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DrBine’s Newsletter · Aug 9, 2026

Katja Gloger, Georg Mascolo - Ausbruch - Innenansichten einer Pandemie 1

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DrBines verbales Vitriol · DrBine’s Newsletter

Georg Mascolo war der Haus - und Hofberichterstatter der Regierung. Er war als als Journalist und Beobachter bei Sitzungen als Augenzeuge dabei. Georg Mascolo analysierte er für ARD und die Süddeutsche Zeitung die Maßnahmen der Regierung. In seinem Buch beschreibt er Sitzungen, bei denen er zugegen war als Augenzeuge. Das Buch ist also ein Augenzeugenbericht und somit Primärliteratur wie ein Protokoll.

Kaja Gloger ist Georg Mascolos Ehefrau. Gloger recherchierte im Jahr 2020 ebenfalls hinter den Kulissen der deutschen Politik.

Ich spare es mir daher, die Fehler in der Argumentation der Autoren zu analysieren. Sie waren auf Linie, sonst hätten sie auch nicht hautnah geheime Sitzungen beobachten dürfen. Ich behandle das Buch rein als Primärquelle und als chronologische Beschreibung von Entscheidungen mit Namensnennung.

Warum Primärquelle? Das kann man mit folgenden Zitaten des Autors über seine Arbeit begründen.

“Wir nutzten alte Kontakte zur WHO, zu nationalen Gesundheitsbehörden, zu Ministerien und in Regierungszentralen. Wir begannen regelmäßige Gespräche mit jenen in der Bundes- und den Landesregierungen, die nun sehr bald über Freiheitseinschränkungen entscheiden würden, wie es sie in der Geschichte der Bundesrepublik bislang nicht gegeben hatte.

Unsere Gesprächspartner ließen uns in diesem ersten Pandemiejahr teilhaben an ihren Überlegungen, Abwägungen und Sorgen. Und manchmal auch an ihren Zweifeln und Ängsten. Wir sichteten Hunderte Dokumente, vertrauliche Vermerke, Protokolle aus den Krisenstäben, persönliche Mitschriften und Notizen aus den Krisenrunden. Schließlich waren wir in der Lage, in weiten Teilen die Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten zu verfolgen. Jenen, die dies ermöglichten, gilt unser besonderer Dank. Sie waren früh davon überzeugt, dass die unter beispiellosem Druck und oft größter Ungewissheit getroffenen Entscheidungen das benötigen, ohne das Demokratie nun einmal nicht sein kann: Transparenz. Die Möglichkeit, jedenfalls mit zeitlichem Abstand politisches Handeln in einer der größten Krisen dieses Landes hoffentlich ein bisschen besser nachvollziehbar zu machen.” (S. 332f)

“Wir haben uns darum bemüht, die Diskussionsprozesse möglichst umfassend und fair darzustellen, nicht reduziert auf Bruchstücke und Schlagzeilen.” (S. 333)

Da bisher anscheinend keiner das Buch auf seine Primärquellentauglichkeit hin analysiert und Zitate chronologisch sortiert hat, soll das die Aufgabe dieser dreiteiligen Artikelserie sein. Die Chronologie der Ereignisse gemäß der Aussagen des Augenzeugen Mascolo.

Möglicherweise aus dramaturgischen Gründen, erzählt Mascolo die Geschichte nicht chronologisch. Dadurch werden zeitliche Zusammenhänge aber verschleiert.

Das Buch erschien am 15. März 2021 und behandelt das erste Jahr der Plandemie zeitnah.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Piper

  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 15. März 2021

  • Auflage ‏ : ‎ 4.

  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch

  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 336 Seiten

  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3492070914

  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3492070911

Am 2. Januar beginnt auch im Bundesnachrichtendienst BND wieder der reguläre Dienstbetrieb, am Morgen füllt sich der riesige Neubau an der Chausseestraße am Rande des Regierungsviertels. Hier ist auch die Abteilung Technik und Wissenschaft untergebracht, kurz TW. In ihr arbeiten Physiker, Chemiker, Biologen und Mediziner. TW ist so etwas wie der wissenschaftliche Dienst des deutschen Auslandsgeheimdienstes. (S. 19)

Vor allem seit den Terroranschlägen des 11. September 2001 arbeitet TW eng mit dem Robert Koch-Institut zusammen. Vorrangig geht es um die Abwehr möglicher Terrorangriffe mit biologischen Waffen. (S. 20)

TW hat noch eine andere, kaum bekannte Aufgabe: Informationen über Infektionskrankheiten zu beschaffen, die Mensch oder Tier treffen könnten. Vor allem über Krankheiten mit pandemischen Potenzial: Erreger, die sich ungebremst über Länder und Kontinente ausbreiten und zugleich ungewöhnlich schwere Erkrankungen hervorrufen. (S. 21)

Vertuscht, verschwiegen, gelogen wird bis heute – und damit ist die Aufgabe von TW umrissen: gesicherte Informationen auch für das RKI zu beschaffen, bevor es womöglich zu spät ist. Allerdings weiß kaum einer im BND, dass es noch eine ganz andere Verbindung zwischen BND und RKI gibt: RKI-Präsident Lothar Wieler und BND-Chef Bruno Kahl sind alte Freunde. Der Tiermediziner und der Jurist kennen sich seit Studienzeiten, bis heute rudern sie gemeinsam auf dem Wannsee. Achter mit Steuermann. In diesen milden Wintertagen gehen sie mal wieder aufs Wasser. Wieler nutzt die Gelegenheit, um Kahl anzusprechen: »Bitte behalte die Sache in China im Blick.« (S. 21)

Ob diese Szene beim Rudern aus einem Gespräch mit Wieler stammt? Hier müsste man im Falle eines Prozesses nachhaken.

Der Bericht des BND ist bis heute geheim, wie haben aber jenen des US Geheimdienstes.1

Im Berliner Robert Koch-Institut verschickt Lothar Wielers Vize Lars Schaade am 6. Januar um 8:34 Uhr eine der ersten E-Mails des Tages. (S. 26)

Schaade ist Professor für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie. […] »Bitte um kurze Besprechung in meinem Büro«, schreibt Schaade an seine Kollegen. Aber auch diese Besprechung bringt keine größere Klarheit. (S. 27)

Diese Informationen ermöglichen es Christian Drosten und seinem Team in Berlin, umgehend einen ersten Diagnostiktest für SARS-CoV-2 zu entwickeln, das Protokoll wird am 13. Januar über die WHO publiziert. (S. 31)

“Analysierte alle 1.595 Veröffentlichungen bei @EuroSurveillance seit 2015
Innerhalb von < 20 Tagen wurde keine Forschungsarbeit begutachtet und angenommen.
Durchschnitt 2019: 172 Tage, 2020: 97
1 wurde 24 Stunden nach Einreichung angenommen”2

Des Weiteren vergaßen die Autoren wohl ein “paar” Interessenkonflikte anzugeben.3

Der Test war voller Fehler, die in entsprechenden Gutachten auch benannt werden.

  • Dokumentierte Primerdimere und falsch-positive Ergebnisse in Nicht-Template-Kontrollen (NTCs)

  • Dokumentierte schlechte Sensitivität und falsch-negative Ergebnisse im Vergleich zu anderen Assays

  • Keine interne Kontrolle zur Normalisierung der Variabilität der Probenvorbereitung und ihrer Auswirkungen auf die Schätzung der Viruslast

  • Keine definierte Ct-Wert für die Einstufung von Proben als „positive Fälle“

  • Schlecht dokumentierte Positivkontrollen und Sequenzen, die in ihrer Studie verwendet wurden

Schlussfolgerungen: Wir sind der Meinung, dass die in diesem Nachtrag angegebenen Referenzen den wissenschaftlichen Konsens widerspiegeln, der in der Literatur hinsichtlich der Mängel der ursprünglichen PCR-Nachweismethode für SARS-CoV-2, veröffentlicht von Corman et al. Da mehrere wichtige Mängel in Fachzeitschriften mit Peer-Review veröffentlicht wurden, stellt die fehlende Korrektur des ursprünglichen PCR-Protokolls entweder durch Eurosurveillance oder als Aktualisierung im Charité-WHO-Protokoll die wissenschaftliche Integrität der Autoren von Corman et al. in Frage. Diese Referenzen legen alle verbleibenden Debatten darüber, dass das Manuskript von Corman et al. allein aus technischen Gründen zurückgezogen werden sollte, endgültig bei. Die Schnelligkeit des Peer-Review-Verfahrens und die Interessenkonflikte sind noch beunruhigender.4

Die erste Expertenanhörung zur Risikoanalyse 2012 fand übrigens im Innenausschuss des Bundestages statt – am 13. Januar 2020. Und acht Monate später führten Bund und Länder den kläglichen Zustand des Systems vor: Aufgrund mangelnder Abstimmung, Softwareproblemen und sonstigem Chaos wurde der »Nationale Warntag« am 10. September zum Behördendesaster. Mal heulten die Sirenen gar nicht, mal viel zu spät. Ausgerechnet BBK-Präsident Unger musste gehen. (S. 96)

Das schon 2001 gegründete EU »Health Security Committee« wiederum hatte bereits am 17. Januar Vertreter aller EU-Gesundheitsminister zu einer Telefonkonferenz geladen, um die Reaktion auf grenzübergreifende Gesundheitsbedrohungen zu koordinieren. Aber nur 12 von 27 Mitgliedsstaaten nahmen überhaupt daran teil. (S. 150)

Dazu gibt es ein Dokument: EUROPEAN COMMISSION, DG SANTE C3, AT, BE, DE, FI, FR, HU, LT, LU, NL, NO, SE, ES, UK, ECDC, DG RTD, WHO Euro, Public Health England, & Air France. (2020). Crisis management and preparedness in health. https://health.ec.europa.eu/document/download/70c25fc3-0558-4aca-bcce-d312283285af_en?filename=ev_20200117_sr_en.pdf

Auch die Protokolle der weiteren Sitzungen kann man online nachlesen:

Health Security Committee reports. (2026, July 22). Public Health. https://health.ec.europa.eu/health-security-and-infectious-diseases/crisis-management/health-security-committee-reports_en

Am frühen Morgen des 19. Januar trifft eine chinesische Mitarbeiterin des Autozulieferers Webasto in München ein, um in den kommenden drei Tagen in Stockdorf an Workshops und Meetings teilzunehmen. Am Abend ihres ersten Tages in München fühlt sie sich müde und abgeschlagen, Muskelschmerzen, auch Schmerzen in Rücken und Brust. Sie geht von einem Jetlag aus, nimmt ein Schmerzmittel, sie will fit für den kommenden Tag sein. (S. 34)

Selbst Mascolo schreibt, dass der erste Webasto Fall aus China ein Schmerzmittel genommen hatte, als KEIN asymtomatischer Fall war, etwas, was Christian Drosten in seiner Publikation bis heute NICHT korrigiert hat.

Der leitende Webasto-Mitarbeiter Christoph N., der deutsche »Patient 1«, steckt sich an, weil er während einer Besprechung am 20. Januar in der Stockdorfer Zentrale in einem kleineren Raum ungefähr eine Stunde lang direkt neben der chinesischen Kollegin sitzt. Innerhalb weniger Tage werden sich insgesamt 16 Mitarbeiter des Betriebes und Familienangehörige anstecken. Einen trifft es, als ihm ein Infizierter in der Kantine einen Salzstreuer reicht. Aber das weiß zu diesem Zeitpunkt keiner von ihnen. Die Kollegin aus Shanghai fühlt sich ja gesund. (S. 35)

Am 21. Januar unterrichtet der BND erstmals das Kanzleramt. Kanzleramtsminister Helge Braun ist nicht nur für den BND zuständig; der Zufall will es, dass er sich für diese Sache in China sehr interessiert. (S. 28)

Im Robert Koch-Institut hat inzwischen die Projektgruppe »P4« ihre Arbeit aufgenommen. P4 ist zuständig für computergestützte »epidemiologische Modellierung von Infektionskrankheiten«. Mit Rechenmodellen zur Dynamik von Infektionskrankheiten hat sich Projektleiter Dirk Brockmann einen Namen gemacht, er ist Physiker und Komplexitätsforscher. Insgesamt zwölf Mathematikerinnen, Epidemiologen, Physiker und Informatikerinnen analysieren Big Data, Massendaten. (S. 29)

Dirk Brockmann war derjenige, der die Modellierungsfähigkeiten des RKI als steinzeitlich bezeichnete.

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Am Montag, dem 27. Januar, sie liegt jetzt schon im Krankenhaus, informiert die chinesische Webasto-Mitarbeiterin ihren Arbeitgeber über ihr positives Testergebnis. (S. 35)

Auch Christoph N. wird von seinen Vorgesetzten benachrichtigt. […] Er fährt in die Uniklinik München, Tropeninstitut, dort untersucht ihn die Infektiologin Camilla Rothe, nimmt einen Abstrich. Das Testergebnis ist positiv. Noch am gleichen Abend muss er sich auf der Infektionsstation in der München Klinik Schwabing melden, bei Clemens Wendtner, Chefarzt für Infektiologie und Tropenmedizin. […]. Und den allermeisten isolierten Patienten geht es: gut. Die Stimmung gleicht anfangs der in einer munteren WG, die Patienten kommunizieren über WhatsApp; die Firma schickt Päckchen mit Süßigkeiten und Puzzles. Allerdings warten auf den Fluren jetzt Reporter, die Kranke aufspüren wollen. Der Sicherheitsdienst wird eingeschaltet. Christoph N. erhält einen Decknamen: Müller. (S. 36)

Den Patienten geht es gut, aber an diesem Punkt wittern die Medien eine billige Geschichte und fangen an, eine Plandemie zu konstruieren.

Für die Auswertung der Patientendaten zieht Wendtner seinen Kollegen Christian Drosten hinzu; auch das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr wird eingeschaltet. Ende Januar liegen erste belastbare Ergebnisse vor. Wendtner und Drosten sind schockiert: Das neue Coronavirus ist in tausendfach höherer Konzentration im Rachenraum nachweisbar als das erste SARS-Virus von 2003. Und anders als das »alte« SARS-Virus repliziert es sich nicht nur in der Lunge, sondern aktiv bereits in den oberen Atemwegen, in den Zellen des Rachens. Damit aber ist es viel ansteckender. (S. 37)

Viel ansteckender = viel harmloser, weil es eine große Menge an Viren braucht, damit man sich krank fühlt. So krankt, dass Wendtner die Patienten auf Seite 37 “pumperlgesund” nennt. Man ist also mit einer hohen Virenmenge immer noch “pumperlgesund”. Wo genau ist also das Problem?

Dann aber, am Dienstag, den 28. Januar, kommen weitere Infizierte aus der Webasto Zentrale, zwei zeigen keine Symptome, zwei hatten keinen Kontakt zur Kollegin aus China. Noch am Abend schreibt Camilla Rothe eine E-Mail an Kolleginnen und Kollegen, berichtet von ihrer Beobachtung: Möglicherweise könne das Virus auch während der Inkubationszeit übertragen werden. Auch Christian Drosten meldet sich bei ihr; er fragt, wie sicher sich Rothe sei. (S. 129)

Und am 29. Januar 2020 saßen EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides und Janez Lenarčič, Kommissar für Krisenmanagement, im Pressezentrum des Brüsseler EU-Berlaymont-Gebäudes. Sie teilten mit, dass die EU ihren internen Krisenreaktionsmechanismus aktiviert habe. Der Saal war so gut wie leer. (S. 93)

Zu diesem Vorgang gibt es offizielle Dokumente.6 7

Erst am 30. Januar stimmt das WHO-Notfallkomitee in dritter Sitzung mehrheitlich für die »gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite«, die Tedros noch am gleichen Tag offiziell ausrufen wird. […] Die politische Dimension der Pandemie wird früh sichtbar.(S. 32)

In Mainz liest der Mediziner Uğur Şahin Ende Januar in der britischen Fachzeitschrift Lancet einen Artikel über den Ausbruch des Coronavirus in China. (S. 32)

Vor wenigen Monaten, im September 2019, hat auch Bill Gates über die Bill-&-Melinda-Gates Stiftung 55 Millionen Dollar in das Unternehmen investiert. Damit soll an Impfstoffen gegen HIV und Tuberkulose geforscht werden. Doch jetzt, im Januar 2020, liest Uğur Şahin über das neuartige Coronavirus. Zu diesem Zeitpunkt sind so gut wie keine Infizierten außerhalb Chinas gemeldet. Doch Şahin befürchtet, dieses Pathogen habe Pandemiepotenzial. (S. 33)

Ebenfalls Ende Januar veröffentlicht das New England Journal of Medicine auf seiner Website eine kurze »Korrespondenz« von Camilla Rothe und ihren Münchener Kollegen, sie wollen auf ihre Beobachtung und die damit verbundene Gefahr einer unbemerkten und somit sehr schnellen Verbreitung des Virus aufmerksam machen: Möglicherweise könne es bereits übertragen werden, noch bevor Infizierte Symptome zeigten. Sie schreiben von »asymptomatischen« Personen. Nach wissenschaftlichen Kriterien benutzen sie damit ein falsches Wort: um eine asymptomatische Infektion handelt es sich, wenn ein Infizierter während der gesamten Zeit seiner Erkrankung keine Symptome zeigt.

Rothe, C., Schunk, M., Sothmann, P., Bretzel, G., Froeschl, G., Wallrauch, C., Zimmer, T., Thiel, V., Janke, C., Guggemos, W., Seilmaier, M., Drosten, C., Vollmar, P., Zwirglmaier, K., Zange, S., Wölfel, R., & Hoelscher, M. (2020). Transmission of 2019-nCoV Infection from an Asymptomatic Contact in Germany. New England Journal of Medicine, 382(10), 970–971. https://doi.org/10.1056/nejmc2001468

Auch eine extrem schnelle Veröffentlichung binnen weniger Tage. Irgendwie suspekt.

Christian Drosten geht an die Öffentlichkeit. Am 30. Januar spricht er in der RBB-Sendung Talk aus Berlin. Inoffizielle, noch nicht veröffentlichte Daten legten nahe: Das Virus könne vielleicht schon vor Beginn des ersten Fiebers ausgeschieden werden. »Ich hätte das nie für möglich gehalten.« (S. 130 f)

Anfang Februar reist Jörg Wuttke, Chef der Europäischen Handelskammer in Peking, nach Brüssel. (S. 38)

Am 1. Februar hebt auf dem Flughafen Wuhan eine Sondermaschine der Bundeswehr ab, der Airbus »Kurt Schumacher« hat 126 Passagiere an Bord, darunter 101 deutsche Staatsbürger, sie werden aus China evakuiert. […] Zum ersten Mal in dieser sich anbahnenden Krise mischt sich die Kanzlerin ein, überlässt die Sache nicht mehr ihrem Gesundheitsminister. (S. 38)

“Zufällig” mischt sich die Kanzlerin das erste Mal am 1. Februar 2020 ein, der Tag, an welchen die Telefonkonferenz zwischen Christian Drosten und Jeremy Farrar stattfand.

“Es herrschte keine vollständige Einigkeit über die Wahrscheinlichkeit einer absichtlichen Einfügung. Ron Fouchier sagte, er sei sich sicher, dass dies auf natürliche Weise geschehen könne, und wir sollten unsere Zeit nicht verschwenden und unsere Anstrengungen nicht darauf richten, dieser Spur nachzugehen. Das ist von ihm zu erwarten, da er zusammen mit Yoshi Kawaoka der ursprüngliche GOF-Forscher war. Auch Christian Drosten schloss sich Ron an; die übrigen Teilnehmer hielten eine absichtliche Einschleusung für möglich, und angesichts der Tatsache, dass Dr. Zheng-Li Shi an der Universität Wuhan seit Jahren an GOF-Forschung bei Coronaviren arbeitet, um die Anpassung des Spike-Proteins an den menschlichen ACE2-Rezeptor zu ermöglichen, konnten wir diese Frage nicht einfach auf sich beruhen lassen. Wir beschlossen, dass Jeremy gemeinsam mit Francis mit Unterstützung von Stewart Simonson (ich habe dies arrangiert) Kontakt zu Tedros aufnehmen sollte, um zu prüfen, ob Tedros eine Expertenrunde einberufen würde.”8

Seehofer dagegen hatte gewarnt: Sei auch nur ein einziger Infizierter dabei, könne eine neue Infektionskette ausgelöst werden. Auch Beamte seines Ministeriums stimmten zu. Das Ganze sei eine Sache der Gefahrenabwehr: Lasse man die Wuhan-Heimkehrer einfach mit der Bahn nach Hause fahren, könne es sich um einen »staatlichen Viruseintrag« handeln. Merkel sah es ähnlich. (S. 39)

Seehofer, der, wie später erklärt wird, Herzentzündung hatte und panische Angst vor Ultraschallbildern steckt mit seiner Angst die Beamten seines Ministeriums bereits Ende Januar an. Merkel ist zu diesem Zeitpunkt auch schon ängstlich, vielleicht, weil sie schon von Drosten Infos bekommen hatte?

Schon am 5. Februar hat ein Mann namens Achim Theiler eine erste E-Mail an Minister Spahn geschrieben. Theiler ist Geschäftsführer des Buchloer Unternehmens Franz Mensch9, das Schutzausrüstung produziert, Schürzen, Überschuhe, Astrohauben, Mund-Nasen-Schutz. Theiler warnt, dass bereits riesige Mengen durch chinesische Vermittler aufgekauft würden: »Ich appelliere an Sie, unterschätzen Sie die Problematik dieses Virus nicht.« Spahn wird später erklären, Beamte seines Ministeriums hätten die E-Mail an das Beschaffungsamt der Bundeswehr in Koblenz weitergeleitet. Mehr geschieht nicht. (S. 50)

Darüber wurde in der Regionalpresse berichtet.10 11

Für den 6. Februar hat die Nationale Akademie der Wissenschaften eine Telefonkonferenz mit ihrem chinesischen Pendant verabredet. Aus Deutschland zugeschaltet sind neben dem designierten Leopoldina-Präsidenten Gerald Haug auch Wendtner, Drosten und Wieler, sie wollen sich einen Überblick über die Lage verschaffen. Eine der Fragen gilt der »secondary attack rate«, der »zweiten Befallsrate«. Mit diesem wichtigen Parameter kann das Ansteckungsrisiko abgeschätzt werden. Die erschreckende Antwort aus Peking lautet: »37 Prozent«. Drosten, so erinnert sich Haug, sei »ganz blass geworden«. Stimme dies, werde eine Pandemie in zwei Wellen über die Welt kommen, der man wenig entgegenzusetzen habe. (S. 37)

Ja und?! Man braucht sehr viele Viren, um sich leicht angematscht zu fühlen. Warum wurde Drosten also blass?!

Am 31.1.2020 um 22:32 Uhr Ortszeit schrieb Virologe Dr. Kristian Andersen vom Scripps Institute eine E-Mail an Dr. Fauci und äußerte seine Sorge darüber, dass es Anzeichen gebe, dass das SARS-CoV-2 Virus im Labor hergestellt wurde: »Man muss ganz genau hinsehen, um zu merken, dass manche Eigenschaften (möglicherweise) konstruiert aussehen.« Fauci antwortete knapp: »Danke, Kristian. Wir sprechen uns bald.«12

Am 1. Februar fand die berühmt berüchtigte Telefonkonferenz zwischen Christian Drosten und Jeremy Farrar statt. An diesem Tag kontaktierte der britische Mediziner Farrar den Virologe Drosten telefonisch und berief kurz darauf eine internationale Expertenrunde ein.

RKI-Files 05.02.2020: “Shedding: nCoV hat zusätzliche multibasische Furin Spaltestelle, Drosten-Hypothese ist, dass 2019-nCoV sich auch durch effektiveres und längeres shedding von SARS unterscheidet.”13

Am 6. Februar 2020 wusste Drosten also, dass das Virus eine Furin-Schnittstelle hatte und möglicher Weise durch einen Laborunfall freigesetzt wurde. Das “vergisst” Mascolo an dieser Stelle zu erwähnen.

Am 12. Februar schreibt Kekulé einen persönlichen Brief an Wieler: […] »Wie Sie wissen, deckten sich meine Risikobewertungen und Empfehlungen in der Vergangenheit nicht immer ganz mit denen Ihrer Behörde. Ich hoffe trotzdem auf eine strikt sachliche Prüfung meines Vorschlags.« Wieler wird Kekulé den Empfang des Briefes lediglich bestätigen. Eine Reaktion auf seine Vorschläge erfolgt nicht. Erfolglos bleibt zwei Wochen später auch ein Vorstoß bei Seehofer, den Kekulé drängt, die Schutzkommission zu reaktivieren: »Eine unabhängige Beratung aus der Wissenschaft kann in Zeiten wie diesen nur von Vorteil sein.« Bald brechen die Konflikte zwischen Kekulé und dem RKI auf. Kekulé spricht von Fehlinformationen des RKI, die schon »fast an Fake Science« erinnern, schließlich wird er Spahn dafür kritisieren, den Karneval nicht abgesagt zu haben. (S. 165)

Der vertrauliche Brief von Alexander Kekulé an Lothar Wieler vom 12. Februar 2020, in dem eine striktere Risikobewertung gefordert wurde, ist nicht als vollständiges Einzeldokument öffentlich einsehbar. Eine detaillierte Rekonstruktion dieses Schreibens und des damaligen Ablaufs ist in der WELT-Recherche „78 Tage bis zum Lockdown“ enthalten.14

Am dritten Februarwochenende ist München wieder einmal für drei Tage das Zentrum der internationalen Politik, die Münchner Sicherheitskonferenz tagt. Staatschefs, Außen- und Verteidigungsminister reisen gleich im Dutzend an. Die Weltkarte des Virus zeigt jetzt auch erste Fälle in den USA. Trumps Handelsberater Peter Navarro hatte ein Memo für den Nationalen Sicherheitsrat verfasst: Bis zu 100 Millionen Menschen könnten sich infizieren, Gesundheit oder gar Leben von Millionen Menschen seien gefährdet und Billionen Dollar ökonomischer Schaden zu befürchten, wenn sich das Coronavirus in den USA ausbreite. Gesundheitsminister Alex Azar hatte den Präsidenten sogar während eines Fluges in der »Air Force One« angerufen und vor einer Pandemie gewarnt. Trump fand ihn alarmistisch; und auch der renommierte US-Epidemiologe Anthony Fauci spricht von einer »winzig kleinen« Gefahr. Öffentlich wird Trump behaupten, das Virus verschwinde spätestens im April auf »wundersame Art«. (S. 41)

Trump hatte Recht, wie man in den RKI-Files sehen kann.

Immerhin unterscheidet sich in diesem Jahr die Teilnehmerliste der Münchner Sicherheitskonferenz. Aus Genf ist WHO-Chef Tedros gekommen, auch Mike Ryan ist da, der WHO-Exekutivdirektor für Gesundheitsnotfälle. Zum ersten Mal nimmt auch Lothar Wieler vom RKI teil. (S. 43)

WHO-Generaldirektor Tedros erhält zwölf Minuten Redezeit, er überzieht. Aber das tun in München auch diejenigen, die weniger zu sagen haben. Tedros ist gerade aus Kinshasa gekommen, Demokratische Republik Kongo, er berichtet ausführlich über den dortigen erneuten Ausbruch des Ebolafiebers mit 2249 Toten. Er lobt Chinas Erfolge im Kampf gegen das Coronavirus. Kein klares Wort von ihm über chinesische Verzögerungen und Vertuschungen, seine Mahnung gilt vielmehr der Weltgemeinschaft: »Die Welt gibt Milliarden aus, um sich auf terroristische Attacken vorzubereiten, aber vergleichsweise wenig, um sich auf den Angriff eines Virus vorzubereiten, das sehr viel tödlicher sein und Wirtschaft, Politik und Gesellschaft viel härter treffen könnte«, sagt er. Und fügt hinzu: »Das ist, ehrlich gesagt, schwer zu verstehen und gefährlich kurzsichtig.« Tedros nutzt die Münchener Bühne, um das zu wiederholen, wovor Gesundheitsexperten seit Jahrzehnten warnen: Der Ausbruch einer gefährlichen Infektionskrankheit, die sich auf der ganzen Welt verbreitet, ist nur eine Frage der Zeit. Tedros erhält höflichen Applaus im eher spärlich besetzten Saal. (S. 45)

Am Rosenmontag des Jahres 2020, es ist der 24. Februar, bittet Jens Spahns Staatssekretär Thomas Steffen um einen eiligen Termin im Bundesinnenministerium. Steffen ist Jurist, im Gesundheitsressort arbeitet er weniger als ein Jahr. Ein Experte für Märkte und Währungen war er lange im Finanzministerium und davor in einer Behörde für Finanzaufsicht. Das Thema Gesundheit ist neu für ihn. Aber Jens Spahn kennt ihn aus gemeinsamen Zeiten im Finanzministerium, er vertraut ihm. So holte er Steffen nach, als er Gesundheitsminister im vierten Kabinett Merkel wurde. Am Nachmittag lässt sich Steffen die wenigen Kilometer von der Berliner Friedrichstraße zum Innenministerium hinüberfahren. Heiko Rottmann-Großner begleitet ihn, Leiter der Unterabteilung 61: »Gesundheitssicherheit«. Drei Staatssekretäre von Minister Horst Seehofer warten bereits auf die beiden, dazu weitere Beamte. (S. 7)

Dieses Treffen markiert den historischen Wendepunkt, an dem die COVID-19-Pandemie im deutschen Regierungsapparat von einer rein gesundheitlichen Krise zu einer nationalen Bedrohung hochgestuft wurde.

Thomas Steffen und Heiko Rottmann-Großner (BMG) trafen sich im Innenministerium (BMI), weil das Gesundheitsministerium (BMG) die Krise logistisch und rechtlich nicht mehr alleine bewältigen konnte. Das BMG machte an diesem Tag unmissverständlich klar, dass eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus in Deutschland bevorsteht und drastische, behördenübergreifende Maßnahmen nötig sind. Dieses Treffen war der unmittelbare Katalysator für die Gründung des Gemeinsamen Krisenstabes von Innen- und Gesundheitsministerium nur drei Tage später (am 27. Februar 2020), der fortan die Bundesmaßnahmen koordinierte.

Jetzt sind bereits 130 Infizierte und zwei Todesfälle bestätigt, die Zahlen steigen und steigen. […]

Die österreichischen Bundesbahnen haben den Zugverkehr nach Italien eingestellt. Der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte hat die Abriegelung von elf Städten mit insgesamt 53 000 Einwohnern angekündigt. Notfalls werde er die Armee einsetzen, erklärt Conte. Droht dies nun auch in Deutschland? Staatssekretär Steffen wirkt angespannt. Er glaube nicht, dass sich Corona noch eindämmen lasse, bekennt er. Auch die Wissenschaftler des Robert Koch-Instituts seien der Überzeugung, dass die Stufe 1 jetzt an ihr Ende komme. »Stufe 1« bedeutet Eindämmung, die Eingrenzung des Virus: jeden einzelnen Infizierten zu finden, zu identifizieren und gegebenenfalls zu isolieren, dazu alle Kontaktpersonen. Damit für alle anderen das Leben so weitergehen kann wie bisher. Doch jetzt, erklärt Steffen, gehe es in die nächste Phase, die Mitigation, Schadenminderung. Als die Beamten aus dem Innenministerium wissen wollen, was »Mitigation« genau bedeute, übernimmt Rottmann-Großner. Man müsse die Vorkehrungen dafür treffen, dass es zu Ausgangssperren von unbestimmter Dauer komme. Man müsse auch, wie es später in einem Vermerk über das Gespräch heißen wird, »die Wirtschaft lahmlegen sowie die Bevölkerung auffordern, sich Lebensmittelvorräte und Arzneimittelvorräte anzulegen«. »Lockdown« wird so etwas bald genannt werden, aber an diesem Rosenmontag wird noch ein anderes Wort verwendet: Es lautet »Abschaltung«. (S. 8)

Dann ergreifen Hans-Georg Engelke und Markus Kerber aus dem Innenministerium das Wort. Engelke ist der sogenannte »Sicherheitsstaatssekretär«, der Hesse war einmal Staatsanwalt, leitete dann die Abteilung Terrorismusbekämpfung im Bundesamt für Verfassungsschutz. (S. 9)

Ein Krisenstab soll einberufen werden, besetzt aus Vertretern des Innen- und des Gesundheitsministeriums. So sieht es eine detaillierte sogenannte »Hausanordnung« mit Stand Juni 2018 vor. Das Papier »zur Bewältigung einer großflächigen und national bedeutsamen biologischen Gefahren- und Schadenslage« beschreibt zwei unterschiedliche Szenarien: Bioterrorismus – also einen Anschlag mit Biowaffen – oder eine Pandemie. (S. 10)

Am Aschermittwoch, es ist der 26. Februar, tagt der Krisenstab zum ersten Mal. (S. 11)

Der Krisenstab in Berlin ist von Beginn an ein riesiger Apparat. Das Organigramm ist als Verschlusssache eingestuft, das Lagezentrum wird dem Inspekteur der Bereitschaftspolizei unterstellt. Eine der sieben Abteilungen ist für »Gesundheitsgefahren« zuständig, eine für die »polizeiliche Gefahrenabwehr«, eine für »internationale Angelegenheiten«. (S. 46)

Trotz der Geheimhaltung des exakten Organigramms sind die Kernstrukturen dieses riesigen Apparats bekannt:

Der Krisenstab wurde politisch gemeinsam vom Bundesinnenminister (Horst Seehofer) und vom Bundesgesundheitsminister (Jens Spahn) geleitet.15

Auf Staatssekretärsebene führten Hans-Georg Engelke (BMI) und Thomas Steffen (BMG) die tägliche Arbeit.16

Der Apparat war in zahlreiche Unterarbeitsgruppen (UAG) unterteilt. Diese befassten sich isoliert mit Themen wie Logistik (Maskenbeschaffung), Grenzkontrollen, Evakuierungen oder der wissenschaftlichen Beratung (unter Einbindung des RKI).

Die Koordinierungsgruppe könnte ein Ort der Abstimmung sein. Rund um die Uhr stehen dafür im Bundesinnenministerium sogar eigene Diensträume zur Verfügung. Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Christoph Unger, schlägt die Einberufung der Koordinierungsgruppe gleich in der ersten Sitzung des Krisenstabes vor. Aber sein Vorschlag wird nicht einmal diskutiert. Man will sich keinen Unterbau schaffen. (S. 48)

Von der ersten Sitzung des Krisenstabes existiert ein Protokoll, es ist fünf Seiten lang und als Verschlusssache eingestuft. (S. 49)

Vier Seiten nicht fünf. Das steht zwar sogar falsch auf dem Protokoll mit 3 Seiten, es sind aber vier Seiten.17

26.02.2020:

RKI hat die Risikoeinschätzung für DEU am 26. Februar 2020 von „gering“ auf „gering bis mäßig“ angehoben.

BMG teilt mit, es handele sich um eine „dynamische Lage“, so dass sich die Risikoeinschätzung jederzeit ändern könne. Eine Entspannung der Lage in den nächsten Wochen sei nicht erwartbar.

BMG betont die Dringlichkeit der Entwicklung eines Pilot-Impfstoffes und die Bevorratung mit medizinischer Schutzausstattung; Kapazitäten für die Testung des Virus seien ausreichend vorhanden, derzeit kein Engpass zu erwarten.

BMG teilt mit, dass sich die Teilnehmer der Konferenz einig wa- ren, dass Grenzschließungen zur Eindämmung des Virus derzeit unverhältnismäßig wären. Vereinbart wurden weitere Konsultationen auf Ministerebene. Die Absage geplanter Großveranstaltungen müsse jeweils im Einzelfall geprüft werden.

Diejenigen, die jetzt buchstäblich über das Schicksal eines Landes zu entscheiden haben, über Leben und Tod, wird es an die Grenzen von Physis und Psyche führen. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat nächtelang »schwere Träume«. Ihr niedersächsischer Kollege Stephan Weil sagt: »Ich habe noch nie in meinem Leben Verantwortung so körperlich gespürt.«

Manche Spitzenpolitiker müssen – wie so viele andere auch – um das Leben ihrer Nächsten fürchten. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier etwa: Nachdem er ihr 2010 eine Niere gespendet hat, lebt seine Ehefrau Elke Büdenbender mit einem reduzierten Immunsystem. Sie gehört damit zu einer Risikogruppe. Er muss am Anfang üben, Menschen nicht mehr automatisch die Hand zu geben oder Vertraute zu umarmen.

Stephan Weil wiederum hört jeden Tag, wie lebensgefährlich dieses Virus sein kann. Der Bruder seiner Sprecherin, ein eigentlich topfitter Sportler, kämpft nach der Rückkehr aus dem österreichischen Skiort Ischgl mit dem Virus. Es geht ihm zwischenzeitlich sehr schlecht.

In der Staatskanzlei in Mecklenburg-Vorpommern hat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bereits vor Monaten ein »Knuddelverbot« erlassen. Abstand halten und häufiges Händewaschen sind für die an Brustkrebs erkrankte SPD-Politikerin und ihre Mitarbeiter unbedingte Pflicht. In Schwerin, so könnte man sagen, gilt Sozialdistanz schon länger als neues Normal.

Und da ist Innenminister Horst Seehofer, der 2002 monatelang unter einer viralen Entzündung des Herzmuskels litt und immer »furchtbare Angst vor den Ultraschallbildern« hatte, wie er einmal dem Spiegel anvertraute. Oft wiederholt er diese Sätze: »Der gesunde Mensch hat viele Wünsche. Der Kranke hat nur einen.« Auch aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen mit einem Virus, diesem Ausgeliefertsein, wird Seehofer eine harte Linie vertreten und radikale Entscheidungen einfordern: »Ein bisschen weiße Salbe, Trösten und Zuversicht helfen nicht.« (S. 13 f)

Einige der Spitzenpolitiker scheinen wirklich an ein gefährliches Virus geglaubt zu haben. Diese Politiker haben unter Angst politische Entscheidungen getroffen. Ob das der richtige Gemütszustand ist, um solche weitreichenden Entscheidungen zu treffen?

Unter akuter Angst getroffene Entscheidungen sind psychologisch und neurobiologisch stark fehleranfällig, da das Gehirn in den Überlebensmodus schaltet. Eine fundierte Einschätzung zeigt, dass Angst den Blick verengt, Risiken drastisch überbewertet und oft zu Kurzschlusshandlungen, Vermeidung oder vollständiger Blockade führt. Das ist die Sache mit dem schnell und langsam denken von Daniel Kahnemans. Unser Gehirn arbeitet mit zwei Systemen: dem schnellen System 1 und dem langsamen System 2.

System 1 (Schnell): Arbeitet automatisch, intuitiv, unbewusst und emotional. Es steuert alltägliche Reaktionen, verbraucht kaum Energie, ist aber oft voreilig und fehleranfällig.

System 2 (Langsam): Ist bewusst, anstrengend, logisch und rechnet Schritt für Schritt.

Bei einigen Politiker hat wohl System 1 entschieden.

Nicht vergessen, Krisen sind immer auch eine Stunde der Exekutive! (S. 13)

Die politische Exekutive (Regierung und Verwaltung) nutzt idealerweise System 2, wird in der Realität aber massiv von System 1 dominiert.

Obwohl staatliche Institutionen für langsames, rationales Abwägen gebaut sind, zwingt der politische Alltag Akteure oft zu schnellen, intuitiven Reaktionen.

Im März 2020 trafen Regierungen innerhalb weniger Tage weitreichende Entscheidungen. Die Politik reagierte stark auf die emotionalen und drastischen Bilder aus Bergamo oder Wuhan. Die psychologischen, wirtschaftlichen und sozialen Spätfolgen wurden in den ersten Wochen weitgehend ausgeblendet (Kahnemans Prinzip: „What you see is all there is“ – Was du siehst, ist alles, was zählt).

Wenn Politiker und ihre Spitzenbeamten jetzt neben ständigen Krisensitzungen und einer endlosen Flut von Telefon- und Videokonferenzen noch Zeit zum Joggen finden, hören sie dabei den Podcast eines bis dahin nur der Fachöffentlichkeit bekannten Virologen namens Christian Drosten. (S. 13)

»Aber der Drosten sagt« – diese vier Wörter werden in den kommenden Monaten in vielen entscheidenden Diskussionen eine besondere Rolle spielen. (S. 15)

Ich weiß nicht, ob sich Macolo dessen bewusst ist, er beschreibt jedoch, wie man in Rosenheim Menschen durch Beatmung getötet hat, weil Beatmung so ziemlich das Dümmste ist, machen kann, wenn jemand Corona hat. So wurden durch Fehlbehandlung angebliche Coronatote erzeugt.

Auf einmal ist sie da, die COVID-19-Welle, und in Rosenheim gleicht sie eher einem Tsunami. Am 2. März haben sie den ersten Infizierten in der Rosenheimer Klinik registriert, einen 55-jährigen Reiserückkehrer aus Tirol. (S. 133)

179 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchlaufen Crashkurse in Intensiv und Beatmungsmedizin. (S. 135)

Über einen Freund findet Deerberg Wittram einen Medizininformatiker, der rechnet ihm zwei Modelle hoch: Falls die mittlerweile verordneten Lockdown-Maßnahmen nicht greifen, so »Szenario eins«, benötigt Deerberg-Wittram zum errechneten Höhepunkt der Welle Ende April 200 Beatmungsbetten. In seinen vier Kliniken stehen insgesamt: 39 (S. 135)

Am 9. Juli sind in Stadt und Landkreis Rosenheim 222 Menschen an COVID-19 gestorben. Damit zählt allein der Kreis Rosenheim mehr Todesopfer als die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen zusammen. (S. 136)

126 Erkrankte benötigen intensivmedizinische Betreuung, fast alle über Wochen, jeder zweite muss künstlich beatmet werden. 143 Patienten sterben. Mehr Verdichtung geht kaum. Und doch: Die Rosenheimer Ärzte lernen das Management einer Pandemie. (S. 137)

Jeder zweite Patient unter künstlicher Beatmung stirbt. (S. 137)

Seriell, hintereinander zu Tode beatmet?! Versteht Mascolo eigentlich, was er da schreibt? Er beschreibt hier Fehlbehandlung in Rosenheim im großen Stil.

Dass ECMO und Beatmung das Dümmste war, was man machen konnte, wusste das RKI übrigens bereits am 10.02.2020: „[…] zwei der deutschen Patienten hatten Lungenentzündungen im Zuge einer sekundären Verschlechterung, typisch für SARS und Mers-CoV: beidseitige Pneumonie T-Zellen-vermittelte hyperallergische Reaktion an Tag 7-10, […].“

Was genau bringt Beatmen bei einer Allergie? Ich frag nur für einen Freund. Mir ist nicht bekannt, das Asthmatiker beatmet würden.

Beatmung und ECMO ist so ziemlich das Dümmste, was man bei COVID machen kann und das wurde schon sehr früh veröffentlicht. Man hat die Menschen zu Tode beatmet und das war Lehrbuchwissen und keine Raketenwissenschaft18 19 20 Irgendwie hat man viele Dinge, die vor der P(l)andemie Lehrbuchwissen waren, plötzlich zwischen 2020 und 2023 vergessen.

In ersten Protokollen des Krisenstabes Anfang März wurden die »Mindestbeschaffungsvolumina« für Masken und Schutzkleidung noch mit 200 Millionen Euro berechnet. (S. 73)

Das zeigt, dass Mascolo tatsächlich Zugang zu den Protokollen hatte, die lange geheim waren.

Am 4. März trägt RKI-Präsident Wieler im Kabinett vor. Dieses Virus könne jeden treffen, erläutert er, ob arm oder reich, ob jung oder alt, ob Mann oder Frau. Es sei auf keine Region beschränkt. Und werde am Ende 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung infiziert haben. Wieler nennt SARS-CoV-2 ein »demokratisches Virus«. Als er endet, schweigt die Runde betreten. (S. 53)

Am Abend des 11. März hat Horst Seehofer zwei Gäste zu einer bayerischen Brotzeit mit Brezeln und Obatzter in sein Ministerium eingeladen, RKI-Präsident Lothar Wieler und Christian Drosten von der Charité. In einem Vermerk wird der Verlauf des Gesprächs so beschrieben: Beide Professoren hätten vor einer Überforderung des Gesundheitssystems gewarnt. Drosten wird nach dem »Worst-Case Szenario« gefragt. Seine Antwort laut Vermerk: »Ohne nicht pharmazeutische Interventionen könne es im August 2020 15 Millionen Infizierte in D geben, davon 2 Prozent in Intensivbetreuung, d. h. im Juli/August ein Bedarf von tagesdurchschnittlich 33 000 Beatmungsbetten, derzeit habe man aber nur 5000 Beatmungsbetten frei. Es drohe dann eine hohe Sterblichkeit. Corona ist eine Krankheit, wie sie die Bundesrepublik noch nicht erlebt hat.« Es ist die nüchtern formulierte Ankündigung eines möglichen Massensterbens. Wieler, so steht es in dem Vermerk, habe allen Aussagen Drostens zugestimmt. (S. 55)

Soll man etwa Grenzen schließen, das ganze Land in eine Festung verwandeln? »Zu spät, Virus schon da«, habe Drosten laut Gesprächsvermerk geantwortet. […] »Frostig« sei die Atmosphäre zwischen Seehofer und Drosten gewesen, erinnert sich einer der Teilnehmer. Diese Sitzung wird die Grundlage dafür legen, dass der Politiker Seehofer dem Wissenschaftler Drosten fortan mit Skepsis begegnen wird. Und dies andere in der Regierung auch wissen lässt. (S. 56)

Auf der anderen Seite sehen die Pandemiepläne durchaus Schulschließungen vor – aber das ihnen zugrunde liegende Szenario betrifft die Grippe. Da gelten Kinder als echte Infektionstreiber. Über SARS-CoV-2 aber weiß man sehr wenig. Nach Erinnerung von Teilnehmern spricht sich Drosten an diesem Abend im Innenministerium gegen Schulschließungen aus. (S. 56 f)

Doch über Nacht, so berichtete es später der Spiegel, habe der Virologe seine Meinung revidiert und sich nur einen Tag später während der entscheidenden Sitzung der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit Merkel im Kanzleramt für die Schließung der Schulen ausgesprochen. Er habe aufgrund seines großen Einflusses »aber der Drosten sagt« – letztlich dafür gesorgt. (S. 57)

Am 11. März erreicht Fiege eine Anfrage aus dem Gesundheitsministerium. Ob die Firma für Transport und Verteilung der Lieferungen sorgen kann? Fiege kann. Die Vergabe des Großauftrags Ende März erfolgt aufgrund der außergewöhnlichen Notsituation ohne Ausschreibung. (S. 73)

Die WHO erklärte am 11. März Sars-CoV-2 zu Pandemie.

Im Kanzleramt tritt ein Pandemie-Stufenplan in Kraft. Auf der Führungsebene gilt das Teamprinzip: Wenn die einen arbeiten, bleiben die anderen zu Hause. (S.52)

Mascolo benennt kein Datum, aber das Datum lässt sich online herausfinden. Diese Zustand herrschte im Kanzleramt vom 12. bis 16. März 2020.

Folgt man den Schilderungen einiger Teilnehmer der Sitzung im großen Konferenzsaal des Bundeskanzleramtes, basiert dieser Beschluss (Schulen zu schließen) im Wesentlichen auf den Einschätzungen der teilnehmenden Wissenschaftler, allen voran Christian Drosten. Neben ihm sind auch Wieler und Heyo Kroemer geladen, Vorstandsvorsitzender der Berliner Charité. Es wird eine gespenstische Debatte, dramatisch, in Teilen wie aus einem dystopischen Roman. Drosten berichtet über die eskalierende Lage in Italien, erklärt die Bilder aus den dortigen Intensivstationen. Wenn die Patienten während der künstlichen Beatmung auf dem Bauch liegen, kann eine bessere Sauerstoffversorgung erreicht werden. Die Menschen sind lebensgefährlich erkrankt. Wieler hat ein Rechenmodell mitgebracht. Es stammt von Matthias an der Heiden aus der Abteilung für Infektionsepidemiologie des RKI. Unter der Überschrift »Modellierung von Beispielszenarien der SARS CoV-2-Epidemie 2020 in Deutschland« wurden mögliche Verläufe berechnet. Die Parameter des Modells basieren vor allem auf Daten aus der südchinesischen Metropole Shenzhen. (S. 58 f)

Dr. Matthias an der Heiden ist der leitende Mathematiker und Statistiker des Robert Koch-Instituts (RKI), dessen mathematische Modellierungen in den ungeschwärzten RKI-Protokollen und Berichten von Medien wie NIUS intensiv thematisiert wurden.

Bereits am 20. März 2020 veröffentlichte er gemeinsam mit Udo Buchholz die fundamentale Modellierung von Beispielszenarien der SARS-CoV-2-Ausbreitung. Dieses Papier prognostizierte dramatische Infektionswellen und eine Überlastung des Gesundheitssystems, falls keine Gegenmaßnahmen ergriffen würden. 21

Noch während der Sitzung beginnen die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten zu rechnen. Zahlen fliegen durch den Raum, man rechnet sich gegenseitig vor, was drohen könnte. (S. 58)

Noch während der Sitzung wendet er (Bodo Ramelow) das Rechenmodell auf sein Bundesland an. Er kommt auf eine Zahl von bis zu 60 000 Schwersterkrankten in Thüringen, viele von ihnen müssten auf die Intensivstation. In seinem Bundesland stehen aber nur rund 950 Intensivbetten zur Verfügung, kurzfristig beschaffbar sind vielleicht noch 450 zusätzliche Betten. »Ich habe Wieler gefragt, ob ich richtig gerechnet habe. Und Wieler sagte, ja, davon könne ich ausgehen.« Die Kanzlerin verabschiedet die Wissenschaftler in ihrer knappen Art: »Sie haben genug zu tun.« (S. 59 f)

»Die Situation am 12. März war wirklich bizarr«, beschrieb Ramelow diese Sitzung später in einem Interview mit der Zeit. »Noch auf der Fahrt nach Berlin war ich der felsenfesten Überzeugung, die Schulen in Thüringen nicht zu schließen. Und dann saß ich im Kanzleramt mit Angela Merkel, den anderen Ministerpräsidenten, dem Chef des Robert Koch-Instituts, dem Virologen Christian Drosten und dem Leiter der Berliner Charité. Wir fragten den Wissenschaftlern Löcher in den Bauch. Und mit jeder Antwort dämmerte mir mehr und mehr: Wir sind hier in einen Sturm geraten, den keiner von uns so zuvor erlebt hat. Und dann haben wir eben entschieden, wie wir meinten, entscheiden zu müssen.« Die Faktenlage unklar, man habe sich kaum beraten können, musste schnell handeln. Ja, sagte Ramelow, auch er habe bis zu einem gewissen Grad eine »Bauchentscheidung« getroffen. Er fährt zurück nach Erfurt; dort muss man erst einmal nachsehen, wie man eine Notverordnung erlässt. »Und über allem stand für mich jetzt die Frage, wie man mehr Intensivbetten organisieren kann.« Für alle Fälle lässt Ramelow auch prüfen, wie groß die Kapazitäten der Krematorien in Thüringen sind.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer erinnert die Sitzung so: »Keiner von uns konnte absolut sicher sein. Wir hatten einen Mordsrespekt vor den anstehenden Entscheidungen. Das Gefühl großer Sorge und Angst war sehr stark ausgeprägt. Am Ende aber waren wir überzeugt.«

Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg Vorpommern, wird später im Jahr in einer Schalte mit der Kanzlerin und ihren Kolleginnen und Kollegen sagen: »Christian Drosten hat uns die Schulschließungen empfohlen Niemand wird ihr widersprechen. Seehofer wird im Juni im Innenausschuss des Bundestages zu Protokoll geben: »Ich werde nie vergessen, wie die zwei namhaftesten Virologen bei mir im Hause waren mit allen Spezialisten, die wir im Hause haben, und die These vertreten haben: Schulschließung ist gefährlich. Am nächsten Tag in der Ministerpräsidentenkonferenz: Schulschließung muss stattfinden. Ich meine, das war ja nicht irgendeine Konferenz. Und zwar wirklich am nächsten Tag.« Christian Drosten hat die Geschichte später in seinem Podcast erneut aufgegriffen. Danach habe die Politik genau das Gegenteil dessen gemacht, was die Wissenschaftler der Runde empfohlen hätten Schließung der Schulen nur dort, wo das Infektionsgeschehen hoch sei. »Danach sind wir rausgegangen aus der Sitzung, und die Politik hat daraus einen deutschlandweiten Schulschluss gemacht.« Weiter sagte er: »Und das wurde am Ende den Wissenschaftlern zugeschrieben, was nicht stimmt.« (S. 60 f)

Noch an diesem schicksalhaften 12. März weisen hochrangige Regierungsbeamte im Gespräch darauf hin, dass doch niemand beurteilen könne, was nun angemessen und notwendig sei. Einer von ihnen vermutet sogar: Die Virologen hätten das Virus anfangs unterschätzt. Jetzt würden sie »überkompensieren«. Der einst für die Seuchenbekämpfung in Bayern zuständige pensionierte Regierungsdirektor und Kommentator des Infektionsschutzgesetzes Helmut Erdle spricht es am Telefon offen aus: »Das ist alles völlig überzogen. Wir schaden der Wirtschaft massiv, dabei ist dieses Virus nicht gefährlicher als Pandemien, die wir bereits überstanden haben.« (S. 61)

Von der Leyen handelt auch, weil sie kurz zuvor einen Anruf eines alten Bekannten erhalten hat. Victor Dzau, Präsident der Nationalen Akademie für Medizin der USA, hatte sich gemeldet. Die beiden kennen sich aus dem kalifornischen Stanford, an der Universität hatte von der Leyens Ehemann mit Dzau früher an gemeinsamen Forschungsprojekten gearbeitet. Jetzt bittet Dzau die EU Kommissionspräsidentin um Solidarität und finanzielle Unterstützung zur Bewältigung der Pandemie. (S. 153)

Mascolo nennt keinen Namen, aber aufgrund eines Spiegel Artikels kann man das Datum auf den 12. März festsetzen: “Die Initiative startete am 12. März mit einem Anruf von US-Mediziner Dzau bei von der Leyen.”22

In von der Leyens Presseerklärung der EU-Kommission vom 4. Mai 2020 erinnerte sie sich öffentlich an diesen Moment: „I still remember the day in mid-March, when I got a phone call from my friend Victor Dzau [...] He convinced me of the need for Europe to take a leading role in this initiative.“23

Der von Dzau am 12. März 2020 angestoßene Impuls mündete am 4. Mai 2020 in die weltweite Online-Geberkonferenz “Coronavirus Global Response”, die von der EU-Kommission gemeinsam mit Partnern wie der WHO, Deutschland, Frankreich und Großbritannien organisiert wurde.

Internationale Regierungen, Philanthropen und Organisationen sagten globale Zusagen in Höhe von 7,4 Milliarden Euro zu.24 25 26 In späteren Folgerunden stieg dieser Betrag auf fast 16 Milliarden Euro an.27 28

Das gesammelte Geld floss direkt in die beschleunigte Entwicklung, Produktion und gerechte Verteilung von COVID-19-Impfstoffen, Diagnostika und Therapeutika .

Maßgebliche Profiteure dieser Initiative waren globale Impfstoffallianzen wie CEPI (Coalition for Epidemic Preparedness Innovations) und Gavi, welche die finanzielle Grundlage für die spätere weltweite COVAX-Initiative legten, um auch ärmeren Ländern Zugang zu Impfstoffen zu sichern.29

Deutschland: Sagte einen Betrag von 525 Millionen Euro zu.30 31

Und doch wird in diesen ersten Märztagen Unsicherheit und Sorge, gar Angst spürbar, wenn man am Abend mit den von endlosen Telefonschalten und Videokonferenzen erschöpften Politikern spricht. Oft beginnen die Gespräche mit langen Pausen. Der nordrhein westfälische Innenminister Herbert Reul sagt: »Ich rette mich durch die Tage. Manchmal denke ich, das wird schon werden. Dann denke ich wieder das Gegenteil.« Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil räsoniert über die Geschwindigkeit, mit der das Virus jetzt jede Entscheidung bestimmt: »Hätte man noch vor Kurzem auch nur öffentlich über Kontaktverbote nachgedacht, wäre man wohl zum Arzt geschickt worden.« Andere geben sich gelassener, fühlen sich gar im Vorteil. Sie hatten die Finanzkrise 2008 oder den Flüchtlingsstrom des Jahres 2015 erlebt, durchstanden. Sie berichten von dem Schock, der Erfahrung einer einstürzenden Welt. Wie es ist, wenn auf einmal nichts mehr so ist, wie es war. Und es dann doch wieder normal weitergeht. Scheinbar zumindest. Am Telefon ist auch Wolfgang Schäuble. […] Und doch klingt er besorgt: »So etwas haben wir in unseren Lebzeiten noch nicht gehabt.« Schäuble hat einen Brief an die Fraktionsvorsitzenden des Bundestages geschrieben. Obwohl als Sofortmaßnahme das Abgeordnetenquorum für die Beschlussfähigkeit des Deutschen Bundestages schon von 50 auf 25 Prozent gesenkt worden ist, drängt er die Fraktionen, über die Einrichtung eines »Gemeinsamen Ausschusses« nachzudenken. Ein Notparlament, wie es das Grundgesetz nur für den Kriegsfall vorsieht. Die Parteien haben abgelehnt. Man wollte auf keinen Fall den Eindruck vermitteln, das Parlament sei nicht mehr entscheidungsfähig. Schäuble fühlt sich missverstanden. Es gehe doch nur darum, für den Ernstfall die Handlungsfähigkeit des Parlaments zu gewährleisten: »Wenn alle Stricke reißen, müssen wir auch handeln können, ohne Hunderte Abgeordnete nach Berlin zu fliegen.« Auf keinen Fall dürfe dieses Virus die parlamentarische Demokratie außer Kraft setzen.

Die Datierung erfolgte anhand der Idee des Notparlaments, welches laut KI am 13. März 2020 beschlossen werden sollte. Wann die Gespräche stattfanden ist nicht zu klären. Ich habe den Abschnitt einfach beisammen gelassen.

Am 13. März treten Olaf Scholz und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier vor die Bundespressekonferenz. Der sonst so nüchtern auftretende Scholz wirkt regelrecht aufgekratzt. »Es ist die Bazooka, mit der wir jetzt das Notwendige tun«, sagt der Finanzminister über das deutsche Hilfspaket. Die KfW soll mit großzügiger Kreditvergabe einspringen. Das Wort »Bazooka« ist ihm kurz vorher eingefallen, aber die militärischen Metaphern scheinen ihm zu gefallen. So fügt er hinzu, notfalls werde man nachbessern: »Und was wir dann noch an Kleinwaffen brauchen, das gucken wir später.« (S. 159 f)

Überall in den Ministerien spricht man jetzt von »The Hammer and the Dance«, der tastenden Öffnung nach der Schließung. Der Hammer und der Tanz: Diese Metapher hatte sich der Ingenieur und Unternehmer Tomás Pueyo überlegt, Puyeo ist weder Arzt noch Wissenschaftler. Aber Anfang März hatte er einige fundiert recherchierte Artikel über die Politik der Pandemie auf der Onlineplattform medium.com veröffentlicht, darunter auch »The Hammer and the Dance«: Auf die anfänglich aggressive, hammerharte Eindämmung des Virus könne vielleicht vorsichtige, tanzende Öffnung erfolgen – damit durch den Hammer nicht alles zu Bruch gehe. (S. 160)

Hier das unwissenschaftliche, unfundierte Dokument, auf dem die Politiker ihre Politik aufbauten: Coronavirus: The Hammer and the Dance | by Tomas Pueyo | Medium. Vielleicht sprangen sie darauf an, weil ein Fachfremder ohne Ahnung fachfremde ohne Ahnung didaktisch da abholte, wo sie in ihrem Nichtwissen standen.

Die Metapher suggerierte, man könne das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben wie mit einem präzisen Mischpult steuern („der Tanz“). Das Virus hielt sich nicht an die sauberen mathematischen Modelle eines IT-Managers. Die Realität des „Tanzes“ war für die Bevölkerung oft ein zermürbendes, unvorhersehbares Vor und Zurück.

Die Metapher manipulierte Politiker linguistisch genauso, wie sie später die Bevölkerung manipulierten, denn das haben rhetorische Mittel leider an sich, wenn man sie nicht bewusst dekodiert.

Wenn wir poetische Sprache, Metaphern oder politisches Framing verarbeiten, springt das Gehirn von der “Datenkompression” (den oben genannten 7-10 Chunks) in ein globales, assoziatives Netzwerk. Nackte Daten aktivieren primär die klassischen Sprachzentren (Broca- und Wernicke-Areal). Das Gehirn arbeitet rein analytisch, decodiert Syntax und Semantik und legt die Information im Arbeitsgedächtnis ab. Metaphern und emotionale Sprache aktivieren das gesamte Gehirn.

Politisches Framing und Poesie nutzen das neuronale Prinzip: “Neurons that fire together, wire together” (Hebb’sche Lernregel). Bilder und Emotionen docken direkt an das Langzeit- und Erfahrungsgedächtnis an. Das Gehirn muss keine unzusammenhängenden Einheiten zählen, sondern erlebt ein einziges, komplexes Gefühlskonstrukt. Das spart kognitive Energie im Arbeitsgedächtnis.32 33 34

veröffentlichen Bund und Länder am 16. März ihre »Leitlinien zum einheitlichen Vorgehen zur weiteren Beschränkung von sozialen Kontakten im öffentlichen Bereich«. Es ist der formale Beschluss eines landesweiten Lockdowns. […] Spahn hat noch am Morgen in interner Runde argumentiert, dies sei »das schärfste Schwert«, man solle doch erst einmal abwarten, ob diese Maßnahmen überhaupt notwendig seien. Kanzleramtsminister Braun wird es so sagen: Man behalte sich noch »Reserven« vor, schwerwiegende Maßnahmen wie Ausgangssperren.(S. 62)

Zu denen, die den Lockdown anfangs unterstützen, gehört Dieter Kempf, zu diesem Zeitpunkt Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. (S. 162)

Am Mittwoch, dem 18. März, meldet das RKI 8198 laborbestätigte Infektionen und 12 Todesfälle. »Die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland wird derzeit insgesamt als hoch eingeschätzt«, heißt es im Lagebericht. (S. 64)

Innenminister Horst Seehofer jedenfalls möchte das Schlimmste denken lassen. Eine kleine, diskret tagende Arbeitsgruppe unter seinem Staatssekretär Markus Kerber soll die Frage klären, wann »aus einer Gesundheits- eine Krise des Gesamtsystems wird«. Ob Szenarien denkbar seien, »aus denen ein Zusammenbruch der inneren Ordnung erwächst und wie dieser verhindert werden kann«. Seehofer persönlich hat den Auftrag noch am Tag der Kanzlerin-Rede formuliert. Kerber selbst beschreibt ihn in einer internen Runde so: »Sind wir wie die DDR am 10. November 1989?« Viel mehr Untergang geht eigentlich nicht. […] In der Regierung verbreiten sich schnell Gerüchte über Kerbers Aktivitäten – die Gruppe bekommt auch einen Spitznamen: »Arbeitsgruppe Schwarzer Schwan«. Eines der Szenarien in dem nur Tage später vorliegenden 17-seitigen, ursprünglich als Verschlusssache eingestuften Bericht trägt die Überschrift »Abgrund«. Bei einer ungebremsten Verbreitung des Virus müssten über 80 Prozent der Patienten, die einer Intensivbehandlung bedürften, von den Krankenhäusern dann »mangels Kapazitäten« abgewiesen werden. »In diesem Szenario wäre mit mehr als einer Million Todesfälle zu rechnen.« Seehofer möchte diesen Horror ganz offen kommunizieren. Man müsse weg von einer »Verharmlosung der Epidemie«, heißt es in dem Papier: »Um die gesellschaftlichen Durchhaltekräfte zu mobilisieren, ist das Verschweigen des Worst Case keine Option.« Zu den Empfehlungen des Papiers gehört sogar, man solle auf die »Urangst« des Menschen vor dem Ersticken hinweisen. Und Kinder könnten traumatisiert werden, weil schon ein vergessenes Händewaschen zu einer Mitschuld am »qualvollen« Sterben eines Elternteils führen könne. Darüber hinaus solle »historisch« argumentiert werden: 2019 = 1919 plus 1929. Will heißen: SARS-CoV-2 = Spanische Grippe plus Weltwirtschaftskrise. Als ob sich zwei der größten Katastrophen des vergangenen Jahrhunderts jetzt zu einer einzigen Megakatastrophe vereinten. Ja, die Menschen sollen Angst bekommen. Das Papier wird sofort öffentlich. Es löst einen mittleren Aufstand aus. Zwar hat Seehofer die Kanzlerin und einige Kabinettskollegen informiert. Aber nicht alle. Wütend ruft Gesundheitsminister Spahn bei Kerber an. Auch das Kanzleramt weist Seehofer zurecht: Angstszenarien dieser Art sind keine politische Option. Ja, man sei darauf angewiesen, dass die Menschen diese Pandemie ernst nähmen und ihr Verhalten änderten. (S. 66 f)

Die Arbeit dieser Ad-hoc-Gruppe mündete direkt in das berühmt-berüchtigte, interne Strategiepapier mit dem Titel „Wie wir COVID-19 unter Kontrolle bekommen“ (später in den Medien oft als „Panikpapier“ oder „Schock-Papier“ bezeichnet).

Die informelle Expertengruppe, die auf Initiative von BMI-Staatssekretär Markus Kerber zusammenkam und das Strategiepapier „Wie wir COVID-19 unter Kontrolle bekommen“35 verfasste, bestand aus einer Reihe namhafter Wissenschaftler verschiedener Disziplinen.

Über parlamentarische Anfragen (wie der Bundestags-Drucksache 19/20301)36 sowie die spätere Aufarbeitung wurden die folgenden Kernmitglieder und Autoren offiziell bestätigt.

Die externen Professoren und Wissenschaftler

  • Prof. Dr. Heinz Bude (Soziologe): Der Professor für Makrosoziologie an der Universität Kassel war eine treibende Kraft für den kommunikativen Teil des Papiers. Er reflektierte seine Rolle später öffentlich in Aufsätzen (u.a. „Aus dem Maschinenraum der Beratung“) und erklärte, wie die Gruppe versuchte, eine gesellschaftliche „Schockwirkung“ zu erzielen, um kollektive Entschlossenheit zu erzeugen.

  • Prof. Dr. Boris Augurzky (Gesundheitsökonom): Leiter des Kompetenzbereichs „Gesundheit“ am RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen und Experte für Krankenhausstrukturen.

  • Prof. Dr. Roland Döhrn (Wirtschaftswissenschaftler): Ebenfalls vom RWI Essen; er brachte makroökonomische Expertise ein, um die wirtschaftlichen Folgen massiver Lockdowns im Vergleich zu einer ungebremsten Pandemie abzuwägen.

  • Prof. Dr. Hubertus Bardt (Wirtschaftswissenschaftler): Geschäftsführer und Leiter des Wissenschaftsbereichs am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln.

  • Prof. Dr. Michael Hüther (Wirtschaftswissenschaftler): Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, der die volkswirtschaftlichen Dimensionen des Krisenszenarios bewertete.

  • Otto Kölbl (Sprachwissenschaftler): Ein österreichischer Germanistik-Doktorand der Universität Lausanne. Seine Berufung in die Gruppe sorgte später für erhebliche Medienberichte (u.a. in DIE WELT), da er zuvor keine epidemiologische oder medizinische Ausbildung besaß, sich jedoch intensiv mit den drakonischen Eindämmungsmaßnahmen im chinesischen Wuhan auseinandergesetzt hatte und Kernpassagen des Papiers formulierte.

  • Dr. Matthias an der Heiden (Mathematiker/Statistiker): Modellierer des Robert Koch-Instituts (RKI), der die mathematischen Kurven und das hypothetische „Szenario 1“ mit über einer Million potenzieller Todesopfer berechnete.

  • Markus Kerber (BMI): Der damalige Staatssekretär im Bundesinnenministerium koordinierte die Arbeitsgruppe im Auftrag von Innenminister Horst Seehofer und wählte die Wissenschaftler gezielt Ad-hoc aus.

Stephan Kohn war als Oberregierungsrat im Referat KM 4 (Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz) und Seehofer unter geordnet. Er folgte nur dem Aufruf seines Vorgesetzten und verfasste eine über 80-seitige, extrem detaillierte Analyse, in welcher er er vor Schäden des Lockdowns warnte. Er bezeichnete das Infektionsgeschehen als „Fehlalarm“.37 38

Am 20. März lässt sich Angela Merkel gegen 16 Uhr von einem ihr vertrauten Arzt gegen Pneumokokken impfen. Als Schutz gegen bakterielle Lungenentzündungen wird die Impfung für alle Menschen über 60 Jahre empfohlen; in diesen Zeiten sowieso. Merkels Arzt trägt Handschuhe und Mundschutz, hält Abstand. Einmal nur, als er ihr die Spritze in den Oberarm setzt, kommt er ihr nah. Zwei Tage später ein eiliger Anruf, Braun stellt ihn durch. Der Arzt ist positiv auf Corona getestet worden. Die Kanzlerin muss in Quarantäne. »Sie hat sich total erschrocken«, erinnert sich ein Zeuge. Sie gibt letzte Anweisungen, fährt umgehend nach Hause. Als sie das Büro verlassen hat, holt der Kanzleramtsminister eine Flasche Desinfektionsmittel und wischt persönlich die Türklinken ab. (S. 67 f)

Im Bericht der deutschen Katastrophenmediziner aber ist auch zu lesen, dass seit dem 21. März in Straßburg Patienten über 80 Jahre prinzipiell nicht mehr beatmet würden: »Stattdessen Sterbebegleitung durch Opiate und Schlafmittel.« (S. 69)

Hier steht im Klartext, dass man Menschen, denen man nur Corticosteroide und Antihistaminika hätte geben müssen39, mit Opiaten und Schlafmitteln durch Atemlähmung umgebracht hat, um Coronatote zu erzeugen.40

Während einer internen Besprechung sagt Lothar Wieler, davor habe er Angst. Triage – das halte die Gesellschaft nicht aus. (S. 70)

Früh gibt sich die Regierung eine neue Entscheidungsstruktur für die Krise, ein Machtzentrum jenseits des Krisenstabes: das »Corona Kabinett«. Arbeitspläne und Abläufe werden erstellt. Es tagt jetzt montags mit Kanzlerin und den Ministern Scholz, Seehofer, Maas, Spahn und Kramp-Karrenbauer. Mittwochs kommt die gesamte Bundesregierung zusammen, die auch die Beschlussvorlagen des Corona-Kabinetts verabschieden muss. Von wachsender Bedeutung jetzt auch der Beschaffungsstab in Spahns Bundesgesundheitsministerium. (S. 70)

Das „Corona-Kabinett“ wurde offiziell am 26. März 2020 von der Bundesregierung ins Leben gerufen.

Die allererste, konstituierende Sitzung dieses neuen Machtzentrums unter der Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel fand am Montag, den 30. März 2020, in Berlin statt. In dieser Sitzung wurden die grundlegenden Arbeitspläne, Abläufe und strategischen Zuständigkeiten für die Krisenbewältigung formell beschlossen.

Die Existenz der nicht mehr existierenden Schutzkommission ist übrigens bis heute ausdrücklich gesetzlich vorgeschrieben, so steht es in Paragraf 19 des Zivilschutzgesetzes. Dabei gibt es in der Bundesregierung sehr wohl solche, die sich für biologische Bedrohungslagen interessieren. Etwa Angela Merkel. (S. 80)

Merkels damaliger Gesundheitsminister Hermann Gröhe wiederum machte »Global Health« zu seinem Thema, gute Gesundheitsfürsorge für alle Menschen. (S. 80 f)

Bill Gates war bei ihr zu Gast, er warb um Geld für GAVI, die von seiner Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung gegründete Impfallianz für Menschen in armen und ärmeren Ländern. (S. 81)

Es ist eine ebenso schlichte wie komplexe Erkenntnis: dass die Gesundheit des einen immer auch die Gesundheit des anderen ist. Vielleicht deswegen setzte Merkel das Thema »Global Health« trotz Murrens und Meckerns einiger Beteiligter auf die Agenda des G-7 Gipfels 2015 in Elmau. Im Vorfeld des G-20-Gipfels unter deutschem Vorsitz 2017 ließ sie die eigens eingeflogenen Gesundheitsminister eine Pandemie üben, auch dies eine Premiere. Erneut bedurfte es intensiver Überzeugungsarbeit und der persönlichen Intervention der Kanzlerin, damit sich die Vertreter der mächtigsten Industrienationen und Schwellenländer der Erde des Themas »globale Gesundheit« annahmen. (S. 81)

Wieler und Drosten kennen sich gut, Wieler war einer der Mitbegründer der deutschen Zoonosen Plattform, die über den Sprung der Viren vom Tier auf den Menschen aufklärt. Auch Drosten ist in ihr aktiv. (S. 163)

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Eurosurveillance editorial team. Editorial note: possible undisclosed conflict of interest. Euro Surveill. 2020 Jul;25(30):2007301. doi: 10.2807/1560-7917.ES.2020.25.30.2007301. PMID: 32734856; PMCID: PMC7393849. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7393849/

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Borger, P., Malhotra, R. K., Yeadon, M., Clare, C., McKernan, K., Steger, K., McSheehy, P., Angelova, L., Franchi, F., Binder, T., Ullrich, H., Ohashi, M., Scoglio, S., Marjolein, D. K., Gilbert, D., Klement, R. J., Schruefer, R., Pieksma, B. W., Bonte, J., . . . Kämmerer, U. (2021). Addendum - Corman Drosten Review report by an International Consortium of Scientists in Life Sciences (ICSLS). Zenodo (CERN European Organization for Nuclear Research). https://doi.org/10.5281/zenodo.4433502

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