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Unsere Hündin Juna hat in Spanien auf der Straße gelebt, bevor sie zu uns kam.
Das merkt man bis heute.
Was auch immer draußen auf dem Boden liegt: Für sie sieht es verlockend aus. Egal wie eklig für uns. Schnapp und weg ist es, so schnell können wir gar nicht schauen.
Aber zu Hause? Wenn ich ihr ein Stück Hähnchen hinhalte, ein gutes Leckerli? Dann geht die Nase hin und her. Schnüffel, schnüffel. Ausgiebige Prüfung. Und dann wird es gnädig genommen. Manchmal auch nicht.
„Mein Volk hat zwei Übel getan“, sagt Gott bei Jeremia. Aber dazu gleich mehr.
Bei Juna kann ich das ganz klar sehen.
Bei mir hat es länger gedauert.
Früher bin ich öfter mal den Ossiloop gelaufen. Sechs Etappen in drei Wochen, knapp 65 Kilometer von der Küste bis nach Leer. Das Training davor, die Erschöpfung danach: Mein ganzes Leben kreiste wochenlang um diese eine Sache. Schnapp.
Dann der Klinkenputzer-Newsletter, von dem ich neulich erzählt habe. Ein Projekt, von dem ich mir viel versprochen habe. Schnapp.
Immer das Nächste. Das Verlockende. Ohne zu fragen, ob das überhaupt gut für mich ist.
Und gleichzeitig habe ich Gottes Angebot beschnuppert wie ein misstrauischer Hund.
Sein Wort? Na ja, mal sehen.
Seine Gnade? Klingt zu einfach.
Sein Weg? Lass mich erst mal meine eigene Route planen.
Juna schnappt nicht, weil sie dumm ist.
Sie schnappt, weil die Straße sie gelehrt hat: Was verlockend aussieht, das ist wahrscheinlich gut für dich. Was auf dem Boden liegt, stillt den Hunger. Das hat sie tausendmal geglaubt. Aber jemand, der ihr etwas Gutes hinhält, einfach so? Das kennt sie nicht. Das riecht nach Falle.
Von Geburt an sind wir alle Straßenhunde.
Wir schnappen nach allem, was vor uns liegt, weil wir nie gelernt oder längst vergessen haben: Wir haben ein Zuhause. Da ist jemand, der etwas Echtes für uns hat.
Futter. Wasser. Alles da.
Jeremia nennt es: lebendiges Wasser.
Jeremia 2,13: „Denn mein Volk hat doppeltes Unrecht verübt: Mich hat es verlassen, den Quell des lebendigen Wassers, um sich Zisternen zu graben, Zisternen mit Rissen, die das Wasser nicht halten.“
Zwei Übel. Nicht eins.
Das erste: die Quelle verlassen. Das zweite: sich Ersatz graben.
Der Ersatz hält nie, was er verspricht. Egal, wie verlockend er aussieht.
Und die Quelle? Die ist noch da.
Juna weiß inzwischen, wo ihr Zuhause ist. Sie schnüffelt noch. Und sie schnappt auch noch. Alte Gewohnheit. Aber sie weiß, wo ihr Napf steht. Und kommt immer zurück.
Die Frage ist, ob wir das auch tun.
Jörg „zurück am Napf“ Peters
P.S. Dieses Bild habe ich heute Morgen gemacht. Falls du dich fragst, ob Juna etwas geschnappt hat: Ich glaube nicht. Aber sie hatte diesen schuldbewussten Blick, den nur Hunde draufhaben, wenn man sie bei irgendetwas erwischt hat. Hmm…

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