Herzlich willkommen in zur 49. Ausgabe des ‘CSRD Kompass’. Schön, dass du auch in 2026 weiter fleißig mitliest. Die Lesezeit beträgt ca. 5 Minuten. Ich freue mich über dein Feedback und Weiterempfehlungen.
Zu Beginn des Jahres lohnt sich eine ehrliche Standortbestimmung: Welche Ambition verfolgt dein Unternehmen beim Thema ESG? Und was heißt das fürs Reporting?
Durch die CSRD-Schwellenänderungen (siehe Spotlight unten) ist ESG-Reporting für die meisten keine automatische Pflicht mehr. Unternehmen müssen bewusst entscheiden, ob kein Bericht, VSME, ESRS Light oder ein vollständiger ESRS sinnvoll ist. Diese Entscheidung hängt in der Praxis weniger an formalen Pflichten als an der strategischen Rolle von ESG im Unternehmen.
Motto: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.
Ziel ist es, formal compliant zu sein und die verpflichtenden Stakeholder-Anforderungen zu erfüllen. Der Bericht erfüllt die regulatorischen Mindestanforderungen, ohne strategische Ambitionen oder kommunikative Extras. Fokus liegt auf Effizienz und Risikominimierung.
Typisch dafür:
Konzentration auf wesentliche Pflichtangaben
Keine oder sehr zurückhaltende Zielsetzungen
ESG-Bericht als notwendige Verwaltungsaufgabe
👉 Aufwand & Nutzen: Geringer Aufwand → kurzfristig effizient, strategisch begrenzt.
Motto: Ordentlich, nachvollziehbar und zukunftsfähig.
Ziel ist ein sauberer, strukturierter und belastbarer ESG-Bericht, der regulatorisch sicher ist und extern glaubwürdig wirkt; ohne die Organisation zu überfordern. Der Fokus liegt auf Klarheit, Konsistenz und einer stimmigen Story entlang der CSRD-Logik.
Typisch dafür:
Vollständige Erfüllung der ESRS- bzw. VSME-Anforderungen
Plausible Ziele und Maßnahmen, realistisch priorisiert
Gute Balance zwischen Aufwand, Tiefe und Verständlichkeit
👉 Aufwand & Nutzen: Mittlerer Aufwand –> für viele Unternehmen gut geeignet.
Motto: ESG ist Teil unserer Strategie.
ESG ist kein Compliance-Thema, sondern ein Werttreiber mit Geschäftsmodell-Relevanz. Der ESG-Bericht wird aktiv zur Positionierung genutzt – mit klaren Zielen, messbaren Fortschritten und transparenter Darstellung von Wirkung und Zielkonflikten.
Typisch dafür:
Ambitionierte Ziele & KPIs (auch über Mindestanforderungen hinaus)
Transparente Darstellung von Zielkonflikten und Fortschritten
ESG als Steuerungsinstrument, nicht nur als Reporting-Pflicht
👉 Aufwand & Nutzen: Sehr hoher Aufwand, aber mit strategischem Mehrwert.
Die folgende Übersicht zeigt die drei Ambitionsniveaus und macht sichtbar, wie stark Anspruch, Aufwand und Wirkung auseinanderliegen können.
Alle drei Ansätze sind legitim! Entscheidend ist, dass das Ambitionsniveau bewusst gewählt wird. Probleme entstehen meist dann, wenn Unternehmen wie „Impact Leader“ wirken wollen, aber nur „Compliance First“ umsetzen.
Eine klare Festlegung des Ambitionsniveaus hilft nicht nur bei der Wahl des passenden Reporting-Ansatzes, sondern auch bei der realistischen Planung von Ressourcen, Prozessen und Erwartungen.
👉 Unsicher beim Ambitionsniveau? Buchen ein kostenloses Orientierungsgespräch.
Wir unterstützen Unternehmen dabei, ihr ESG-Ambitionsniveau einzuordnen und daraus einen passenden Reporting- und Umsetzungsansatz abzuleiten.
Das Europäische Parlament hat Mitte Dezember den im Trilog ausgehandelten Kompromiss zum Omnibus-I-Paket bestätigt. Damit sind die neuen, deutlich höheren Schwellenwerte für die CSRD und die CSDDD endgültig beschlossen. Der Anwendungsbereich der europäischen Nachhaltigkeitsregulierung wird damit erheblich verkleinert.
Die CSRD-Berichtspflicht gilt künftig nur noch für Unternehmen, die beide der folgenden Kriterien erfüllen:
mehr als 1.000 Mitarbeitende (FTE) und
über 450 Mio. EUR Nettoumsatz.
Gegenüber der ursprünglichen CSRD-Schwelle (250 Mitarbeitende; 50 Mio. EUR Umsatz; 25 Mio. Euro Bilanzsumme) wird der Kreis der berichtspflichtigen Unternehmen damit um rund 90 % reduziert.
Auch die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) wird deutlich eingegrenzt:
mehr als 5.000 Mitarbeitende und
mindestens 1,5 Mrd. EUR Umsatz.
Zudem wird die Anwendung der CSDDD auf Juli 2029 verschoben. Die ursprünglich vorgesehene frühere und breitere Verpflichtung entfällt damit.
Die nun beschlossenen Werte sind das Ergebnis mehrerer politischer Anpassungen im Laufe des Jahres 2025. Während zwischenzeitlich sogar noch höhere Schwellen diskutiert wurden, einigte man sich letztlich auf einen Kompromiss, der regulatorische Entlastung bringen, zugleich aber die Berichtspflichten für sehr große Unternehmen aufrechterhalten, soll.
Im Rahmen des Omnibus-Pakets sind außerdem spürbare Vereinfachungen der ESRS-Berichtsstandards vorgesehen. Insbesondere soll die Anzahl verpflichtender Datenpunkte deutlich sinken und der Fokus stärker auf die Wesentlichkeitsanalyse gelegt werden.
Für viele Unternehmen bedeutet der Beschluss zunächst Entlastung und mehr Zeit. Gleichzeitig bleibt Nachhaltigkeitsberichterstattung für große Unternehmen verbindlich und für kleinere Unternehmen weiterhin relevant, etwa durch Anforderungen von Kunden, Banken oder Investoren. Strategisch sinnvoll bleibt es daher, Strukturen und Datenbasis weiterzuentwickeln, auch wenn keine unmittelbare CSRD-Pflicht mehr besteht.
Wir von CSR Tools legen offen, was unser 5%-Versprechen ist, wie wir es umsetzen, und wo unser positiver Einfluss aus dem Kerngeschäft liegt (und wo nicht). In Summe haben wir 10.000 Euro in Nachhaltigkeit investiert/gespendet.
Jetzt Impact Report 2025 lesen
Der Copernicus-Bericht „Global Climate Highlights 2025“ zeigt, dass 2025 weltweit und in Europa das drittwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen war, mit extremen Temperaturrekorden an beiden Polen. [14.01.2026]
China hat einen neuen, an den ISSB/IFRS S2 angelehnten Klimaberichtsstandard veröffentlicht, der zunächst freiwillig gilt, schrittweise ausgeweitet und perspektivisch verpflichtend werden soll. [05.01.2026]
Laut Handelsblatt berücksichtigen viele DAX-Konzerne die finanziellen Folgen extremer Klimaereignisse unzureichend in ihrer Planung. Oft fehlen die möglichen Auswirkungen von Klima-Schocks auf das Geschäft und die Bilanz. [19.12.2025]
Die EFRAG hat ein Diskussionspapier veröffentlicht, das die bessere Verknüpfung von Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung adressiert. [17.12.2025]
Google hat ein “AI Playbook for Sustainability Reporting” veröffentlicht und sieht viel Potenzial beim KI-Einsatz in der Datenanalyse, Inhaltserstellung und der Interaktion mit dem Inhalt. [17.12.2025]
Die EFRAG hat drei neue Leitfäden publiziert, die KMU beim freiwilligen Nachhaltigkeitsreporting nach VSME mit Beispielen unterstützen sollen. Im Fokus stehen besonders herausfordernde Angaben. [11.12.2025]
Der International Sustainability Standards Board (ISSB) hat offiziell den Start der Standardsetzung für naturbezogene Risiken und Chancen bestätigt, um Investoreninformationen zu diesen Themen stärker in die globale Nachhaltigkeitsberichterstattung einzubetten. [10.12.2025]
Die EU-Kommission hat ein Maßnahmenpaket zur Vereinfachung von Umweltvorschriften vorgestellt, das den Verwaltungsaufwand für Unternehmen in den Bereichen Industrieemissionen, Kreislaufwirtschaft, Umweltprüfungen und Geodaten deutlich reduzieren soll. [10.12.2025]
EU-Parlament und EU-Ministerrat haben eine vorläufige Einigung zur Vereinfachung der CSRD und der CSDDD erzielt. Für die CSRD soll nun doch die Schwelle bei 1.000 Mitarbeitenden und €450M Umsatz liegen. [09.12.2025]
Die DUH geht mit zahlreichen Greenwashing-Klagen gegen Unternehmen vor, um irreführende Umweltversprechen zu stoppen. [05.12.2025]
20.01: Gap-Analyse und Datenerhebung | Nachhaltigkeitslernreise (plant values)
20.01: Scope 3 Daten in der Lieferkette (DFGE)
21.02: ESRS-Update - Was ein Review Ihrer DWA jetzt bringt (EQS)
22.01: Leveraging AI for sustainability regulations and compliance [EN] (Reuters)
22.01: Klimarisiken erkennen – Resilienz stärken (ConClimate)
23.01: ESG starten ohne CSRD-Pflicht: SNOCKS-Praxisbericht (ConClimate)
28.01: Stabilität durch Vielfalt (DNK & :response)
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Vielen Dank 🙏🏼
Alexander Spahn
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