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meine Postkarte für mehr Leichtigkeit · May 19, 2026

Zwischen Tun und Lassen

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Maren · meine Postkarte für mehr Leichtigkeit

Liebe Leserin,

es hat eine Weile gedauert, bis mein Kopf und mein Körper tatsächlich am selben Ort angekommen sind. In den ersten Tagen meiner Pause fühlte ich mich noch seltsam rastlos, fast „jumpy“, wie ein Motor, der nach dem Ausschalten noch einen Moment nachläuft. Selbst in den freien Stunden, bei all den Dingen, die ich mir vorgenommen hatte – das Wandern, das Stricken –, ertappte ich mich dabei, wie ich sie wie Aufgaben auf einer Liste behandelte. Ich trug die Anspannung der vergangenen Monate noch wie eine zweite Haut. Doch heute, mit etwas Abstand, begreife ich: Das Ankommen in der Pause ist keine Handlung, die man vollzieht, sondern ein Loslassen, das man zulässt. Es ist der Moment, in dem die erzwungene Produktivität verstummt und der Raum entsteht, in dem ich die Zeit nicht mehr fülle, sondern bewohne.

Doch was bedeutet ‚Pause‘ eigentlich, wenn die gewohnte Taktgeberin verstummt? Für mich ist es das Fehlen von Fremdbestimmung: Niemand, der auf eine Antwort wartet, kein Terminkalender, der mich rahmt. Ein Zustand, der sich zunächst befreiend anfühlt, doch bald darauf eine neue, fast irritierende Nuance offenbart: die Herausforderung, sich selbst zu navigieren. Denn sobald die äußeren Anforderungen schwinden, steht man plötzlich vor der Frage: Wann ist Zeit für den Haushalt, wann für die Bewegung, wann für den kreativen Ausdruck? Diese Freiheit ist ein unbeschriebenes Blatt, das erst durch den Mut zur eigenen Ordnung seine wahre Gestalt annimmt.

Ich habe gemerkt, dass ‚Freiheit‘ für mich nicht bedeutet, völlig ohne Anker zu sein. Ein wenig Struktur von außen wirkt Wunder, um den Geist zu fokussieren. Meine wunderbare Mentorin Astrid Bracke bietet monatliche Planungssessions an, die mir als wertvoller Kompass dienen. Heute wage ich zudem ein Experiment mit digitalen Co-Writing-Sessions – wir werden sehen, ob dieses Format meinen Schreibfluss beflügelt. Und für den Rest meines Alltags? Da habe ich einen fast altmodischen Stundenplan wiederbelebt. Natürlich verfolge ich ihn längst nicht mehr so streng wie zu Schulzeiten, doch er gibt mir jenen sanften Rahmen vor, der es mir erlaubt, ohne schlechtes Gewissen zwischen Tun und Lassen zu wechseln.

Dabei muss ich an eine Diskussion denken, die wir in einer Weiterbildung zur Teamführung hatten. Wir sprachen darüber, wie unterschiedlich wir eigentlich mit Fristen umgehen – die Einteilung in jene, die stets vorzeitig liefern, und jene, die erst unter dem drohenden Schatten der Deadline zur Höchstform auflaufen. Lange Zeit war ich überzeugt, zu Letzteren zu gehören. Doch die Jahre der Selbstbeobachtung haben mir eine andere Wahrheit offenbart: Ich bin weder das eine noch das andere.

Ich bewege mich in einer Zwischenwelt. Ohne einen Rahmen kann ich weder produktiv sein noch zur Ruhe finden, doch den Druck der letzten Minute brauche ich ebenso wenig. Was ich tatsächlich benötige, ist eine Landkarte. Ein klares Ziel, ein Vorhaben, das ich greifbar vor mir habe – sei es eine einfache Liste auf einem Notizzettel, die ich Stück für Stück abarbeite. Wenn ich weiß, wohin die Reise geht, entfaltet sich meine Motivation von ganz allein. Sobald der Rahmen selbst gewählt und gesteckt ist, brauche ich keine äußere Instanz mehr, die mich antreibt. Ich bin meine eigene Taktgeberin.

Zum Ankommen in der Pause haben mich zwei TV-Serien begleitet. Sie hatten keinen anderen Zweck, als den Moment zu füllen – und das haben sie wunderbar getan:

  • Bones: Es ist erstaunlich, wie gut diese Serie gealtert ist. Dieser Mikrokosmos aus Forensik als TV-Spektakel und einer wunderbar eigenwilligen Gruppendynamik unter den Nerds macht auch mehr als ein Jahrzehnt später noch großen Spaß.

  • Chornobyl: Passend zum 40. Jahrestag. Eine spannende Arbeit über die Ereignisse, über Wahrheit und die Kontextualisierung von Informationen und Widerstand in einem System, das bereits von Rissen gezeichnet war. Düster und zugleich hoffnungsvoll.

Damit ich bei all der Muße nicht den Halt verliere, haben sich für mich drei kleine Anker bewährt. Es sind keine starren Systeme, sondern Einladungen an mich selbst, den Tag bewusst zu gestalten:

  • Monatliche Planungssessions: Die Zeit mit meiner Mentorin Astrid Bracke ist mein Kompass. Einmal im Monat kurz innezuhalten und das Große und Ganze zu sortieren, nimmt den Druck aus den täglichen Entscheidungen.

  • Digitale Co-Writing-Sessions: Wenn der Schreibfluss stockt, ist die bloße Anwesenheit anderer – selbst virtuell – oft der Schlüssel. Es ist ein sanftes „Wir sind zusammen dran“, das mich aus der Isolation holt.

  • Der fast altmodische Stundenplan: Nichts hält meine Gedanken besser beieinander als ein einfacher Notizzettel für die Woche. Er ist meine Landkarte, die mir erlaubt, ohne schlechtes Gewissen zwischen Tun und Lassen zu wechseln.

Ich bin neugierig: Wie sieht dein „sanfter Rahmen“ aus?

  1. Hast du auch ein Ritual, das dir hilft, wenn der Alltag zu laut wird?

  2. Wie gehst du mit dem Druck um, „produktiv“ sein zu müssen?

  3. Gibt es etwas, das du in letzter Zeit einfach nur zum Genießen angesehen oder gelesen hast, ganz ohne Hintergedanken?

Nimm dir Zeit zum Durchatmen – in welcher Form auch immer.

Bis demnächst,

Maren

Read the original on mehrleichtigkeit.substack.com

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