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Ballverliebt · Jun 22, 2026

0:2 gegen Argentinien - Österreich mit viel Einsatz, aber wenig Torgefahr

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Philipp Eitzinger, Ballverliebt · Ballverliebt

Nach dem geglückten Auftakt-Sieg gegen Jordanien konnte Österreich ohne den ganz großen Druck in das Highlight-Spiel gegen Titelverteidiger Argentinien gehen. Auf der Jagd nach einem Achtungserfolg nahm Rangnick zwei Änderungen vor: Wanner begann auf der Zehn, dafür rückte Laimer auf die Linksverteidigerposition - und Michael Gregoritsch begann statt Kalajdzic ganz vorne.

Gegen Jordanien konnte Österreich das eigene Pressingspiel nie zeigen, weil die Kontrahenten den Ball gar nicht wollten. Das ist gegen Argentinien anders und Österreich war sofort zurück in der Wohlfühlzone: Wanner lief Lisandro Martínez an, Gregoritsch auch, gleich danach Romero. Argentinien suchte den Weg aus dem Druck und konnte ihn zunächst nur außen finden, weil Österreich das Zentrum überladete.

Aber: Dieses kollektive Einrücken führt auch zum Elfmeter, weil Almada auf der linken Angriffsseite nach drei Minuten plötzlich komplett frei war und Lautaro schicken konnte. Das Glück für Österreich war, dass Messi den fälligen Elfmeter rechts am Tor vorbeischob.

Die Argentinier selbst pressten die österreichische Spieleröffnung nicht an, liefen aber sofort an, wenn ein ballführender Österreicher auf das eigene Tor zublickte bzw. einem Rückpass nachlaufen musste. Das führte nicht zu haarigen österreichischen Ballverlusten, aber sehr wohl zu einem gewissen Stress.

Nach einer kurzen Druckphase in Folge des verschossenen Elfmeters zog sich Österreich ab der 15. Minute weiter zurück, stellte das hohe Anlaufen ein und versuchte, das argentinische Tempo gering zu halten. Möglichkeiten zu einem zielgerichteten schnellen Umschalten ergaben sich aber nicht.

Es war ein respektvolles, gegenseitiges Neutralisieren: Argentinien wollte eigentlich den Ball gar nicht wirklich haben, um sich nicht dem Anlaufen von Österreich auszusetzen. Österreich hatte zwar Ballbesitz, vermied aber Risikopässe und achtete vor allem darauf, nie mit dem Rücken zum gegnerischen Tor erwischt zu werden, um nicht argentinischen Druck einzuladen.

Das Match verlief relativ statisch, bis auf die kurze Phase vor der Trinkpause, als De Paul behandelt wurde. Da war Argentinien kurz etwas ungeordnet, seine Seite nicht abgedeckt, Alaba hatte viel Platz und Zeit, um für seinen Eröffnungspass weit nach vorne zu gehen - da war Österreich mal rasch in den Strafraum gekommen, solche Gelegenheiten hatten sich bis dahin nicht ergeben.

Und Messi? Der ist ja immer einer gewesen, der sich im Laufe von Spielen immer wieder seine Auszeiten genommen hat, mit fast 39 Jahren ist das nicht anders. Das unterstreicht auch die Krux im Umgang mit ihm: Man kann ihm keinen Sonderbewacher hinstellen, weil der 1.) dann selbst oft aus dem Spiel ist und 2.) die plötzlichen Ausbrüche von Messi, sein Auge und seine Laufwege, ohnehin kaum sinnvoll verteidigen kann.

Nach einer halben Stunde involvierten ihn die Argentinier dann doch wieder etwas mehr, sofort kamen sie zweimal sehr konkret in den österreichischen Strafraum, zweimal wurde mit vereinten Kräften geklärt. Es blieb zwar im Ganzen ein recht statisches, langsames Spiel, aber in der 37. Minute wurde Österreich von einem schnellen Gegenstoß auf dem falschen Fuß erwischt, rascher Seitenwechsel auf die wie beim Elfmeter verwaiste Spielfeldhälfte über Almada und Medina, Cutback auf Messi, zack, 1:0 für Argentinien.

Und diesmal zählte das 17. WM-Tor der Nummer zehn, mit dem er Miro Klose überholte, obwohl Xaver Schlager in der Entstehung tendenziell eher regelwidrig angegangen worden war.

Das ÖFB-Team schraubte sofort nach dem Gegentor die Intensität im Anlaufen wieder spürbar nach oben und das bis dahin recht ruhige Match nahm danach schlagartig an Gehässigkeit zu - Poschs Schulter-Check gegen Almada, Dansos rustikales Einsteigen von hinten gegen Messi, auf der anderen Seite wrestlete Mac Allister im Mittelkreis Schmid von hinten zu Boden, grimmiger Mimik inklusive - und schließlich Lautaros verdeckter Tritt auf Laimers Knöchel kurz vor der Pause.

Es fehlte Österreich in der ersten Halbzeit deutlich an der Vertikalität, was aber auch daran lag, dass man zwar zeitweise recht aktiv im Anlaufen war, aber kaum Bälle auch wirklich gewinnen konnte. Dieses Bemühen nach mehr Vertikalität war zu Beginn der zweiten Halbzeit schnell erkennbar. Andererseits versteckte sich Messi wieder auf der halblinken Seite, nur um dann wieder explosiv anzutreten - und fast unweigerlich das nächste Foul zog.

In der letzten halben Stunde verlegte sich die Argentinier auf das Abtöten des Spiels und das machten sie ausgesprochen effektiv. Sie überließen den Österreichern den Ball im Bereich des Mittelkreises, stellten dahinter aber die Passempfänger zu bzw. verhinderten mit konsequentem Doppeln und aggressivem Anlaufen und kompromissloser Zweikampfführung daran, dass die Österreicher den Ball verarbeiten konnten. Sie selbst waren auch meistens in der Lage, Drucksituationen mit Rückpässen oder Seitenverlagerungen aufzulösen.

Kurz vor der Trinkpause wurden der angeschlagene Alaba, der mit gebrochenem Kiefer spielende Posch und der aufgeriebene Gregoritsch erlöst. Mit Friedl (der als linker Innenverteidiger weit über den Flügel aufrückte) und Arnautovic vorne kam neue Intensität ins ÖFB-Spiel und das Team war bemüht, irgendwie die Lücke zu finden, sich in den Offensiv-Zweikämpfen durchzusetzen.

Aber Scalonis Einwechslungen mit Otamendi (für Romero), Tagliafico (für Medina) und vor allem Mittelfeld-Goon Paredes (für De Paul) versorgten das Spiel gegen den Ball mit frischen Beinen und sie nahmen gelbe Karten billigend in Kauf. Zudem war mit Julián Álvarez, der ab der 64. Minute statt Almada auf der linken Seite auf- und abwetzte, ein neuer Gefahrenherd für argentinische Tiefenläufe auf dem Feld.

Letztlich gelang es Österreich bei allem Einsatz und bei aller Intensität nicht, auch nur eine wirklich gefährliche Torraumaktion zu kreieren und ein zweites argentinisches Tor aus Gegenstößen (oder einem Eckball, wie in der 73. Minute) wirkte stets wahrscheinlicher als ein Ausgleich. Und tief in der Nachspielzeit war es dann wirklich so weit, als drei Österreicher plus Schlager den Ball nach einem Konter nicht und nicht aus der Gefahrenzone bekamen und Messi schließlich zum 2:0-Endstand traf.

Dieses Spiel ist wieder ein klarer Marker dafür, dass die Formulierung “0:2 gegen Messi” eine unangebrachte Verkürzung ist. Ja, Messi hat beide Tore erzielt und er war immer ein Gefahrenherd, wenn er an einer Situation involviert war. Aber so sehr sich alle Schlagzeilen und Lobhudeleien auf den Doppel-Torschützen stürzen werden: Gesichert hat den argentinischen Sieg in erster Linie die unglaublich disziplinierte, spielintelligente, aggressive und perfekt eingespielte Defensive.

Österreich versuchte mit allen Mitteln, die einer Truppe des gehobenen europäischen Durchschnitts zur Verfügung steht, den Riegel zu knacken - aber letztlich klaffte im Bemühen um die nötige Vertikalität im Angriffsdrittel ein Christoph-Baumgartner-förmiges Loch. Seine Tiefenläufe und sein Zug zum Tor hätten Österreich sehr gut getan.

So arbeitete sich das ÖFB-Team an der argentinischen Defensivarbeit ab, probierte vieles aus, fand aber nie wirklich eine Lösung. Freilich, das zweite Gegentor in der 95. Minute hätte nicht mehr sein müssen, aber es macht vermutlich nicht den ganz großen Unterschied - nach dem 2:1 von Algerien gegen Jordanien reicht Österreich ein Remis gegen eben jene Algerier zum zweiten Gruppenplatz. Sehr wahrscheinlich würde sogar eine nicht allzu hohe Niederlage zum Einzug in die K.o.-Phase reichen.

Nach dem mühsamen Arbeitssieg gegen Jordanien hat sich das ÖFB-Team mit diesem engagierten Auftritt wohl durchaus Respekt verschafft - sicher mehr als das weitgehend willenlose algerische Team bei dessen 0:3 gegen den Weltmeister - aber wird international in einer Aufmerksamkeits-Nebenrolle bei dieser WM verbleiben. Man hat sich im Rahmen der Möglichkeiten teuer verkauft und muss sich weder für die hoch-engagierte Leistung noch für das allgemein erwartbare Resultat schämen.

Im Gegenteil.

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