(...) Die NS-Medizin war ausdrücklich politisch, und Reichs Medizin war es auch. Beide verachteten die vom “Westen” propagierte sog. “wertfreie” Wissenschaft und Medizin – als getragen von Verlogenheit, Feigheit, Heuchelei u.ä. Die Orgonomie, als Reichs Medizin ab ca 1940: war sie nicht mehr politisch?
Oder doch noch politisch, aber in einem anderen Sinn? Eine Utopie hatte sie noch: die “charakterliche Selbststeuerung”, also einen “Neuen Menschen”, aber ganz anders neu als die Neuen Menschen, die sonst konzipiert waren. Aber schon Ende der 30er Jahre richtete sich Reichs Blick mehr und mehr auf --> den Kosmos. Schade, finde ich. Lebensgeschichtlich verständlich, aber schade für uns, dass WR seine MPF dann so geklittert hat, statt eine ehrliche neue zu schreiben. So haben wir nur sein Schweigen nach 1945 zu vielem, was wir uns fragen. Und wer schreibt eine Massenpsychologie zum heutigen allgegenwärtigen Wahnsinn?
Wenn Sie eine Auffassung vertreten, die in der NS-Medizin auch vertreten wurde, dann kann das heute allenfalls ohne Nennung des Bezugs und in veränderter Form geschehen. Denken Sie an das früher oft gehörte Beispiel mit der Autobahn. Das sei doch was Gutes gewesen, was der Hitler gemacht habe. Nein, hiess es gleich: die Planung stamme (von Demokraten) aus der Zeit vor 1933, und Hitler habe sie nur gebaut, um seine bösen Pläne besser verwirklichen zu können. Oder die weniger bekannte NS-Präventionsforschung zum und -kampagne gegen das Rauchen (heute ja ein Hype), die Robert Proctor untersucht hat. Hitler wollte die Leute gesünder haben, um... s.o. Hitler, bzw. der tägliche Sieg über ihn, ist Staatsdoktrin des Westens. Gerade jetzt Norman Mailer: so wie Jesus von Gott gezeugt worden sei, so Hitler vom Teufel. Ein Buch. Riesenreklame. Riesengeschäft. Allüberall. Täglich. (...)

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