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Bitcoin ist innerhalb weniger Tage um 25% gestiegen, Gold um mehr als 10%. Der einzige Grund: Eine Äußerung des amerikanischen Finanzministers, die für Laien kaum verständlich ist: Man wolle das Volumen der Käufe von 30-jährigen Staatsanleihen von zwei auf vier Milliarden verdoppeln. Bitte was? Und warum schickt das die Kurse von Bitcoin und Gold wieder in Richtung Mond?
Paid-Abonnenten haben übrigens Anfang der Woche dieses Update erhalten.
Der Grund liegt im sogenannten Debasement, der wundersamen Geldvermehrung beziehungsweise der Entwertung unseres Geld. Was also genau ist Debasement?
Geld ist dazu da, Wert zu bestimmen. Ein Preis gibt uns eine relative Bestimmung eines Guts. Ein Laib Brot kostet zwei Euro, ein Haus in der Nähe einer Großstadt 500.000 Euro. Unsere Arbeit wird mit einer bestimmten Summe jeden Monat entlohnt. Manche Menschen messen sogar ihren persönlichen Wert daran, wie hoch die Summe auf ihrem Konto ist. Geld soll ein unbestechlicher Gradmesser für Wert sein - nicht statisch, denn Preise schwanken, aber zuverlässig. Zumindest sind wir mit dieser Gewissheit aufgewachsen. Wenn mehr Brot produziert oder mehr Häuser gebaut werden können, dann sinkt dieser Preis. Wollen mehr Menschen Brot oder ein Haus kaufen, steigt der Preis. Das ist das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Diese intuitiv richtigen Annahmen setzen voraus, dass die Menge des Geldes eine konstante Größe ist.
Was aber passiert, wenn jemand die Menge des Geldes erhöht? Machen wir das Bild noch einfacher: In einem Mini-Wirtschaftskreislauf gibt es einen Apfelbauern und eine Ernte von 10 Äpfeln. Die gesamte Geldmenge im System beträgt 10 Euro. Jeder Apfel ist 1 Euro wert. Nun verteilt jemand 10 zusätzliche Euro. Im Mini-Apfelwirtschaftskreislauf sind jetzt 20 Euro, aber immer noch 10 Äpfel. Jetzt kostet ein Apfel 2 Euro. Nichts hat sich geändert: Weder die Nachfrage, noch die Produktion. Der Apfel ist nicht besser geworden, noch wollen mehr Kunden Äpfel. Es hat nur jemand die Geldmenge erhöht. Der Apfel ist im Preis gestiegen. Oder?
Man könnte auch sagen: Im Vergleich zum Apfel hat der Euro an Wert verloren. Früher bekam für einen 1 Euro 1 Apfel, jetzt nur noch einen halben. Das ist Geldentwertung, auf Englisch Debasement.
Wenn der Wert des Geldes sinkt, gibt es zunächst Verlierer. Es sind all diejenigen, die Ersparnisse haben. Sie bekommen weniger Waren für ihr Geld. Auch jeder, der ein Arbeitseinkommen hat, gehört tendenziell zu den Verlierern. Zwar steigt auch der Preis der Arbeit irgendwann, jedoch fast immer langsamer als die Preise.
Es gibt aber auch Gewinner. Das sind die Schuldner. Wer eine Million Euro Schulden hat, gewinnt bei einer Verdopplung der Geldmenge: Sein Einkommen steigt, ebenso wie der Preis seines Haus oder seiner Äpfel. Die Schulden aber bleiben nominal gleich und sind aber weniger wert. Sind die Staatsschulden hoch, haben Regierungen tendenziell Interesse an einer Entwertung des Geldes.
Am 18. August stieg die amerikanische Staatsverschuldung erstmals über die Marke von 40 Billionen US-Dollar. Das ist mehr als die gesamte amerikanische Volkswirtschaft in einem Jahr erwirtschaftet (122,6%). Allein die Summe wäre kein so großes Problem. Aber auf diese Schulden müssen Zinsen gezahlt werden. Aktuell sind das knapp 1 Billion US-Dollar, oder 19 Prozent der gesamten Einnahmen des amerikanischen Staates. Mittlerweile ist der Schuldendienst der größte Posten im Haushalt - höher als die Verteidigung. Mit diesem Geld kann nichts gekauft, nichts investiert werden - damit werden ausschließlich Schulden bedient.
Regierungen verschulden sich anders als Privatleute. Sie nehmen keinen Kredit auf. Sie geben Anleihen aus. Anleihen haben eine Laufzeit und einen Zinssatz. Die US-Regierung sagt also den Interessenten: Wir haben hier eine Anleihe in Höhe von 1000 Dollar mit Zinssatz von 4 Prozent und einer Laufzeit von 30 Jahren. Der Käufer gibt der Regierung 1000 US-Dollar. Er erhält dann jedes Jahr 30 Jahre lang 40 Dollar ausbezahlt und am Ende bekommt er seine 1000 Dollar zurück.
Sind diese Anleihen sehr begehrt, kann die Regierung den Zinssatz auch senken auf 3 oder 2 Prozent. Will sie niemand haben, muss sie die Anleihen attraktiver machen und 5 oder 6 Prozent Zinsen anbieten. Hohe Zinsen aber sind für Regierungen schlecht, denn damit steigt der Schuldendienst.
Einerseits hat der gesamte Schuldenstand der USA eine wichtige Marke gerissen, andererseits sind die Zinsen für 30-jährige Staatsschulden auf über 5 Prozent gestiegen. Das waren zwei Signale für das Finanzministerium: Wir müssen etwas tun. Es gibt also jetzt ein starkes Signal, die Geldmenge zu erhöhen. Damit wird das Geld entwertet und die relative Schuldenlast etwas gesenkt.
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Oft ist davon zu lesen, die „Regierung würde Geld drucken“. Dieses Bild stammt aus der Weimarer Hyperinflation 1923, als tatsächlich Maschinen, einfach immer mehr Geldscheine druckten. Dieser Prozess ist heute um einiges restriktiver und komplizierter. Eine Regierung kann nicht einfach Geld drucken. Sie muss kreativer vorgehen. Geld entsteht im Fiat-Kapitalismus durch Kredit. Jeder, der einen Kredit aufnimmt, schafft damit auf einer Bankbilanz neues Geld. Auch das geschieht nicht völlig beliebig. Der Kreditnehmer muss Sicherheiten hinterlegen, und die Bank muss ein bestimmtes Verhältnis zu ihren Einlagen einhalten. Platzt ein Kredit, wird sogar Geld vernichtet. Im Idealfall bewegt sich die Geldmenge also in einem Verhältnis zur wirtschaftlichen Aktivität. Nehmen mehr Unternehmer einen Kredit auf, nimmt auch die Geldmenge zu. Und das ist prinzipiell auch nicht schlecht: Mit der Geldmenge wächst auch die Warenmenge.
Trotzdem besteht ein Anreiz für Regierungen, die Geldmenge zu erhöhen, um ihre Schuldenlast zu reduzieren. Nach der Finanzkrise 2008 wurde man kreativ. Man stieß auf eine Methode der japanischen Zentralbank, die das sogenannte „Quantitative Easing“ schon länger betrieb. Dabei kauft die Zentralbank die Anleihen der Regierung auf. Wie gesagt: Wenn viele Leute die Anleihen einer Regierung haben möchten, kann die Regierung die Zinsen darauf senken. Eine Zentralbank kann theoretisch beliebig viel Geld im Umlauf bringen. Sie ist die Herrin des Geldes. Indem die Zentralbank also in großem Stil Anleihen kauft, drückt sie die Zinsen.
QE war lange Zeit sehr beliebt, weil man glaubte, es führe nicht zu Inflation. Die Zentralbank kauft zwar mit frisch gedruckten Geld Anleihen. Diese Anleihen aber parkt sie in einem großen Schrank. Das neue Geld erreicht die reale Wirtschaft also quasi nicht.
Es funktionierte relativ lange: Die Inflation blieb bis 2020 sehr niedrig. Deshalb glaubte man, der Trick würde funktionieren. Märkte aber, als geballte und kollektive Intelligenz, sind sehr klug. Immer mehr Investoren durchschauten den Trick. Sie wussten, irgendwann würde die Geldmenge aus dem Schrank ausbrechen und in der Realwirtschaft ankommen. Harte Währungen wie Gold und Bitcoin begannen zu steigen. Anders als Fiat-Geld können diese beiden Assets nicht von Regierungen vermehrt werden.
Die Inflation kam schließlich mit dem Covid-Stimulus. Die Inflation brach aus. Im Januar 2022 stellte die FED daraufhin ihr Anleihenkaufprogramm ein. Man schwenkte auf eine restriktive Geldpolitik um.
Finanzminister Scott Bessent hatte am Mittwoch lediglich gesagt, man wolle jetzt vermehrt langlaufende Staatsanleihen kaufen, um deren Zinsen wieder unter 5% zu drücken. Finanziert werden soll das mit kurzlaufenden Staatsanleihen. Man nimmt also neues Geld auf, um damit an anderer Stelle die Schulden zu verbilligen. Der Rahmen, in dem das geschieht, ist klein. Es geht um wenige Milliarden. Das ist kein QE. Das ist höchstens eine leichte Form von „Yield Curve Control“, man nimmt Einfluss auf die Zinsen.
The Kobeissi Letter@KobeissiLetter
BREAKING: The US Treasury announces it will double the size long-term US government debt buybacks following the rapid surge in US Treasury yields. Repurchases of $2 billion will now be increased to "at least" $4 billion, the US Treasury said. The move is intended to provide
1:18 PM · Aug 19, 2026 · 2.46M Aufrufe
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Wichtig aber war das Signal: Der Markt glaubt, „the next big print“ kommt, die nächste wundersame Geldvermehrung. Deswegen stiegen die Kurse von Gold und Bitcoin. Am Ende war das Signal rein psychologisch. Aber das genügte. Hinzu kam, dass Investment-Legenden wie Ray Dalio eine Staatsschuldenkrise aufkommen sehen und diese Woche seinen Leser empfahl, Gold zu kaufen.
Oguz Erkan@oguzerkan
Ray Dalio: “Debt problem is followed by devaluation of the currency.” This is what we are currently seeing. Bond yields are going higher despite flat inflation expectations as investors believe higher US debt will eventually drive inflation up. Owning gold makes sense here.
*Walter Bloomberg @DeItaone
DALIO: DUMP BONDS, BUY GOLD AS DEBT CRISIS LOOMS Ray Dalio warns a U.S. debt crisis could hit within three years, as deficits and interest costs surge. He recommends underweighting bonds and allocating 10%–15% to gold, plus a small Bitcoin position. Dalio argues rising debt
7:04 PM · Aug 21, 2026 · 74K Aufrufe
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Gold und Bitcoin können nicht von Regierungen vermehrt werden. Die absolute Menge von Bitcoin ist auf 21 Millionen begrenzt. Gold wird zwar noch immer aus der Erde geholt, aber das ist teuer.
Zurück zur Mini-Apfelwirtschaft: Es gibt nicht nur Euro und Äpfel. Es gibt jetzt 21 Bitcoin, 21 Äpfel und 21 Euro. Jeder Apfel ist also 1 Euro und 1 Bitcoin wert. Eine Regierung erhöht jetzt die Geldmenge auf 42 Euro. Ein Apfel kostet nun zwei Euro. Was kostet ein Bitcoin?
Wer die Frage beantwortet, hat Debasement verstanden und weiß, warum Gold und Bitcoin gute Investitionen sind.
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