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Dirk Darmstaedter · Jun 8, 2026

Trotzdem

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Dirk Darmstaedter · Dirk Darmstaedter

Ich weiß ja nicht, wie es euch so geht – und wie die Algorithmen euch so versorgen –, aber meine Social Feeds (Insta, Facebook etc.) sind zunehmend von zwei Dingen gefüllt:

  1. Einerseits Künstler, Musiker, Illustratoren, Autoren etc., die alle nicht mehr wissen, wie sie weitermachen sollen, wovon sie in Zukunft leben sollen, was das alles noch soll etc. Besonders mit der ganzen AI-Thematik. Hier scheint das Fass endgültig übergelaufen zu sein.

  2. Und dann eben speziell an uns Musiker gerichtet: lauter Wege und Möglichkeiten, wie man Spotify, YouTube etc. hacken, scammen, wie man auf Playlisten kommen kann, wie man Views generiert.

Jeden Tag gibt es neue Strategien. Gerade hatte ich von „SEO-Playlisting” gehört. Das geht so: Du suchst dir als Künstler – oder eben als AI-fabrizierter „Künstler” – einfach andere, bekannte Namen aus. Du baust zum Beispiel rund um einen Lady-Gaga-Song eine Playlist, packst deinen ganzen Shit mit rein und versiehst das Ganze mit passenden Keywords. So stößt der Lady-Gaga-Fan auf der Suche nach seiner Lady-Gaga-Playlist irgendwann auch auf deine Songs – und saved sie vielleicht gleich mit.

Und das macht man natürlich längst nicht mehr von Hand, sondern baut sich gleich einen Bot, der das 1.000-fach erledigt. Du hast dann am Tag nicht 10 Playlisten gebaut, sondern 10.000. In der Akkumulation ergeben sich daraus extrem höhere Streaming-Zahlen für deinen Act und deinen Song. Wirklich?

Und das ist nur eine von diesen Strategien, die mir ständig vorgeschlagen werden – neben den Agenturen, die anbieten, dich (für Geld natürlich) auf Playlisten zu bringen.

Wie geht man damit um? Wie gehe ich damit um?

Fuck that.

Mir ist es mittlerweile egal; ich gucke mir nicht mal mehr an, wie viele Streams ich gerade bei Spotify habe, et cetera, et cetera. Ich nehme meine Songs auf und veröffentliche sie – im vollen Wissen, dass das da draußen kaum noch jemand mitbekommt. Im vollen Wissen, dass die Industrie, das ganze System, die Algorithmen eigentlich dagegen arbeiten.

Das soll jetzt gar nicht negativ klingen. Es ist einfach ein bisschen der Zustand gerade. Und ich möchte mich auf die Dinge konzentrieren, auf die ich Einfluss habe.

Also: Wie geht man nun als Künstler damit um – als einer, der seine Seele und seine Gesundheit erhalten und vielleicht sogar noch ein kleines bisschen von Musik leben möchte?

my little Bandcamp Shop

In meinem Fall: Ich schreibe weiter Songs, veröffentliche sie und versuche, die Sachen über Bandcamp zu vertreiben. Ich spiele natürlich auch live – nicht mehr 70, 80 Konzerte im Jahr wie in früheren Zeiten, aber ich liebe eben den direkten Kontakt zu den Leuten am Merch-Stand. Und ich schreibe hier meinen Substack. Das finde ich sehr angenehm. Da hat man das Gefühl, dass man noch irgendwie durchkommt – jedenfalls zu den Leuten, die sich entschieden haben, hier dabei zu sein, und dass man nicht ganz auf die Algorithmen angewiesen ist.

Mir ist schon klar, dass ich durch Streaming kaum Geld verdienen werde und dass meine ganzen Veröffentlichungen – bis auf meine treue kleine Fangemeinde – auf taube Ohren stoßen. Sprich: dass kein Mensch je davon erfahren wird. Es werden ja täglich über 100.000 neue Stücke bei Spotify, Deezer & Co. hochgeladen – zunehmend AI-generiert (Deezer meldete zuletzt allein rund 50.000 reine AI-Tracks pro Tag), und bald wird das millionenfach sein. Man wirft seinen Song, sein Album also eigentlich in ein großes, großes schwarzes Loch.

Trotzdem. Es gilt: nicht verzagen, weitermachen, positiv bleiben, weiter an die Schönheit der Kunst glauben und sich nicht fertigmachen lassen. Das ist mein Credo – so weit meine Gedanken für heute.

Schön, dass ihr da seid. Bis bald!

D

Read the original on dirkdarmstaedter.substack.com

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