

Als ich später darüber nachgedacht habe, musste ich an die Kirche denken: Katholisch bedeutet ja "weltumfassend". Und genau das mag ich eigentlich am Katholischsein. Wenn ich im Urlaub irgendwo einen Gottesdienst besuche, dann finde ich mich meistens sofort zurecht. Die Abläufe, die Gebete, die Gesten – vieles ist vertraut. Egal, ob in Deutschland oder anderswo. 

Manchmal wirkt Kirche auf mich ziemlich klein. Dann sehe ich die Menschen in meiner Gemeinde, die vertrauten Gesichter in den Kirchenbänken, und denke: ganz schön wenige, ganz schön traurig. 

Aber eigentlich weiß ich, dass das nicht stimmt. 

So wie ich bei Rock am Ring nicht wirklich erfassen konnte, dass da 90.000 Menschen gemeinsam feiern, kann ich auch nicht erfassen, wie viele Menschen weltweit glauben, hoffen, zweifeln, beten und nach Gott suchen. 

Ich sehe nur meinen kleinen Ausschnitt. 

Vielleicht geht es vielen so. Wir nehmen vor allem das wahr, was direkt vor uns ist. Die Menschen in unserem Umfeld. Die, die wir kennen. Und vergessen dabei manchmal, dass wir Teil von etwas viel Größerem sind. 

Bei Rock am Ring habe ich das für einen Moment gespürt: Ich war eine von 90.000. Und trotzdem nicht verloren.

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