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Morgenimpuls · Aug 21, 2026

Ein Gott, der berührt

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DOMRADIO.DE · https://www.domradio.de

In den Sommerferien mache ich oft Dinge, zu denen ich sonst nie komme. Zum Beispiel Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt. Ich bin da wirklich schlecht drin. Ich vergesse es. Ich ignoriere es. Und manchmal will ich vielleicht auch einfach gar nicht wissen, ob da irgendwas in mir schlummert. 

Und ehrlich gesagt sitze ich auch einfach unfassbar ungern in Wartezimmern. Vielleicht kennst du das ja? Es ist gar nicht die Langeweile. Die kriegt man heute mit dem Smartphone sowieso besser rum als früher mit den abgegriffenen Zeitschriften auf dem Tisch. 

Es ist eher dieses Gefühl von: Hoffentlich steckt man sich hier nicht mit irgendwas an. Genau aus dem Grund fällt es mir manchmal auch schwer, in Krankenhäuser zu gehen. Für mich sind das oft Orte potenzieller Ansteckung. 

Wie widersprüchlich eigentlich. Ich gehe ungern zur Vorsorge und habe gleichzeitig Angst, mich anzustecken. 

Und vielleicht steckt darin etwas Größeres. Denn Krankheit macht oft einsam. Krankheit grenzt aus. Das merke ich auch in der Schule. Wenn Lernende länger krank waren und zurückkommen, dann sind sie oft erstmal "die, die lange weg waren". Man ist rausgefallen. Man muss wieder Anschluss finden.  

Und ich merke diese Berührungsängste auch bei mir selbst. Wenn ich im Wartezimmer unruhig auf meinem Stuhl hin und her rutsche. Oder wenn ich manchmal gar nicht möchte, dass andere merken, dass es mir vielleicht selbst nicht gut geht. 

Krankheit schafft Distanz. Zwischen Menschen. Zwischen dem, was man zeigen will, und dem, was wirklich ist. 

Und genau deshalb berührt mich Jesus an dieser Stelle so sehr. Denn Jesus hatte diese Berührungsängste nicht. Er hat Menschen berührt, die längst ausgeschlossen waren. Menschen, denen andere lieber aus dem Weg gegangen sind. Kranke Menschen. Einsame Menschen. Menschen, die niemand mehr anfassen wollte. 

Und genau dort beginnt plötzlich wieder Beziehung. 

Ich glaube, das ist eines der größten Wunder: Dass Gott keine Angst vor Nähe hat. Keine Angst vor dem, was verletzt, krank oder zerbrochen ist. Gott hält Abstand nicht aus, sondern überwindet ihn.

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