Was mehrdimensional (heterogen) ist, wirkt durch gewisse Flächigkeit (Homogenität). Ganz gleich nämlich, wie fern mir etwa in Silver Lake oder New Cross eine Sache liegt, drängen sie sich alle mit derselben Dringlichkeit auf. Der zu hohe Kantstein; die Personen in den Fahrzeugen; im Café gegenüber; das erste Stockwerk eines Hauses, zu dem eine Wendeltreppe führt; der Strommast; ein kahler Baum, der oben auf dem Berg herausragt; die Wolken: ausgerechnet wenn sie alle undifferenzierbar sind (gleichzeitig, gleichwertig: eindimensional), erkenne ich ihre Vielschichtigkeit. Das Vehikel von Tiefe ist die Fläche.
Ausgerechnet als die Tage, so einfach sie auch waren, mich wieder recht zufrieden stimmten, ziehe ich abermals in eine unwirtliche Umgebung, die als solche charakteristisch auf einen Grund pocht, aus dem man Kosten, Geräuschpegel, Luftqualität, Elend, Wetter, Kriminalität und engem oder schimmeligem Zimmer zum Trotz sie dennoch bewohnt; die die hintergründig gewordene Sinnfrage zu meinem Überdruss also wieder auskramt.
Zurück an die Oberfläche, in der ich daheim bin: nach LA, hin zu Kleidung, etc. ... Wo ich außerdem daheim bin? Wo hinter ein paar Kiefern auf sandigem Grund, der ihre warmen, rostbraunen Wurzeln zeigt, ein Sozialbau mit Terrassen und Balkonen steht ... Wo ich daheim bin: was also vor mich soll, da es hinter mir liegt; wo ich hin will, da ich dort war ...
Allmählich muss Schluss damit sein, aufgrund der sich ziehenden Verletzung mich als Benachteiligter zu verstehen, infolgedessen ich mir nämlich Verhaltensweisen herauszunehmen begann, hinter denen ich kaum stehe. Mehr noch als dass etwa zwei Sitze einzunehmen asozial ist, entfernen manche Praktiken den, der ich bin, von dem, zu dem ich mich gezwungen sehe, bloß weiter.
Wie die Heimat können auch Gedankenmuster, ganz ohne dass man sie für gut befände, dennoch heimelig sein.
Wie schon bei Marx die Arbeitenden ihre Arbeitsabläufe verlieren wir heute, da der Dienstleistungssektor tief in Privatleben einschneidet und sie segmentiert, unseren Bezug zum Leben an sich. Je zuvorkommender ebendieser Dienstleistungssektor mir gegenübertritt (von der Inflation gar nicht zu sprechen), desto eher lüstet es mich, die Instandhaltung und Fortschreibung meines Körpers wie meiner Umgebung in die eigenen zwei Hände rückzuführen.
Entscheidend bleibt, welche Eigenschaften man jener unmittelbaren Umgebung zuschreibt, gegen die man sich ja unausweichlich stemmt.
Nebst dem Lauten und Unbequemen verlangt genauso das Reizende einer gesättigten Umgebung, dass ich mich abkapsle, mich zu bewahren. Denn selbst was prinzipiell verlockt, stößt natürlich ab, sobald es Überhand nimmt. Insofern mag die Weltstadt, die wenn ich vor Geräuschpegel, Schmutz, Preisen wie auch prinzipiell willkommenen, hier aber eben ausufernden Eindrücken zurückschrecke, mich zurück auf meinen Pfad wirft, jetzt gesünder kommen als die Bundeshauptstadt Wien – alte Attrappe –, deren Fadheit mich während ich Anregungen suchte bloß hier und da zu zündeln veranlasste, ziellos zu hampeln und zu zappeln …
Mein Handeln muss Balsam sein ...
Was ich wirklich lernen muss, ist anstatt Energiereserven zu scheuen (aus Furcht nämlich, auf ihnen sitzen bleiben zu werden) sie vergöttern lernen. Immerhin ist man gesund!
Deutschland (die Blicke der Menschen hier) schnürt mir den Atem. Alle starren sie einen nichtssagend an, und jene wiederum, die mich wohlwollend anlächeln, irren darin, dass ich gesehen werden wolle. Sind es doch sie allein, in deren engem Blick mein vermeintlich lauter Auftritt darum buhlt.
Ob es etwas ändere, sich einmal nicht zu sagen, dass ab morgen alles anders würde, sondern ab heute Nachmittag?
Klar entzieht sich mir alles, wenn ich darin Sinn finden will; wird mir alles zu eng, wenn ich darin aufzugehen versuche.
Tag für Tag ein bisschen tiefer in der Welt drinnen, nachdem ich zwei Jahre lang, um den Schmerz im Knie zu ignorieren mich ganz allgemein taub machen musste und verschließen. Tiefer in der Welt drinnen: paradoxerweise ein Gefühl von Höhe.
Was die virale Kurzbotschaft (Archetyp des Tweets) bewirkt hat, ist die Gleichsetzung oder vielmehr das Einswerden von Kritik, Satire, Slogan, Poesie, Meinung usw.
Wenn also jene Sensibilität, von der man einmal meinte, dass sie einem endemisch war, und mit der man seit Jahren und voller Zuversicht Hefte beschreibt, plötzlich genauso in Internetmemes und besoffen gerissenen Späßen erkennt, klar vergeht einem dann die Lust am Schreiben, und ist da gleichzeitig ein Stolz, sich einer Naivität entledigt zu haben und sich jetzt als einer von allen zu fühlen.
Wer immer sich schneller fortbewegt (oder das geschwindere Fortbewegungsmittel nutzt), grüßt.
Für immer: für wen?

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