Das Ding wiegt über ein Kilo und der Stiel wird richtig heiß. Schön ist sie nicht, aber Spitzenqualität „Made in Sauerland“. Was soll sich einer auch schenken, der eigentlich nichts braucht? Genau, eine Pfanne! Und das Beste: Nicht einmal 30 Euro hat mich das neue Küchenutensil gekostet. Ein Preis wie eine Line Koks – sagt die Wissenschaft.1
Schön weggeballert mit Schnäppchen hat sich diese Woche die breite Masse der Konsumgesellschaft. Denn es war Black Week. Das ist die Dubai Schokolade unter den Abverkäufen. Keiner erinnert sich noch, womit das mal anfing. Aber kommen Sie, schauen Sie, lecker Prozente!
Über sechs Milliarden Euro wurden dieses Jahr wohl am Black Friday umgesetzt. Das ist eine Zahl, die uns Kulturpessimisten nur noch mehr ins Elend stößt. Diese Zeit des Jahres ist ohnehin kein Zuckerschlecken für uns. Knall auf Fall geht es von einem sinnleeren Neu-Ritus in den nächsten.
Sobald der letzte Sommersonnenstrahl verstrahlt ist, muss ich im Grunde durchgehend mit grimmiger Selbstgerechtigkeit in meinem Kämmerlein sitzen. Die Klingel ist abgestellt, weil Allerheiligen jetzt Halloween heißt und das die Rotzlöffel aus der Nachbarschaft anscheinend berechtigt, von mir Zuckerwaren zu erpressen.
Die Weihnachtsmärkte machen jedes Jahr noch früher auf, obwohl jedes Jahr noch weniger Menschen in die Kirche gehen. Und vier Wochen bevor der besoffene Onkel Heinz endlich in die Plastiktanne fallen kann, schabt also seit ein paar Jahren der Black Friday aus unserem Kopf das letzte bisschen von „Last Christmas“ aufgedunsene Sinneskraft.
Doch auch der grimmigste Kulturpessimist muss einsehen, dass, erstens, kein Mensch grimmige Pessimisten mag und, zweitens, der gute, alte Sommerschlussverkauf ja auch keine Erfindung von Amazon war. Diese geizgeile Errungenschaft war genauso deutsch wie Wirtschaftswunder, D-Mark und Peter Frankenfelds karierte Jacketts. Vielleicht ist also gar kein Kommerzimperialismus am Werke.
Der brave Michel scheint der offenen Preisschlacht ohnehin nicht ganz so schutzlos ausgeliefert zu sein, wie manch einer glaubt. Der „Spiegel“ zitierte dieser Tage eine Studie, wonach sogar eher der Handel Schaden nimmt von den Karacho-Preisen. Weil am Black Friday vor allem Anschaffungen gemacht werden, die ohnehin geplant waren.2
Die Stimmen mehren sich, die unsere Kaufgeilheit und die alljährlich heißerlaufende Black Week-Maschine anprangern. Die absurdesten Nebenwirkungen des Konsumismus’ zu hinterfragen, ist eine gute Idee. Wenn sich der wollbemützte Startup-Stefan auf dem Insta-Kanal seines grünen Wäschelabels selbst dafür feiert, bei „dem Wahnsinn“ nicht mehr mitzumachen, schwingt aber auch was Elitäres mit.
Nicht aufs Geld zu schauen, muss man sich nämlich leisten können. Wir Gerechten verdrängen auf dem Weg zum Häuschen in der Uckermark manchmal, dass es Menschen gibt, die tatsächlich angewiesen sind auf Rabatte.
Da erinnert die Black Friday-Opposition ein wenig an die Wachstums-Kritik. Es mag schick und richtig sein, das Mantra vom immerwährenden Aufschwung von Zeit zu Zeit infrage zu stellen. Vergessen wollen wir aber nicht, dass sich „Degrowth!“ viel leichter brüllt, wenn Papa einen Kombi fährt, als wenn Mama drei Stunden zu Fuß gehen muss für sauberes Wasser.
Am Ende liegt die Verantwortung bei jeder und jedem einzelnen, denn Kapitalismus ist nur zum kleineren Teil eine Sache von „denen da oben“. In Wirklichkeit sind der Kapitalismus wir alle, die es nicht einsehen, länger als einen Tag auf eine Bestellung zu warten, die schon vorher wissen, dass das meiste eh zurückgeht und die deshalb in Kauf nehmen, dass Ungebrauchtes im Schredder landet.
Ich immerhin habe dem Kapitalismus diese Woche ein Schnippchen geschlagen. Nicht dass zurückschicken jemals eine Option wäre, aber zeig mir den Amazon-Schredder, der mit meiner schmiedeeisernen Pfanne fertig wird!

Comments
Nothing yet. Say the first thing.
Sign in to join the conversation.