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LassalMedia · Mar 18, 2026

Verhandlungs-BaseCamp 2.0 – Die unheimliche Macht emotionaler Appelle

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LassalMedia · LassalMedia

Warum geraten Kreative in Verhandlungen so oft in innere Konflikte? Nicht, weil sie unprofessionell wären — sondern weil viele Sätze in Verhandlungen keine sachlichen Argumente sind, sondern emotionale Appelle.

Wer verhandelt, spricht nicht nur über Geld, Zeit oder Umfang. Oft geht es gleichzeitig um Status, Schuld, Zugehörigkeit oder die Angst vor Verlust — nur eben indirekt. Niemand sagt offen: „Ich will dich manipulieren.“ Stattdessen fallen Wörter, die bestimmte Gefühle anstoßen sollen, damit du eine bestimmte Entscheidung (eher) triffst. „Sichtbarkeit“ klingt nach Chance. „Herzensprojekt“ klingt nach Pflichtgefühl. Inhaltlich kann das sogar stimmen. Als emotionaler Hebel wirkt es trotzdem.

Genau darum geht es hier: emotionale Appelle erkennen, damit du nicht automatisch darauf reagierst, sondern bewusst entscheidest, ob du in einem bestimmten Kontext darauf eingehen willst.

Ich nutze dafür zwei Modelle (Ogilvy und Maslow) und drei Beispiele aus dem Alltag — so, wie ich sie selbst mehrfach erlebt habe.

(Stand März 2026)

Hinweis

Ich teile hier Werkzeuge und Erfahrungen aus meiner eigenen Praxis, keine Gesetzestexte. Märkte, Verträge und Rechtslagen unterscheiden sich je nach Land, Branche und Einzelfall.

Nutze diese Inhalte als Ausgangspunkt, nicht als endgültige Autorität – und hol dir bei kritischen Fragen zu Vertragsthemen und Rechten im Zweifel Unterstützung vom Berufsverband, Anwält:in oder Steuerberater:in.

Eine Agentur fragte mich für einen Pitch um ein großes Budget an: drei Wochen Arbeit für das Honorar von drei Tagen. Das hätte nicht einmal meine eigenen Fixkosten gedeckt — ganz abgesehen davon, dass Pitches erfahrungsgemäß länger dauern als angekündigt. Aber es war nicht irgendein Kunde. Wir hatten bereits viele Projekte gemeinsam gestemmt. Die Agentur war bisher fair, zahlte pünktlich und arbeitete verlässlich. Außerdem kam die Anfrage von der Person, mit der ich am liebsten zusammengearbeitet hatte — jemand, den ich professionell wie menschlich sehr schätzte. Dazu kam ein Versprechen: Wenn der Pitch gewonnen wird, würden anschließend gut bezahlte Folgeprojekte bei mir landen, als Ausgleich für das Entgegenkommen. Die nächsten großen Jobs seien mir „sicher“. Meine Erfahrung sagt etwas anderes: Pitches sprengen fast immer den Rahmen. Und wenn auf der Gegenseite Druck dahintersteht, wird es noch chaotischer — mit Diskussionen, kurzfristigen Richtungswechseln und Entscheidungen aus der Chefetage in letzter Minute. Das macht selten etwas besser. Es macht den Prozess nur härter. Und es schlägt sich am Ende auch im Ergebnis nieder: Ein Animatic, das in einer Nacht entstehen muss, nachdem man schon mehrere Nächte durchgearbeitet hat, wird nicht so gut wie eines, für das es genug Zeit gab.

Was tun?

Ein guter Agenturkunde fragte, ob ich einen Beitrag für ein Projekt liefern könne, das bei einem renommierten Agenturpreis eingereicht werden sollte. Der Haken stand gleich mit in der Anfrage: „Alle arbeiten kostenlos an dem Projekt.“ Falls das Projekt gewinnt, wäre die Anerkennung beachtlich. Der Preis hat Gewicht. Er bedeutet Sichtbarkeit, Prestige, offene Türen. Zumindest in der Logik, in der solche Auszeichnungen funktionieren — und in der diese Anfrage formuliert war.

Was tun?

Ich habe im Laufe meiner Karriere Urlaube immer wieder gerne dazu genutzt, interessante Projekte zu unterstützen. Das macht mir nicht nur Freude; ich halte es bis heute für eine fantastische Art, kurzfristig in mir unbekannte Welten einzutauchen.

Vor einigen Jahren lief ich auf der Buchmesse am Stand einer bestimmten NGO vorbei, deren Projekt mir wichtig erschien. Gleichzeitig sah ich, wie die Organisation versuchte, Publikationen mit wirklich schlechtem Bildmaterial zu verkaufen — und wie wenig gut das funktionierte. Noch auf der Buchmesse sagte ich meinen geplanten Kuba-Urlaub ab und buchte stattdessen eine Reise nach Afrika, um diese NGO während meines Privaturlaubs zu unterstützen.

Die Grundidee war schnell umrissen und ebenso schnell „verkauft”: Die NGO verschafft mir Zugang vor Ort, ich erstelle das benötigte Bildmaterial und stelle der NGO die Nutzungsrechte für ihre Publikationen zur Verfügung. Eine Bedingung war für mich dabei zentral: Die NGO organisiert die rechtlichen Freigaben der Menschen, die ich fotografieren würde — denn gerade bei Aufnahmen in diesem Kontext ist das unverzichtbar. Kein großes Problem, sollte man meinen: Immerhin gab es seitens der NGO bereits eine bestehende Vertrauensbasis zu den Menschen vor Ort. Sie waren der Organisation bekannt. Alles hätte vorbereitet werden können, sodass ich vor Ort keine Zeit mit aufwändigem Papierkram hätte verbringen müssen.

Stattdessen fanden mehrere Vorgespräche statt, in denen ich wiederholt erklären musste, warum diese Freigaben nötig sind und dass „Afrika“ daran nichts ändert. Die Sache zog sich aus unerklärlichen Gründen hin. Es gelang mir nicht, die gesamte Vereinbarung vor der Reise schriftlich festzuhalten.

Ich flog trotzdem los und machte mich auf den langen Weg zu dem Dorf, in dem die NGO tätig war. Der Empfang war herzlich. Umso härter war der Bruch, als man mir kurz darauf einen umfangreichen Vertrag vorlegte, der mit unserer Absprache nichts mehr zu tun hatte: Hätte ich ihn unterschrieben, hätte ich der Organisation nicht nur sämtliche Rechte an den Projektfotos übertragen — also weit über den eigentlichen Bedarf hinaus —, der Vertrag war so weit gefasst, dass selbst meine privaten Urlaubsfotos davon nicht ausgenommen gewesen wären.

Ich ging zunächst davon aus, dass das ein Fehler sein musste. Also erklärte ich ruhig, was wir besprochen hatten und welche Rechte ich zu geben bereit war. Zu meinem Entsetzen war es kein Versehen. Die NGO wollte an diesen Punkten nichts ändern. Und die Verantwortlichen wirkten, als erwarteten sie, dass ich trotzdem unterschreibe — schlicht, weil ich bereits vor Ort war.

Man sagte mir, ein Anwalt habe den Vertrag erstellt. Die Qualität ließ mich das bezweifeln. Rückblickend ergab vieles mehr Sinn: In Deutschland waren die Gespräche leicht gewesen, solange es um das Projekt und die Mission ging; sobald ich Verträge, Freigaben und Rechte ansprach, wurden die Reaktionen auffällig ausweichend. Ich kann es nicht beweisen, aber wenn ich das Gesagte und das Schriftliche zusammennehme, wirkt das alles im Nachhinein meiner Meinung nach nicht zufällig.

Ich hatte mein Urlaubsprojekt bewusst so aufgesetzt, dass ich die Anreise selbst finanziere und der NGO nichts in Rechnung stelle. Einen unterschriebenen Vertrag gab es nicht. Und trotzdem beanspruchte die Organisation über das Vereinbarte hinaus meinen professionellen Einsatz und die uneingeschränkten, exklusiven Nutzungsrechte an meinem gesamten Bildmaterial — unentgeltlich.

Was nun?

Nach diesen drei Beispielen stellt sich die Frage: Warum wirken solche Geschichten auf die meisten von uns so irritierend? Woher kommt das Gefühl, hin- und hergerissen zu sein?

Auf der logischen Ebene ist die Lage oft klar: zu wenig Budget, zu hoher Aufwand, schwierige Bedingungen. Interessant wird es, weil die emotionalen Botschaften andere Bedürfnisse in uns ansprechen. Die Beispiele tragen unterschwellige Signale wie „Alle werden dich bewundern.“ „Du bist ein begehrter Illustrator.“ „Wenn du Nein sagst, sagt das etwas Negatives über dich als Mensch aus.“ Logik und Emotion zerren uns in unterschiedliche Richtungen — und genau deshalb fühlt man sich in solchen Situationen hin- und hergerissen.

Um genauer hinzuschauen, wie das funktioniert, nutze ich zwei Modelle: Das Modell von Ogilvy hilft bei der Identifikation der Taktik: Welcher Appell wird gerade als Hebel benutzt, um dir etwas zu „verkaufen“? Das Modell von Maslow hilft bei der Diagnose: Was steht für die andere Seite (oder für dich) emotional auf dem Spiel? Über die Moral der Geschichte reden wir danach auch noch.

Bevor wir auf Maslow schauen, starten wir mit Ogilvy. David Ogilvy (1911–1999) war ein britischer Werber und Gründer der Agentur Ogilvy & Mather. Er gilt bis heute als einer der Menschen, die Werbung nicht als „kreatives Bauchgefühl“, sondern als beobachtbares Handwerk beschrieben haben.

Seine Grundannahme ist schlicht: Menschen sind im Alltag zunächst einmal mit ihren eigenen Emotionen beschäftigt. Mit Sorgen, Wünschen, Erinnerungen, Kränkungen, Hoffnungen. Und genau deshalb prallen reine Sachargumente oft an ihnen ab. Logik ist selten der Türöffner. Viele Entscheidungen entstehen zuerst als diffuses Bauchgefühl; erst nach dem Treffen der Entscheidung findet der Kopf eine Begründung, warum diese Entscheidung „logisch“ sei.

Emotionale Appelle sind also eine Technik, mit der jemand versucht, eine gewünschte Entscheidung wahrscheinlicher zu machen, indem er ein bestimmtes Gefühl gezielt anstößt. Je besser diese Person dich und deine Situation kennt, desto präziser kann sie vorgehen.

Ogilvy sagt nicht nur „Menschen sind emotional. Er zeigt auch, womit man diese Emotionen typischerweise triggert. Dafür hat er seine Beobachtungen aus der Werbepraxis in praktische Listen gefasst — Arbeitshilfen, die er selbst in seiner Agenturpraxis verwendet hat. Sie beinhalten Dinge, nach denen Menschen streben, und Dinge, vor denen sie zurückschrecken.

Hier sind die Listen (von mir aus dem Englischen übersetzt). Sie sind hier bewusst direkt formuliert. In echten Verhandlungen sind diese Trigger meist weich verpackt.

  • Zeit – für sich selbst, ihre Familien, ihre Interessen

  • Komfort – Bequemlichkeit, Luxus, Genuss und Annehmlichkeiten

  • Geld – zum Sparen, zum Ausgeben, zum Verschenken

  • Beliebtheit – bei Freunden, Familie und Partnern

  • Lob – für ihre Intelligenz, ihr Wissen, ihr Aussehen und andere „überlegene” Qualitäten

  • Stolz auf ihre Leistungen – Dinge gut machen, Hürden überwinden, die Konkurrenz schlagen

  • Selbstbewusstsein – Selbstwertgefühl, Selbstsicherheit, physische und mentale Überlegenheit

  • Sicherheit – im eigenen Heim, im Alter, in Form von finanzieller Unabhängigkeit, Absicherung gegen sonstige Widrigkeiten

  • Freizeit – Reisen, Hobbys, Ruhe, Spiel, Selbstentfaltung

  • Spaß – sich wie ein Kind fühlen, spontane Entscheidungen aus einer Laune heraus, Herumblödeln

  • Prestige – sich wichtig fühlen, Mitglied einer auserwählten Gruppe sein, Macht haben

  • Genuss – Essen, Trinken, Entertainment, andere physische Freuden

  • Gesundheit – Stärke, Vitalität, Ausdauer, Langlebigkeit

  • Gutes Aussehen – Schönheit, Stil, Körperbau, Sauberkeit

  • Exklusivität – Teil von etwas Besonderem sein

  • Neid – etwas besitzen, das andere begehren

  • Ego-Befriedigung – das Selbstbild stützen oder verbessern

  • Berufliche Weiterentwicklung – sich erfolgreich fühlen, einen besseren Job ergattern, der eigene Boss sein

  • Gesellschaftlicher Aufstieg – mit den Nachbarn mithalten können, in begehrten Kreisen verkehren

Menschen wollen ebenfalls VERLUSTE VERHINDERN. Der potenzielle Verlust eines beliebigen Elements aus der obigen Liste ist oft ein stärkerer Motivator als die Aussicht auf dessen Erwerb.

  • Scham

  • Beleidigungen

  • Unterdrückung

  • Verlust von Ansehen

  • Schmerz

  • Kritik

  • Risiko

  • Arbeit

  • Anstrengung

  • Unannehmlichkeiten

  • Sorgen

  • Zweifel

  • Schuld

  • Langeweile

  • Ihre ureigene Persönlichkeit zum Ausdruck bringen

  • Ihre Neugierde befriedigen

  • Ihren Appetit auf etwas stillen

  • Wie ihre Helden handeln oder wirken

  • Das andere Geschlecht anziehen

  • Schöne und seltene Objekte erwerben, die etwas über sie als Menschen aussagen

  • Sich physisch, mental, spirituell weiterentwickeln

  • Von Familie, Freunden und anderen geliebt werden

  • In anderen sozialen Kreisen akzeptiert werden

  • Bei der Arbeit vorankommen

  • Ihrem Leben Schönheit und Eleganz hinzufügen

  • Andere beeindrucken und ihre Reputation ausbauen

  • Persönlichen Verpflichtungen nachkommen

  • Sich amüsieren und spielen

  • Dinge erschaffen oder vollbringen, auf die sie stolz sein können

  • Reich werden, viel Geld verdienen

  • Sich selbst belohnen

  • Sich vor Schaden und Leid bewahren

  • Intelligent oder clever

  • Erste oder Beste bei etwas sein

  • Einzigartig

  • Kreativ, allgemein oder auf einem speziellen Feld

  • Gute Eltern

  • Effizient

  • Anerkannte Autoritäten auf einem Gebiet

  • Auf dem Laufenden, gebildet, „im Bilde”

  • Gesellig und umgänglich

  • Einflussreich, Dinge „gebacken“ kriegen

  • Unabhängig

  • Beliebt und geschätzt

  • Mitglied einer Gruppe

Ogilvys Listen wirken auf den ersten Blick banal. Genau das ist ihre Stärke. Sie zeigen, dass es die einfachsten Dinge sind, die Menschen antreiben.

Diese Listen bilden auch keinen vollständigen Katalog, den man brav abarbeitet. Sie sind eher eine emotionale Landkarte. Pro Situation sind meist nur ein oder zwei Appelle wirklich dominant und richtungsweisend; andere Elemente schwingen unterstützend mit. Sobald du das erkennst, werden Begriffe wie „Charity“ oder „Herzensprojekt“ bei dir die Frage auslösen: Welches Gefühl soll hier bei mir anspringen? Und warum gerade dieses?

Mehr musst du an dieser Stelle nicht tun. Kein moralisches Urteilen. Kein „Die wollen mich manipulieren“. Nur: Erkennen.

Schauen wir uns die drei Eingangsbeispiele noch einmal an — diesmal als Mischung aus konkretem Angebot (Logik) und weichem Appell (Emotion). Welche Trigger werden angesprochen?

Auf der Sachebene steht: drei Wochen Arbeit für das Honorar von drei Tagen — plus ein unklarer Mehraufwand, den Pitches fast immer mitbringen. Auf der Appell-Ebene kommt das „Später wird es gut gemacht“ dazu: die Aussicht auf extragut bezahlte Folgeprojekte und „die nächsten großen Jobs sind sicher“. Das zielt sehr direkt auf (vermeintliche) Sicherheit und Geld (Ausgleich über spätere Einnahmen). Dazu läuft Anerkennung/Status mit: Wir halten dich für eine besonders gute Illustratorin; du wirst bei uns geschätzt und bist uns „wichtig genug“, um beim großen Pitch dabei zu sein. Du gehörst zu denen, die die großen Jobs von uns bekommen. Du gehörst zu den Auserwählten, die wir überhaupt für so etwas Wichtiges in Betracht ziehen. Und so weiter.

Auf der Sachebene steht ein kostenloser Beitrag für einen renommierten Award. Auf der Appell-Ebene steckt das „alle machen das“ und die Aussicht auf „beachtliche Anerkennung“. Das bedient Prestige (renommierter Preis, Außenwirkung, Status, der Neid anderer), oft kombiniert mit Lob („deine Illustrationen sind preiswürdig, sonst würden wir dich nicht ins Team holen wollen“) und Zugehörigkeit/Beliebtsein („wir ziehen als professionelles Team an einem Strang; wer dazugehören will, muss unsere hohen Voraussetzungen erfüllen“). Der Hebel ist dabei weniger das Projekt selbst als das Versprechen von Aufwertung durch Bühne, Name und Reputation.

Auf der Sachebene steht: Du finanzierst Reise und Arbeit selbst und spendest Nutzungsrechte für Publikationen — im Gegenzug erhältst du Zugang vor Ort; außerdem sollten rechtliche Freigaben vorab organisiert werden. Der Appell liegt in der Kombination aus „NGO“, „Mission“, „wichtiges humanitäres Thema“ und der stillen Erwartung, dass man jetzt nicht kleinlich sein darf. Das triggert stark die Seite „Unannehmlichkeiten vermeiden“: Schuld (sich schlecht fühlen, wenn man nicht hilft), manchmal auch Scham („das macht man doch nicht bei so einem Zweck“). Gleichzeitig spricht es das positive Gegenstück an: Selbstbild/Ego-Stützung („Ich bin jemand, der hilft; ich bin großzügig; ich stehe für das Richtige; ich bin ein guter Mensch“).

Ich bin sicher, dass du weitere Trigger aus den Listen herauspicken kannst, die mehr oder weniger passen. Je nach Mensch und Umstand ziehen die einen oder anderen Argumente besser oder schlechter. Daher werden meistens mehrere Argumente ins Spiel gebracht, oder man testet sie (zum Beispiel bei einer bestimmten Zielgruppe) und wählt jenes mit den besten Resultaten. Das ist in der Werbung Gang und Gäbe. Mehr dazu weiter unten im Text.

Was du aus Ogilvy mitnehmen kannst:

  • Emotionale Appelle kommen selten allein. Sie werden oft überlagert, um den gewünschten Effekt zu maximieren.

  • Emotionale Appelle wirken nicht nur bei „naiven“ Menschen. Sie wirken bei uns allen. Selbst wenn du diese Muster erkennst und selbst aktiv nutzt, bist du dagegen nicht „immun“; so fundamental wirken sie. Was wir tun können, ist, sie als das wahrzunehmen, was sie sind: emotionale Trigger. Und dann so bewusst wie möglich zu entscheiden, ob wir jeweils darauf eingehen wollen.

Ogilvy liefert keine Moral und keine Regeln. Er liefert eine Beobachtung: Sprache kann Gefühle gezielt anstoßen. Und Gefühle können Entscheidungen steuern, bevor die Logik überhaupt eine Rolle spielt.

Wenn dich das Thema interessiert, lohnt sich ein Blick ins Buch Ogilvy on Advertising. Nicht weil du „Werbung machen“ musst, sondern weil du dort sehr klar siehst, wie Sprache gebaut wird, damit sie wirkt. Wer das einmal gelesen hat, erkennt Appelle schneller — nicht nur in Anzeigen, sondern auch in Mails, Briefings und Verhandlungen. Immun wird man dagegen dennoch nicht.

Ogilvy hilft dir bei der Technik: Welche Wörter zielen auf welche Trigger? Maslow hilft dir, den Grund dahinter zu erkennen: Welches menschliche Bedürfnis wird gerade berührt? Und welche Zielgruppe wird angesprochen?

Abraham Maslow war Psychologe. Er hat beschrieben, dass Menschen von unterschiedlichen Bedürfnissen angetrieben werden und dass je nach Situation manche davon „vordringlicher“ werden als andere. Er sprach deshalb von Bedürfnishierarchien. Später wurde das Modell als „Maslow-Pyramide“ bekannt — auch wenn diese Darstellung nicht von ihm selbst stammt.

Die Pyramide ist als Bild deshalb so verbreitet, weil sie etwas Komplexes schnell greifbar macht. Wichtig ist nur: Sie ist lediglich eine Visualisierungshilfe.

Entscheidend ist die Frage dahinter: Welches menschliche Bedürfnis wird gerade berührt? Denn in Verhandlungen reden wir selten offen über Bedürfnisse. Wir reden über Budgets, Deadlines, „Sichtbarkeit“. Darunter geht es trotzdem oft um Sicherheit, Zugehörigkeit, Anerkennung oder Selbstbild.

Bei Maslow ist „Hierarchie“ kein Stufenplan, sondern eine Beschreibung von Prioritäten. Ein Bedürfnis, das stark unerfüllt ist, kann alles andere übertönen. Es bestimmt, worauf du schaust, wie du dich fühlst, wie du entscheidest. Erst wenn es hinreichend erfüllt ist, kann ein anderes Bedürfnis wirklich motivierend werden.

Das Modell bleibt trotzdem flexibel: Bedürfnisse können gleichzeitig aktiv sein. Sie müssen nicht vollständig erfüllt sein, damit andere eine Rolle spielen. Es geht um Gewichtung, nicht um Schwarz-Weiß.

Warum ist dieses die unterste Stufe?

Weil diese Ebene die Frage beantwortet: Kann ich überhaupt funktionieren? Dazu gehören Essen, Schlaf, körperliche Regeneration, aber auch das Minimum an Schutz vor den Elementen: Wärme, Kleidung, ein Dach über dem Kopf. Wenn diese Basis wackelt, wird fast alles andere zur Nebensache.

Was bedeutet das?

Dein System ist im „Überleben/Regeneration“-Modus. Entscheidungen werden kurzfristiger, reizbarer, weniger kreativ.

Warum kommt danach Sicherheit?

Sobald die Basis abgedeckt ist, lautet die nächste Frage: „Bin ich und ist mein Eigentum geschützt und stabil genug, um für weitere Dinge planen zu können?“

Warum Stufe 2?

Weil es nach dem Minimum an Versorgung und Unterschlupf um Stabilität geht. Sicherheit heißt: Schutz, Planbarkeit, Risiken vermeiden, eine verlässliche Umgebung. Nicht nur „ein Dach über dem Kopf“ zu haben, sondern die Gewissheit, dass man den eigenen Lebensstandard halten können wird.

Was bedeutet das?

Du suchst Halt: klare Bedingungen, verlässliche Absprachen, weniger Ungewissheit. Unter Unsicherheit werden Menschen schneller defensiv oder drängen auf Kontrolle.

Warum kommt danach Zugehörigkeit?

Wenn du dich „sicher genug“ fühlst, wird Beziehung wieder wichtiger: Wer ist auf meiner Seite? Wo gehöre ich hin?

Warum Stufe 3?

Wenn körperliche Basis und Sicherheit halbwegs gegeben sind, wird das Bedürfnis nach Zugehörigkeit lauter. Menschen wollen nicht außen vor stehen. Sie wollen Nähe, Bindung und das Gefühl, dazuzugehören. Ausschluss ist deshalb nicht nur „unangenehm“, sondern kann sich bedrohlich anfühlen, selbst wenn objektiv keine Gefahr besteht.

Was bedeutet das?

Du reagierst stark auf Signale von Einladungen, Ablehnung, Loyalität, Gruppennormen, „Wir“-Gefühl.

Warum kommt danach Anerkennung/Status?

Wenn du irgendwo „drin“ bist, wird relevant, wie du darin dastehst: Rolle, Respekt, Rang.

Warum hier?

Es geht um den Wert im sozialen Gefüge. Anerkennung und Status bedeuten: respektiert werden, ernst genommen werden, nicht kleingemacht werden. Und gleichzeitig: sich selbst achten, sich kompetent fühlen, auf sich stolz sein können. Beides hängt zusammen, ist aber nicht dasselbe.

Was bedeutet das?

Menschen schützen ihr Ansehen, wollen nicht minderwertig wirken, wollen Kompetenz zeigen. Das kann Verhandlungen stark färben.

Warum kommt danach Selbstbild/Entwicklung?

Wenn Status nicht akut wackelt, taucht die Frage auf: „Wer will ich sein, wofür stehe ich, was passt zu mir?“

Warum Stufe 5?

Weil diese Ebene am meisten „Freiheit“ braucht. Hier geht es um Identität, Sinn, Autonomie und Entwicklung — in Maslows Sprache: Selbstverwirklichung. Es ist der Bereich, in dem man nicht nur reagiert, sondern gestalten will: „Was passt zu mir? Wofür will ich stehen?“ Das wird leichter, wenn die darunterliegenden Ebenen nicht dauernd Alarm schlagen.

Was bedeutet das?

Entscheidungen orientieren sich stärker an Werten, langfristiger Richtung, Integrität: „Das bin ich“ / „Das bin ich nicht“.

Warum ist das im Verhandlungskontext wichtig?

Weil diese Ebene sehr stark ziehen kann — aber oft erst dann, wenn Sicherheit und Zugehörigkeit halbwegs stabil sind.

Wichtig ist nur, das Modell nicht als starre Reihenfolge zu lesen. Menschen funktionieren so nicht. In echten Situationen können mehrere Bedürfnisse gleichzeitig aktiv sein. Nur nicht gleich laut.

  • Frage 1: Wessen Bedürfnisse stehen hier im Fokus?
    (Gegenseite, deine Seite, beide Seiten.)
    Konkret: Welche Bedürfnisse werden bei dir angesprochen — und welche Bedürfnisse der Gegenseite lassen sich aus deren Druck, deren Forderungen oder deren Ton herauslesen?

  • Frage 2: Welche Bedürfnisebene wird am ehesten angesprochen?
    (Sicherheit / Zugehörigkeit / Status / Selbstbild)

  • Frage 3: Spiegelt sich das im Verhalten wider?
    (Druck, Eile, Moralappell, Lobeshymnen)

Bei dir wird zuerst die Sicherheitsebene angesprochen, weil das Angebot an deine finanzielle und zeitliche Stabilität rührt: Drei Wochen Arbeit „zum Preis von drei Tagen“ heißt nicht nur „schlecht bezahlt“, sondern „wackelige finanzielle Planbarkeit“. Das vermeintliche Zukunftsversprechen („die nächsten großen Jobs, die aus dem Pitch entstehen, sind sicher“) setzt genau dort an: Es bietet scheinbare Stabilität als Ausgleich. Gleichzeitig schwingt Status mit: Du bist für den Pitch „gesetzt“, du gehörst zu den Leuten, die man für große Budgets braucht.

Bei der Gegenseite lässt sich ebenfalls eine Sicherheitslogik vermuten: Pitchdruck, Wettbewerb, Unsicherheit über den Zuschlag — daher der Versuch, das finanzielle Risiko an andere weiterzureichen.

Hier sollte klar sein:

  • Ist der Pitch erfolgreich, bedeutet das einen Gewinn (Sicherheit + Anerkennung/Status) für die Agentur, nicht für den Illustrator, der beim Pitchen geholfen hat.

  • Es ist nicht absehbar, ob der Pitch erfolgreich sein wird. Das finanzielle Risiko für das ausgefallene Honorar trägt allein der Illustrator.

  • Solange es keinen schriftlichen, wasserfesten Vertrag gibt, ist die Agentur nicht verpflichtet, dem Illustrator Folgeaufträge zu geben.

Der Kern ist hier nicht Versorgung oder Stabilität, sondern Prestige: ein renommierter Preis, Außenwirkung, Reputation. Das Bedürfnis nach Anerkennung/Status liegt in der Logik des Preises selbst — und fällt häufig stärker auf die Agentur zurück als auf einzelne Freie.

Der zweite Strang ist Zugehörigkeit: „Alle arbeiten kostenlos“ ist weniger ein Sachargument als ein Gruppensignal. Es setzt eine Norm: Wer dazugehört, macht mit; wer nicht mitmacht, steht außen vor.

Hier sollte klar sein:

  • „Alle arbeiten kostenlos“ ist relativ, wenn man bedenkt, dass zumindest die Agenturmitarbeiter in der Regel fest angestellt sind. Dieses Argument soll hauptsächlich Zusatzkosten vermeiden, die durch den Einsatz externer „Profis“ anfallen würden.

  • Es ist nicht absehbar, ob die Einreichung erfolgreich sein wird. Das direkte und indirekte finanzielle Risiko für das ausgefallene Honorar und die Opportunitätskosten für den eigenen Einsatz trägt man alleine.

  • Das angebliche Teamgefühl ist hier in der Regel nur Mittel zum Zweck. Die Projekte laufen für externe Illustratoren meistens genauso ab wie sonst auch. Vom Teamgefühl bekommt man während des Projekts meistens nur dann etwas erzählt, wenn es zusätzliche Nachtschichten zu absolvieren gibt.

  • Solange es keinen schriftlichen, wasserfesten Vertrag gibt, ist der Kunde nicht verpflichtet, den Illustrator an der Anerkennung oder am Statusgewinn teilhaben zu lassen. Es hängt sicherlich auch davon ab, wie relevant der eigene Beitrag war und wie austauschbar du bist. Gerade im Layoutbereich ist das extrem relevant. Die paar Male, in denen unser „Team“ tatsächlich erfolgreich war, wurde ich noch nicht einmal vom positiven Ausgang informiert. Die Info kam dann bei der nächsten Anfrage, wenn man mich für weitere (kostenlose) Awardbeiträge gewinnen wollte.

Der eigene Einstieg zielt klar auf Selbstbild/Entwicklung ab: Du willst unterstützen, du willst „für etwas stehen“, du investierst sogar privaten Urlaub. Das ist typisch Stufe 5: Werte, Sinn, Identität. Damit verbunden ist Zugehörigkeit: das implizite Vertrauen, dass die Gegenseite fair handelt, wenn es um ein gemeinsames Anliegen geht.

Als dann der Vertrag auftaucht, rutscht die Lage abrupt in die Sicherheit-Ebene: Rechte, Kontrolle, Verlässlichkeit, Schutz vor Schaden. Plötzlich geht es nicht mehr um Sinn, sondern um die Frage, ob du dich selbst (und dein Material) schützen musst. Das erklärt, warum solche Situationen so emotional kippen können: Es wechseln nicht nur die „Argumente“, sondern die Bedürfnisebene, auf der du reagieren musst.

Hier sollte klar sein:

  • Du hast die Wahl. Du musst nicht mitspielen. Ich habe der NGO gesagt, dass ich den Vertrag so nicht unterschreibe. Entweder halten sie sich an die getroffenen Vereinbarungen und ändern den Vertragvorschlag entsprechend ab, oder ich verlasse das Dorf und genieße meinen Urlaub ohne sie. Dass ich das konnte, war kein Zufall. Ich hatte das Projekt von Anfang an so aufgesetzt. Weil ich meine Reise aus eigener Tasche finanziert hatte und es keinen Vertrag gab, hatte die NGO in diesem Fall keinerlei Anspruch — weder auf meinen Einsatz noch auf mein Bildmaterial. Wäre Geld geflossen oder hätte ich ihren einseitigen Vertrag unterschrieben, hätte ich diese absolute Freiheit eingebüßt. Genau das wollte ich bei Urlaubsprojekten immer vermeiden — zumal hier noch steuerliche Aspekte eine Rolle spielen.

  • Ja, es gibt Menschen, die sich und ihre Position stark überschätzen. Woran das liegt, kann ich nicht sagen, aber es ist ein Typus, der leider häufiger auftaucht, als man vermuten würde.

  • Es ist wichtig zu wissen, wie Vertragsabschlüsse grundsätzlich funktionieren (Angebot & Annahme) und wann ein Vertrag rechtlich gilt. Es ist nicht schwer.

  • Verlasse dich niemals darauf, was Menschen sagen. Lies Verträge immer genau durch, bevor du etwas unterschreibst. Klingt nach gesundem Menschenverstand, wird aber dennoch oft nicht gemacht — gerne auch, weil man dich zeitlich unter Druck setzt und dir versichert, es sei alles genau so wie abgesprochen. Im Zweifelsfall nicht unterschreiben. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist viel, viel, viel besser. Immer.

Was du aus Maslow mitnehmen kannst:

  • Maslow hilft dir, unter die Oberfläche zu schauen: Nicht nur was gesagt wird, sondern welches Bedürfnis damit berührt wird — bei dir, bei der Gegenseite, oder bei beiden.

  • Je nachdem, welche Stufe angesprochen wird, fühlt sich dieselbe Anfrage völlig anders an: Wenn Sicherheit wackelt, wird man eng im Kopf; wenn Zugehörigkeit wackelt, wird „Nein“ plötzlich sozial teuer; wenn Status oder Selbstbild berührt werden, kann ein Angebot sich größer anfühlen, als es sachlich ist.

  • Das Modell ist kein Stufenplan, sondern ein Hinweis auf Prioritäten: Ein stark unerfülltes Bedürfnis kann alles andere übertönen — und genau deshalb lohnt es sich, vor einer Entscheidung kurz zu klären, welche Ebene hier gerade zieht und ob sie möglicherweise eine momentane Schwachstelle bei dir berührt.

Maslow liefert keine Antwort darauf, was du tun „solltest“. Er liefert dir eine Diagnosehilfe: Du erkennst schneller, warum etwas sich so dringend, so verpflichtend oder so verlockend anfühlt — und kannst dann wieder bewusster entscheiden, ob die Tatsachen dahinter stimmig sind.

Viele hören beim Begriff „Trigger“ sofort „Manipulation“. Das ist verständlich. Trigger können leicht und schnell missbraucht werden. Aber sie sind nicht automatisch „böse“. Sie sind ein Werkzeug. Entscheidend ist, wie man damit umgeht.

Ich habe viele Jahre lang Storyboards und Animatics für Werbetests erstellt, bei denen es darum ging, die jeweils besten Trigger für eine bestimmte Zielgruppe in einem bestimmten Markt herauszufinden. In diesen Tests ist das Produkt immer gleich, aber die Verkaufsargumente ändern sich. Ich erinnere mich noch an ein bekanntes Reinigungsmittel, bei dem folgende Argumente getestet wurden:

  • umweltschonendes Produkt

  • so sauber, dass Kinder vom Boden essen können

  • so effektiv, dass mehr Zeit für die Familie bleibt

Wenn man diese drei Aussagen nebeneinander sieht, merkt man sofort: Das sind keine reinen Produktargumente. Das sind Bedürfnis- und Identitätsargumente. „Umweltschonend“ sagt: Ich bin jemand, der Verantwortung für Zukunft und Planet übernimmt. „So sauber, dass Kinder vom Boden essen können“ sagt: Ich bin eine gute Mutter, ein guter Vater; ich schütze meine Familie durch extreme Hygiene. „Mehr Zeit für die Familie“ sagt: Ich kriege meinen Alltag so organisiert, dass ich im Leben meiner Kinder präsenter sein kann. Mit Maslow gesprochen: Es geht um Status, Zugehörigkeit, Selbstbild — und darum, was davon im jeweiligen Moment am stärksten zieht. Genau deshalb wird getestet: Weil viele von uns alles davon gut finden, aber nicht in derselben Reihenfolge. Und es gilt auch nicht für alle gleich: Wer gerade um die Basis kämpft, greift zum billigsten Produkt. Diese Botschaften sind vor allem dafür da, einen höheren Preis zu begründen — über Identität und Status. Die Leute aus der Basis sind hier nicht die Zielgruppe.

Damals hat das Argument mit der Zeitersparnis in Deutschland gewonnen. Heute wäre es vielleicht ein anderes. Welches Argument während der Pandemie gewonnen hätte, könnt ihr euch sicher vorstellen.

Deswegen werden Werbekampagnen regelmäßig mittels Storyboards und Animatics getestet, bevor Geld in die (teure) Filmproduktion fließt. Man versucht herauszufinden, welche Botschaft bei der jeweiligen Produktzielgruppe tatsächlich ankommt.

Das Prinzip begegnet dir als Konsument ständig — zum Beispiel bei Versicherungsangeboten. Hier geht es bewusst um Sicherheitsbedürfnisse — und daher oft um Angst: Krankheit, Unfall, finanzielle Folgen, Verantwortung. Das ist nicht automatisch verwerflich. Versicherungen können sehr sinnvoll sein. Die Frage ist nur: Passt das Angebot zu einem Risiko, das ich realistisch trage? Emotional hat der Trigger funktioniert — er hat dafür gesorgt, dass die Botschaft mich erreicht. Ob das Angebot auch faktisch relevant ist, muss ich danach nüchtern prüfen.

Bis hierhin ist das erst einmal Werbehandwerk: man trennt Botschaften, testet Prioritäten, misst Wirkung. Und genau an dieser Stelle wird es für uns in Verhandlungen interessant — weil dieselbe Mechanik natürlich auch dort wirkt.

Werkzeuge sind neutral; erst der Einsatz macht sie „gut“ oder „schlecht“. Und diese emotionalen Appelle sind mächtig. Sie wirken auf uns, selbst wenn wir den Mechanismus kennen. Immun ist dagegen niemand.

Ich habe Kampagnen mitentwickelt, bei denen Leute aus dem Team am Ende selbst das Produkt gekauft haben — sie fühlten sich von der eigenen Kampagne angesprochen, weil sie zufälligerweise genau zur anvisierten Zielgruppe gehörten. In dem Moment reagiert man auf Argumente, die zur eigenen Lage passen. Und warum auch nicht?

Mit großer Macht kommt große Verantwortung. Nicht als moralische Pose, sondern als nüchterne Folge: Wenn ein Werkzeug Entscheidungen spürbar verschieben kann, muss man sauber und verantwortungsvoll damit umgehen. Problematisch wird es dort, wo der Appell die Sachebene ersetzt: wo Gefühle die Fakten übertönen sollen.

Und ja: Das Ganze funktioniert natürlich auch in die andere Richtung. Wenn du selbst ein Angebot formulierst oder mit Kunden verhandelst, liegt es an dir, die Bedürfnisse deiner Zielgruppe zu kennen und die passende Sprache zu wählen, damit sie sich emotional dort abgeholt fühlen, wo sie stehen.

Gerade im Kundenkontakt ist es hilfreich, zwei Ebenen zu sehen: die Sachebene der Firma — und die soziale Ebene der Menschen am Tisch. Der Status einer Person im Team — und der Status eines Teams in der Firma — ist nicht dasselbe wie der „Status“ der Firma nach außen. Wenn dir in Verhandlungen nette, faire Menschen begegnen, kannst du das bewusst nutzen: Mit kleinen, respektvollen Triggern (Anerkennung, Vertrauen, Zugehörigkeit) gibst du ihnen Rückenwind, während du sachlich sauber bleibst. Ein kurzes, ehrliches Lob für Klarheit oder Verlässlichkeit kann dein Gegenüber intern stärken — und macht Verhandlungen oft leichter, ohne dass du dir „einen Zacken aus der Krone brichst“. Ein sauber platzierter Satz wie „Danke, dass Sie das intern möglich machen“ oder „Ich schätze, wie klar Sie das hier strukturieren“ kostet dich nichts, kann aber auf der anderen Seite echte Kooperation erleichtern. Das ist die positive Seite dieser Werkzeuge: Sie können Druck erzeugen — oder Druck vermindern.

Auch Lern- und Motivationsformate arbeiten damit. Ein Kinderbuch, das Mut oder Empathie stärken will, tut das selten über reine Sachlogik. Es erzählt Situationen so, dass ein Kind sich wiedererkennt, sich zugehörig fühlt, sich schämt oder stolz ist — und dadurch etwas mitnimmt. Dasselbe gilt für viele Mindset-Texte: Sie wirken über Anerkennung, Akzeptanz und Selbstbild. Trigger sind dort kein Trick, sondern Teil des didaktischen Werkzeugs.

  • Viele Verhandlungssätze sind emotionale Appelle, keine Sachargumente.

  • Ogilvy zeigt: Bestimmte Wörter sind emotionale Trigger; Gefühle kommen oft vor der (Kauf-)Begründung.

  • Maslow zeigt: Dahinter stehen konkrete Bedürfnisse, die sich oft hierarchisch sortieren (Sicherheit, Zugehörigkeit, Status, Selbstbild).

  • Ziel: Faktisches Angebot und emotionalen Appell trennen, dann bewusst entscheiden.

  • Kritisch wird es, wenn der emotionale Appell unbemerkt die Sachebene ersetzt.

(Stand Februar 2026)

  1. Kurz erklärt: Was du hier bekommst

  2. Selbst-Check: Meine Top-3 Trigger

  3. Trigger-Matrix + optionale Blanko-Fallkarte

  4. Vor der Verhandlung: Vorbereitungs-Check

  5. Während der Verhandlung: Stopp-Sätze + Formulierungshilfen

  6. Nach der Verhandlung: Post-Mortem-Kurz-Reflexion

  7. Maslow-Scanliste (kompakt)

  8. Eigener Angebots-/Sales-Seiten-Check (Ogilvy-basiert)

  9. Mini-Hinweis zum moralischen Rahmen

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