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Politik · Aug 21, 2026

Merz kehrt aus dem langen Urlaub zurück – an diesen besonderen Ort zieht es ihn zuerst

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Lilli Zenth · der Freitag

Politik : Merz kehrt aus dem langen Urlaub zurück – an diesen besonderen Ort zieht es ihn zuerst

Weder Rekordhitze noch Hitzetote konnten den Kanzler aus seinem Feriendomizil am Tegernsee locken. Jetzt kehrt er zurück und hat auch Ende August noch einen Waldbrand in der Eifel gefunden, den er besuchen kann. Was hat er dort vor?

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kommt am 05.06.2026 nach dem EU-Westbalkan-Gipfel zur Pressekonferenz.

Ein Mann der gehobenen Mittelschicht, des ausreichenden Urlaubs und der klaren Worte: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)

Foto: Kay Nietfeld/Picture Alliance/dpa

Je länger man sich mit den Aktionen des deutschen Bundeskanzlers beschäftigt, desto näher liegt ein Gedanke: Ganz Deutschland wird gerade zu einem sozialen Experiment namens Friedrich Merz. Denn der Mann, der sich in schöner Regelmäßigkeit darüber echauffiert, dass wir alle „mehr arbeiten müssen“, hat ja seinen Urlaub um eine weitere Woche verlängert.

Fast vier Wochen ist es nun her, seit sich Merz am 29. Juli mit den Worten „Schöne Sommerferien, Tschüss“ in die Sommerpause verabschiedet hat. Seitdem ist es mit dem Bundeskanzler wie mit einer gescheiterten Teenagerliebe: Es herrscht Funkstille.

Friedrich Merz hat von Kai Wegner gelernt

Weder die enorme Hitze dieses Sommers, die zu einer Rekordzahl von mehr als 12.500 Hitzetoten führte, noch die verheerenden Waldbrände in Nordrhein-Westfalen schienen Merz ausreichend gute Gründe gewesen zu sein, sein Feriendomizil verfrüht zu verlassen oder sich zumindest öffentlich dazu zu äußern.

Stoizismus, wenn es darauf ankommt, gehört für die Christlich-Demokratische Union inzwischen wohl zum Markenkern. Erinnert sei an den Tennis-Enthusiasten Kai Wegner, den ein großflächiger Stromausfall in einem Teil der Stadt, die er noch regiert, im Januar nicht vom Court locken konnte. Aber wenn das mal nicht ein Vorbote für Merz ist: Der in Teilzeit regierende Lifestyle-Bürgermeister Berlins genießt gerade seine letzten Wochen im Amt: Den Stress als CDU‑Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September muss er sich nicht mehr geben.

Der Work-Life-Balance- und Vier-Tage-Woche-Schlendrian

Gerade dieses Berlin, aber eigentlich die ganze Republik braucht wohl einfach noch mehr Männer, die außerhalb ihres Urlaubs mutig die Stimme erheben, um all jenen die Leviten zu lesen, die sich nicht ihren ganzen Lebtag lang für die Interessen ihrer Vorgesetzten kaputt schuften wollen. Die unverdrossen angehen gegen den Work-Life-Balance- und Vier-Tage-Woche-Schlendrian, mit dem sich „der Wohlstand unseres Landes, den wir heute haben, in Zukunft nicht erhalten“ lässt.

Friedrich Merz war schon immer einer, der die unbequemen Wahrheiten nicht scheut, auch wenn das Volk ihnen erst keinen Glauben schenken will. Man denke nur an seine adäquate Selbstverortung in der „gehobenen Mittelschicht“ Ende 2018, als er auf ein Bruttojahreseinkommen von rund einer Million Euro kam. Das Volk hat es ja dann später kapiert und ihn zum Kanzler gewählt.

Doch die nötigen Einsichten kommen einem halt nur, wenn er sich in gediegener Abgeschiedenheit am Tegernsee gedanklich über den Trott des Alltags erheben kann. Wo es sich mit fleißigen, intellektuell anregenden Zeitgenossen wie Kulturstaatsminister Wolfram Weimer umgeben lässt, und nicht mit den antriebslosen 40 Prozent der Deutschen, bei denen es nicht einmal für einen einwöchigen Urlaub im Jahr reicht.

Man muss sich längere Auszeiten einfach leisten können, um dann aus dem Feriendomizil gestärkt in die Heimat zurückzukehren. Und von wegen Hitzeschutz und Klimawandel: Auch nach vier Wochen Sommerferien findet sich heutzutage doch immer noch irgendwo ein Waldbrand, an dem sich den Feuerwehrleuten über die Schulter schauen und Mut zusprechen lässt. So besucht Bundeskanzler Friedrich Merz an diesem Samstag die Eifel, wo der Hürtgenwald in Flammen steht. Vom Sauerland aus sind es auch kaum mehr als zwei Stunden dorthin.

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