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Ballverliebt · Aug 16, 2026

Die Karriere des Gernot Trauner

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Philipp Eitzinger, Ballverliebt · Ballverliebt

Trauner stammt aus Kematen am Innbach, das liegt westlich von Wels, dort war sein Vater Günther als Nachwuchstrainer tätig. Als 14-Jähriger wechselte der junge Verteidiger vom örtlichen Verein in die Fußballakademie Linz, deren Trägerverein der LASK war. Trauner spielte sich als Kapitän gemeinsam mit den gleichaltrigen Simon Piesinger, Robert Zulj und Kevin Wimmer durch die Jahrgänge. Im Frühjahr 2010 wurde Trauner von der U-19 zu den LASK Juniors hochgezogen, mit denen er aus der OÖ-Liga in die Regionalliga aufstieg.

Auch beim ÖFB war Trauner natürlich bekannt, für die U-19-EM in der Normandie im Sommer 2010 war er aber eigentlich nicht vorgesehen: „Sein” Jahrgang wäre für den damals 18-Jährigen erst ein Jahr später dran gewesen. Aber weil der als Rechtsverteidiger eingeplante Patrick Farkas von Mattersburg nicht abgestellt wurde, rutschte Trauner in die Mannschaft.

Beim 2:3 gegen England war Trauner ein Aktivposten und er erzielte auch ein Tor, beim 0:5 gegen Frankreich (inkl. zwei Treffern von Antoine Griezmann) stand er wie alle anderen auf verlorenem Posten. Es brauchte einen Sieg im letzten Gruppenspiel gegen die Niederlande, um den für das WM-Ticket nötigen dritten Platz zu ergattern - es gab tatsächlich einen etwas glücklichen 1:0-Sieg durch einen späten Elfmeter. Bei der U-20-WM in Kolumbien ein Jahr später fehlte Trauner aber verletzungsbedingt.

Und Verletzungen sollten ein wiederkehrendes Thema in seiner Karriere werden.

Ein paar Tage nach der U-19-EM ließ Heli Kraft den jungen Verteidiger im Juli 2010 für den LASK in der Bundesliga debütieren, er kam im Herbst semi-regelmäßig in der Bundesliga zum Einsatz, im Frühjahr 2011 stoppte Trauner aber seine Hüfte. Diese verhinderte eine Teilnahme an der U-20-WM, aber auch weitere Spielminuten für den mittlerweile in die 2. Liga abgestiegenen LASK. Als sich Trauner im Sommer 2012 wieder fit meldete, war der LASK per Lizenzentzug nur noch Regionalligist.

Ried nützte die Gelegenheit. “Wir werden ihm in Ried die nötige Spielpraxis geben”, kündigte Manager Stefan Reiter an, “für mich ist er eine der größten Zukunftshoffnungen im österreichischen Fußball!” Die Rieder hatten starke Jahre mit zwei Herbstmeister-Titeln und dem Cup-Triumph hinter sich, waren nach dem Gludovatz-Abgang und einem schwachen Frühjahr selbst im Umbruch.

Unter dem neuen Trainer Heinz Fuchsbichler kam Trauner kaum zum Zug, nach dessen Entlassung im November 2012 kam Michael Angerschmid, der sehr wohl auf Trauner setzte. Im Frühjahr 2013 wurde Trauner von einer hartnäckigen Muskelzerrung aber wieder außer Gefecht gesetzt. In seiner ersten Ried-Saison spielte Trauner nur 29 Prozent der möglichen Bundesliga-Minuten.

Im September 2013 war Trauner wieder fit, ein paar Wochen später brach er sich gegen den WAC das Jochbein. Dennoch: Endlich war er in einer Bundesliga-Mannschaft Stammspieler, Ried wurde 2014 unter Michael Angerschmid Sechster, ein Jahr später unter Oliver Glasner ebenso.

Glasner ging 2016 zum LASK, dem Rieder Kader-Architekten Stefan Reiter lief Mitte der Zehnerjahre sein Gespür für gute Personalien im jahrelangen Dauerstress ein wenig davon. Die Rieder Stabilität bekam dadurch zunehmend Risse. Nach einem katastrophalen Saisonstart unter Helgi Kolviðsson installierte Reiter wieder Gludovatz, Ried wurde Siebenter, aber kurz vor Saisonschluss riss sich Trauner das Kreuzband.

Als Trauner, der zu dieser Zeit sein schon relativ dünnes Haupthaar durch eine Glatze eintauschte, im Frühjahr 2017 genesen war, streikte sein Rücken. Schon Wochen, ehe der Abstieg der Rieder feststand, richtete ihm Fränky Schiemer - der Reiter im Winter als Sportdirektor nachgefolgt war - aus, dass sein auslaufender Vertrag nicht verlängert wird.

Der unter Oliver Glasner frisch aufgestiegene LASK freute sich und schnappte sich den ohnehin beim Verein ausgebildeten Trauner ablösefrei. Bis dahin war dieser als talentierter, aber verletzungsanfälliger Spieler wahrgenommen worden. Einer, der schon das Potenzial zu einer guten Karriere gehabt hätte, dessen Körper ihn aber zu oft im Stich gelassen hatte. Ein solider Verteidiger für die heimische Liga.

Das wurde beim LASK anders. Trauner blieb nach dem Transfer vier Jahre bei den Linzern und er blieb in diesen vier Jahren praktisch verletzungsfrei. Im ersten Jahr nach dem Aufstieg brauchte der LASK den Herbst zum Akklimatisieren, nach einem starken Frühjahr stand der vierte Platz. In der Saison 2018/19 machten die Linzer so weiter, die von Trauner dirigierte Abwehr kassierte nur 31 Tore in 32 Spielen, der LASK wurde Vizemeister.

Glasner ging, Valérien Ismaël kam und er führte Glasners Arbeit weiter - im Europacup düpierte man Eindhoven und Sporting, in der Bundesliga überholte man Salzburg und ging als Sieger des Grunddurchgangs in die Corona-Pause. Unerlaubtes Gruppentraining und der daraus folgende Punkteabzug kosteten die Titelchance, aber unter Ismaël-Nachfolger Dominik Thalhammer wurde der Schwung rasch wieder aufgenommen.

Auch wenn im Frühjahr 2021 die Luft ein wenig ausging und der LASK wieder auf den vierten Platz zurückgefallen war - der neue Feyenoord-Trainer Arne Slot erinnerte sich an den umsichtigen und spielstarken Abwehr-Dirigenten, der im Frühjahr 2020 den AZ Alkmaar mit Slot als Trainer aus der Europa League gekegelt hatte.

1,5 Millionen Euro wanderten von Rotterdam nach Linz, bei Feyenoord erntete Trauner die Früchte der starken Jahre beim LASK. Auf dem Weg zum dritten Platz in der Saison 2021/22 war Trauner bombenfest in der Abwehr gesetzt, in der Conference League erreichte Feyenoord nach Siegen über Partizan Belgrad, Slavia Prag und Olympique Marseille das Finale. Dort verschlief man gegen Mourinhos AS Roma ein wenig die erste Halbzeit, in der zweiten konnte auch ein Sturmlauf die 0:1-Niederlage nicht mehr verhindern.

Trauner blieb Stamm-Innenverteidiger - auch bei den Europacupspielen gegen Sturm Graz - und Feyenoord setzte zum großen Wurf an. Mitte November kam aber die Hiobsbotschaft für den Österreicher: Meniskusschaden, Knie-Operation. Trauner war Ende Februar zurück, rasch hatte er auch seinen Fixplatz wieder, aber das Knie blieb im Fokus. Im Europacup-Viertelfinale, wiederum gegen die Roma, machte das operierte Knie wieder Probleme. Die Saison war für Trauner beendet, aber sie endete mit seinem ersten Meistertitel.

Weil Kapitän Orkun Kökçü den Verein 2023 in Richtung Benfica verließ, stieg Trauner nach der Meisterschaft zum Feyenoord-Kapitän auf. Nach sieben Liga-Spielen in der Eredivisie standen 26:4 Tore zu Buche - und dann machte das Knie wieder zu. Sechs Wochen später war Trauner zurück, bis zum Februar, dann stoppte ihn wieder die Oberschenkelmuskulatur. Feyenoord wurde Dritter, holte mit einem 1:0-Sieg im Finale gegen Nijmegen auch den Pokal, Trauner wurde in diesem Endspiel eingewechselt.

Das Nationalteam aber war für Trauner immer eine Unvollendete. Im Herbst 2018 durfte er mal ein paar Minuten in einem Testmatch gegen Dänemark ran, erst zweieinhalb Jahre später war Trauner erstmals in einem Bewerbsspiel dabei. Dann wurde er zum Sündenbock beim fürchterlichen 0:4 daheim gegen Dänemark, es war sein letzter Einsatz unter Foda, der ihn für die EM nicht einberief.

Erst Ralf Rangnick lud Trauner im Juni 2022 wieder ein. In der Nations League (gegen Frankreich, Kroatien und erneut Dänemark) war Trauner voll im Einsatz, natürlich wollte er auch die EM-Quali absolvieren. Gegen Aserbaidschan wurde er nach 75 Minuten ausgewechselt, drei Tage später gegen Estland konnte er nicht mitmachen. Die restliche Qualifikation verpasste er wiederum, aber bei der Endrunde war Trauner dabei.

Erste Wahl war Trauner dort nicht, aber er spielte beim wichtigen 3:1-Sieg gegen Polen, gegen Frankreich wurde er eingewechselt. Im Herbst war er bei den beiden starken Auftritten gegen Kasachstan (4:0) und Norwegen (5:1) dabei, wiederum beide in Linz. Das Rückspiel in der Nations-League-Relegation gegen Serbien sollte sein letzter Auftritt im Nationalteam bleiben.

Feyenoord-Coach Slot wurde von Liverpool als Klopp-Nachfolger abgeworben, für ihn übernahm Brian Priske, der zuvor Sparta Prag zweimal zum tschechischen Meister gemacht hatte. Der Däne funktionierte in Rotterdam aber nicht nach Wunsch, er war kaum mehr als ein halbes Jahr im Amt. Trauner war Stammkraft in der Champions League und Teilzeit-Arbeiter in der Liga, Priske hatte Hancko zum Kapitän gemacht - unter Priske-Nachfolger Robin van Persie verbesserten sich die Resultate (aus 1,9 Punkte pro Spiel unter Priske wurden 2,2 unter Van Persie), der zuvor wackelnde dritte Platz wurde letztlich souverän gesichert.

Van Persie hatte wieder vermehrt auf Trauner gesetzt, im Sommer 2025 aber bekam der mittlerweile 33-Jährige zunächst Probleme mit der Achillessehne, dann wieder mit dem Knie. „Das MR hat aber nichts Offensichtliches gezeigt. Deshalb bin ich auch wieder schnell auf den Platz zurückgekehrt”, erklärte er im Interview mit den OÖ. Nachrichten, „dann sind die Probleme wieder aufgetaucht. Die Ärzte wollten, dass man ins Knie hineinschaut, und haben einen kleinen Eingriff am Knorpel gemacht.”

Der Vertrag bei Feyenoord würde im Sommer 2026 auslaufen. Trauner hoffte, zumindest noch zwei Jahre spielen zu können. Erst in den letzten Wochen de Saison konnte er wieder auf den Platz zurück kehren, nach dem 1:1 im letzten Saison-Heimspiel gegen Alkmaar stand Platz zwei und damit die Champions-League-Qualifikation fest - Trauner verabschiedete sich danach emotional von den Rotterdamer Fans.

Eine Woche später absolvierte er beim PEC Zwolle das 422. und letzte Profi-Bewerbsspiel seiner Karriere, dazu kommen 16 Länderspiele. Am 16. August 2026 gab Trauner - verheiratet und Vater von drei Kindern - via Instagram bekannt, dass er im Alter von 34 Jahren seine Laufbahn beendet.

„Ich bin unglaublich dankbar, dass ich meine Leidenschaft zu meinem Beruf machen durfte. Meistertitel, Pokalsieg, Champions League, Europameisterschaft und die Rolle als Kapitän lassen mich mit großem Stolz zurückblicken”, schreibt er, „aber auch Verletzungen und Enttäuschungen waren Teil meiner Reise. Sie haben mich Bodenständigkeit und Demut gelehrt und zu dem gemacht, der ich heute bin. Die Zeit war geprägt von großer Freude, aber auch von Enttäuschungen, Verletzungen und Comebacks. Ich habe niemals aufgegeben und immer an meine Chance geglaubt.”

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