Da man in Österreich ja mal wieder auf die „Wirtschaft“ gehört hat – jene Instanz für alles Fachwissen auf dieser Welt, die fast wie der Heilige Geist wirkt, bei der das gebündelte Wissen einfach vorhanden ist und Hinterfragen gar nicht existiert. Also, man hat auf die Wirtschaft gehört und die Lohnnebenkosten gesenkt. Natürlich wurden diese auch irgendwie gegenfinanziert, indem man in diesem Fall einfach bei den Familienleistungen zusammenstreicht oder eben an anderer Stelle kürzt.
In der Summe hat das schon vor Jahren Volker Pispers in seinen Programmen erzählt. Lohnnebenkosten betreffen den Arbeitnehmer scheinbar nicht, aber wenn man diese kürzt, dann spürt es die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer eben doch. Entweder steigt danach die eigene Abgabenquote oder es erfolgen Leistungskürzungen, wodurch man letztlich schlechter gestellt ist.
Aber ja, das war einfach die zentrale Forderung der Wirtschaft, weil die Lohnkosten in Österreich angeblich zu hoch sind. Ich betrachte das mal anders. Stellen wir uns vor, es gibt ein identisches Standardprodukt, das ein anderes Land billiger erzeugen kann. Dann gewinnt natürlich der Anbieter, der die gleiche Qualität zu einem günstigeren Preis auf den Markt bringen kann.
Was ist jetzt aber mit dem Hightech-Standort Österreich und der Innovation? Hat man da etwa in manchen Bereichen einige Glocken nicht läuten hören? Es gibt ja auch Unternehmen, die Spezialprodukte anbieten, bei denen niemand nach dem Preis fragt, weil es halt nur wenige oder gar nur einen einzigen Anbieter gibt, der dieses Produkt mit diesen spezifischen Eigenschaften liefern kann. Ich würde da auch mal die Wirtschaft fragen, wo die Weiterentwicklung hin zu einer sich verändernden Marktlage geblieben ist. Ein Beispiel gefällig? Elektromobilität, erneuerbare Energien und da auch die eigene Produktion der Betriebe.
Ach so, das muss ja dann am besten der Staat finanzieren, weil man selbst kein Risiko mehr tragen will. Man ist zwar ein Unternehmen, bei dem das Risiko ein fundamentaler Teil des Geschäfts ist, aber man möchte dann lieber einfach nur verkaufen und die Gewinne abkassieren. Das funktioniert so nicht, da man irgendwie die Verantwortung und das Zurückgeben vergessen hat. Dieser Trend ist mittlerweile überall spürbar. Gewinne werden privatisiert, Verluste und schlechte Zeiten hingegen solidarisiert. Solange dieses Spiel so weitergespielt wird, kann sich auch nichts verbessern. Ich schaue mir diesen Artikel in zehn Jahren noch einmal an und gehe davon aus, dass ich ihn dann eins zu eins nochmals posten könnte. Hoffentlich täusche ich mich.

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