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meine Postkarte für mehr Leichtigkeit · Sep 10, 2025

Die Kunst des Loslassens

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Maren · meine Postkarte für mehr Leichtigkeit

Liebe Leserin,

nachdem ich in meiner letzten Postkarte etwas kryptisch war, lüfte ich heute das Geheimnis: Ich werde meine jetzige Position zum 31. Dezember verlassen. Die Entscheidung ist das Ergebnis einer einfachen, aber wichtigen Erkenntnis. In den letzten Monaten schrumpfte mein Handlungsspielraum, während ich immer wieder die gleichen Themen diskutieren musste. Die Liste der Dinge, die ich nicht mehr tun wollte, wurde unaufhaltsam länger. Es war Zeit für einen klaren Abschluss.

Dieses Ende hat mir vor Augen geführt, wie wichtig es ist, das Loslassen nicht nur auf berufliche Stationen, sondern auch auf persönliche Projekte und Lebensbereiche anzuwenden. Wie aber lässt man etwas los, das man nicht einfach in den Altkleidersack oder in den Altpapiercontainer geben kann? Projekte, Ziele oder Gewohnheiten?

Die Antwort, die ich für mich fand, ist eine Frage: Was brauche ich eigentlich?

Mit dieser Frage im Gepäck begann ich, mich durch meine physische und digitale Umgebung zu bewegen – und mir wurde schnell klar, wie viel unnötiger Ballast sich angesammelt hatte. Meine alten Grundschulzeugnisse, E-Mails aus dem Jahr 2010 oder das ICQ-Passwort – Dinge, die nicht mehr zu meiner Gegenwart passen, können einfach gehen. Es ist ein Akt der Befreiung.

Dieser Blick auf das „was ist notwendig“ hat mich auch dazu gebracht, zu erkennen, was ich behalten und anpassen muss. Genauso, wie mein altes Mountainbike, das ich als Sportgerät gekauft hatte, heute mit neuen Reifen, Licht und Gepäckträger zu meinem täglichen Begleiter für den Weg von A nach B geworden ist. Ich habe das, was ich habe, auf die Bedürfnisse meines Lebens ausgerichtet.

Diese Erkenntnis übertrage ich nun auf meinen digitalen Alltag. Der wohl wichtigste Schritt zu mehr digitaler Leichtigkeit ist die Entrümpelung. Vielleicht erinnerst du dich an meine Postkarte „Pause“, in der ich über den bewussten Unterschied zwischen smart und phone geschrieben habe. Mein Smartphone ist heute beides in einem. Es ist mehr als nur ein Werkzeug – es ist ein Taschencomputer. Und es kann jedes Tablet, jeden Laptop oder Desktop ersetzen.

Es ist eine persönliche Entscheidung, das Smartphone auf das Wesentliche zu reduzieren und es wieder zu unserer nützlichen Partnerin zu machen. Das, was ich für Kommunikation, Navigation und Kreativität brauche, ist direkt verfügbar. Alles andere habe ich aufgeräumt und an seinen Platz im digitalen Archiv gelegt. Es ist da, wenn ich es brauche, aber es lenkt mich nicht ab. Die ständige visuelle Überladung weicht der Klarheit, und mein Gerät wird wieder zu einem kraftvollen Werkzeug und nicht zur reizüberflutenden Ablenkung.

Gerade in Zeiten der Veränderung schätze ich es sehr, mich von Geschichten inspirieren zu lassen. Meine erste Empfehlung ist die Serie "Das Geheimnis des siebten Weges". Als Kind habe ich diese Serie aus dem Jahr 1983 geliebt und mich bei jedem Rätsel mitgegruselt. Es ist eine wunderbare Möglichkeit, für einen Moment in die Vergangenheit einzutauchen.

Meine zweite Empfehlung ist der Film "May, die dritte Frau". Die vietnamesische Produktion erzählt von einer 14-Jährigen, die im 19. Jahrhundert die dritte Ehefrau eines Landbesitzers wird. Der Film ist eine zutiefst berührende, visuell beeindruckende Auseinandersetzung mit den eingeschränkten Handlungsspielräumen von Frauen und den Wegen, die ihnen in ihrem Wunsch nach Selbstbestimmung bleiben.

Das Loslassen ist ein Prozess, der Klarheit schafft und Raum für das Wesentliche öffnet. Ich bin gespannt, welche weiteren Projekte und Dinge ich in den nächsten Monaten noch abschließen oder loslassen werde. Hier sind drei Schritte, um genau das auch im Digitalen zu tun, inspiriert von meiner Inbox-Methode aus der Postkarte „You’ve got mail“:

  1. Der Home-Screen als strategische Inbox. Wie bei deiner E-Mail-Inbox kannst du auch deinen Startbildschirm zu einem strategisch kuratierten Ort machen. Platziere dort nur die Apps, die du täglich nutzt und die dich bei deinen wichtigsten Aufgaben unterstützen. Alles andere gehört in die App-Mediathek, um den visuellen Lärm zu reduzieren.

  2. Dateien in ein „Digitales Archiv“ verbannen. Die Methode, die du für physische Dokumente anwendest, funktioniert auch digital. Schiebe Fotos, alte PDFs und selten genutzte Dateien in ein internes Archiv oder auf einen externen Speicher. So schaffst du nicht nur Speicherplatz, sondern auch Platz in deinem Kopf.

  3. Die Suchfunktion als dein Kompass. Anstatt sich durch unzählige App-Seiten zu wischen, platziere das Such-Widget strategisch auf deinem Home-Bildschirm. Probiere es für eine Woche: Suche alle Apps und Dateien, die du brauchst, nur über diese Funktion. Am Ende der Woche wirst du feststellen, dass du – laut aktueller Forschung – nur etwa 30 Apps regelmäßig nutzt. Genau diese verdienen einen prominenten Platz.

Bis nächste Woche.

Herzliche Grüße

Maren

Read the original on mehrleichtigkeit.substack.com

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