Vor zwei Wochen habe ich hier und auf LinkedIn erzählt, dass ich unser 16-Agent-Setup abgeschaltet habe. Die Resonanz darauf war interessant: viel Zustimmung von Leuten, die Ähnliches erlebt haben, und ein paar Nachfragen, ob ich die Idee dahinter damit für erledigt halte. Halte ich nicht. Deshalb heute der zweite Blick.
Zero Human Company heißt: Ein Mensch definiert Ziele und Qualität, Systeme erledigen den Rest. Als ernsthafte Organisationsform, in der die Grenzkosten für zusätzliche Arbeit gegen null laufen. Ich fand das großartig, als ich es zum ersten Mal durchdacht habe, und ich finde es immer noch großartig. Ein Unternehmen, dessen Kapazität nicht an Köpfen hängt, sondern an der Klarheit seiner Regeln, das ist keine kleine Verschiebung. Das ist eine andere Art, über Firmen nachzudenken.
Mein Versuch sah so aus: Paperclip, self-hosted, 16 Agents. Ein CEO-Agent verteilt Tickets, Engineering- und Content-Agents arbeiten sie ab, dazu Reviews und Heartbeats. Auf dem Papier eine Firma im Kleinen.
In der Praxis habe ich einen wachsenden Teil meiner Woche damit verbracht, dem System zuzusehen. Agents drehten Schleifen, Tickets blieben hängen, und die Aufsicht skalierte mit der Zahl der Agents mit, statt zu verschwinden. Das war der eigentliche Bruch: Die Idee verspricht, dass menschliche Aufmerksamkeit der knappe Rohstoff bleibt und alles andere wächst. Bei mir wuchs stattdessen der Aufmerksamkeits-Bedarf.
Wichtig dabei: Das lag nur zum Teil am Tool. Es lag vor allem daran, wie lange heutige Modelle stabil autonom arbeiten, bevor sie Betreuung brauchen. Diese Spanne ist real, sie wächst mit jeder Modell-Generation, und sie war für mein Setup schlicht noch zu kurz.
Ich beobachte dafür drei Dinge. Wie lange Modelle am Stück sinnvoll arbeiten, ohne dass jemand eingreift. Wie gut sie eigene Fehler erkennen und korrigieren, bevor ein Review sie findet. Und was der Dauerbetrieb kostet, denn eine Zero Human Company, die pro Monat mehr Modell-Kosten produziert als ein Gehalt, hat ihr Versprechen noch nicht eingelöst.
An allen drei Stellen bewegt sich gerade viel. Mein heutiges Setup ist deshalb auch keine Abkehr, eher eine Zwischenform: zwei CLI-Tools, die ihre Schleifen und Sub-Agents selbst verwalten, ein einzelner Agent für Orga, Recherche und Bilder, und ich als die Stelle, an der entschieden wird, was live geht. Die Orchestrierung, die ich letztes Jahr noch selbst gebaut habe, ist Stück für Stück in die Werkzeuge gewandert. Wenn das so weitergeht, wächst die Zero Human Company nicht als Architektur, die man baut, sondern als Fähigkeit, die aus den Werkzeugen herausfällt.
Eine Sache glaube ich allerdings auch nach dem Experiment: Ganz null wird der Mensch nicht. Irgendjemand muss festlegen, was gut heißt, und prüfen, ob es die Realität erreicht hat. Das ist keine Restaufgabe, das ist die Aufgabe. Alles andere darf gerne verschwinden.
Die Idee war nur früher dran als die Werkzeuge. Ich hebe die Infrastruktur auf.
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