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Karsten Samland · Apr 30, 2026

Die vielleicht wichtigste Superpower im Job: sich immer wieder neu ausrichten können

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Karsten @ Substack · Karsten Samland

Erfahrung hilft. Aber langfristig gewinnen oft die Menschen, die mit Veränderung besser umgehen können.

Es gibt eine ganz besondere Eigenschaft, die ich in den vergangenen Jahren in der Tech-Branche immer wieder beobachtet habe.

Bei Menschen, die langfristig erfolgreich sind.
Bei Teams, die Krisen, Strategiewechsel und Re-Orgs überstehen.

Ich meine damit nicht: einfach durchhalten, Zähne zusammenbeißen, blind weitermachen.

Ich meine damit die Fähigkeit, sich neu auszurichten, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. Und in Tech ändern sie sich ständig.

Was gestern funktioniert hat, kann morgen schon falsch sein. Das ist kein Fehler im System. Das ist das System.

Und ehrlich gesagt: Genau deshalb mag ich diese Branche.

Sie ist schnell. Manchmal brutal schnell. Aber auch aufregend. Es wird selten lange zurückgeschaut. Es wird ausprobiert, angepasst, neu sortiert. Lieber macht man einen Fehler zweimal, als sich vorwerfen zu lassen, zu langsam gewesen zu sein.

Das klingt anstrengend. Ist es auch.

Aber es trainiert etwas, das ich heute für eine der wichtigsten Fähigkeiten überhaupt halte: beweglich bleiben, ohne orientierungslos zu werden.

Ich merke Resilienz selten in den großen Momenten. Eher in kleinen Reaktionen im Alltag. In einem Meeting, wenn eine Hypothese kippt. In einer Re-Org, wenn plötzlich nichts mehr so klar ist wie am Tag davor. Oder in einem Projekt, wenn die erste Idee so gar nicht funktioniert und es ab morgen einfach anders probiert wird.

Die resilientesten Menschen, mit denen ich gearbeitet habe, reagieren dann oft ähnlich:

Sie konzentrieren sich auf das, was sie beeinflussen können.

Nicht für jede Entscheidung um einen herum hat man den vollen Kontext. Nicht jede Re-Org fühlt sich sofort logisch an. Nicht jeder Strategiewechsel ist auf Anhieb nachvollziehbar. Aber die wichtigere Frage ist: Was liegt wirklich in meinem Einflussbereich? Denn alles, was außerhalb deiner Macht liegt, frisst oft mehr Kraft, als es zurückgibt.

Sie bleiben handlungsfähig, wenn andere noch sortieren.

Nicht jedes Problem braucht sofort die perfekte Lösung. Manche Probleme brauchen einfach jemanden, der den ersten sinnvollen Schritt macht. Etwas testet. Eine Option aufmacht. Einen Vorschlag formuliert. Oft entsteht Klarheit erst dadurch, dass jemand anfängt. Fortschritt > Perfektion

Sie gehen immer erstmal von guten Absichten aus.

Die meisten Menschen um dich herum wollen, dass die Sache funktioniert. Auch wenn es Konflikte gibt. Auch wenn Teams oder Personen unterschiedliche Interessen und Prioritäten haben. Die resilientesten Menschen erkennen schnell, wo trotzdem ein gemeinsamer Nenner liegt.

Und selbst wenn es sich so anfühlt, als würde jemand etwas blockieren oder bremsen, hilft erstmal eine andere Frage: Was sieht diese Person, was ich gerade nicht sehe?

Das heißt nicht, naiv zu sein. Es heißt nur: nicht sofort böse Absicht zu unterstellen.

Und sie holen sich Feedback, bevor es offiziell wird.

Natürlich gibt es in vielen Firmen 360-Reviews, Feedback-Zyklen und Performance-Prozesse. Aber das hilfreichste Feedback kam für mich oft aus einfachen Fragen:

„Hast du Feedback zu meinem Ansatz?“
„Hätte ich das klarer erklären können?“
„Was hätte ich in dem Gespräch besser machen können?“

Solche Fragen sind unbequem. Aber sie verkürzen den Lernweg enorm.

Der häufigste Fehler, den ich gesehen habe, ist das Gegenteil davon: Menschen halten an vergangenen Erfolgen fest und erwarten, dass dieselbe Strategie wieder funktioniert.

Manchmal tut sie das.

Oft aber nicht.

Vor allem nicht in einer Branche, die sich ständig selbst überholt.

Erfahrung ist wertvoll. Keine Frage. Sie gibt Muster, Ruhe und Urteilskraft.

Aber Erfahrung kann auch träge machen, wenn man sie mit Gewissheit verwechselt.

Resilienz bedeutet für mich deshalb nicht, unerschütterlich zu sein. Es bedeutet, schneller wieder klar zu werden. Schneller zu lernen. Schneller zu entscheiden, was jetzt zählt.

Das gilt sicher nicht nur in Tech.

Aber je länger ich dort gearbeitet habe, desto stärker glaube ich:

Anpassungsfähigkeit schlägt Erfahrung.

Nicht immer.

Aber öfter, als viele denken.

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