Spec-Driven Development gilt derzeit als der seriöse Weg, mit KI-Agenten Software zu erstellen. Die Spezifikation wird vor dem Code geschrieben und bleibt während der gesamten Umsetzung die verbindliche Vorgabe. Ich habe diese Arbeitsweise in zwei internen Projekten über Monate strenger durchgehalten, als die gängigen Werkzeuge es verlangen. Zusammen stehen dahinter rund 850.000 Zeilen…
Wenn ein Coding-Agent ein Ticket abarbeitet, baut er sehr häufig eine zweite Implementierung neben den vorhandenen Pfad, ohne den bestehenden zu benutzen. Das Feature funktioniert, die Tests werden grün, und im Repository liegt eine unentdeckte Logik jetzt doppelt: einmal alt, einmal neu, beide leicht verschieden. In der Forschung heißt das Phänomen semantic duplication oder redundante…
Dies ist der dritte Beitrag einer Serie über die agentische Engineering-Pipeline für den SDLC. Der Auftakt hat das Vorgehen als Ganzes beschrieben und seine sechs Prinzipien benannt, der Beitrag davor ist in die Business-Analyse und ihr Zusammenspiel mit UX gegangen. Jetzt geht es um die Stelle, an der die meisten Menschen den eigentlichen Akt der Softwareentwicklung vermuten: das Schreiben des…
Im Auftakt dieser Serie habe ich die agentische Engineering-Pipeline aus der Vogelperspektive für den SDLC beschrieben, die ein neues Feature durch sechs Phasen führt, von der lesenden Kontext-Extraktion bis zur protokollierten Umsetzung, und zwischen den Rollen jeweils einen Prüfpunkt setzt. Dieser Beitrag steigt in die erste Rolle hinab, in die Business-Analyse. Wenn sie falsch arbeitet, ist…
Die meisten Softwareprojekte beginnen in einem System, das es längst gibt. Es wurde vor Jahren entworfen und hat sich seither mit Daten gefüllt, deren Entstehung niemand mehr genau kennt. Dazu kommen Annahmen, die selten so aufgeschrieben sind, wie sie tatsächlich gelten. Solche gewachsenen Systeme, im Fachjargon Brownfield, sind der eigentliche Arbeitsplatz der allermeisten Entwicklerinnen und…
Die Grundlagen, auf denen die Annahmen des Agile Manifesto beruhen, verschwinden mit Agentic Coding. Die folgenden Grundannahmen, aus denen die agilen Praktiken abgeleitet wurden, entfallen: die ökonomische Annahme, dass Implementierung der Engpass sei; die methodische Annahme, die das Agile Manifesto in vier Wertepaaren formuliert hat; die personelle Annahme über Teams, Lernwege und Rollen; die…
Sprachmodelle wirken auf ihre Nutzer wie kollegiale Gesprächspartner. Sie antworten in der ersten Person, beziehen sich auf frühere Aussagen, scheinen Code zu verstehen und Absichten zu erfassen. Diese Wirkung ist eine sorgfältig konstruierte Illusion. Technisch gesehen besitzt ein Sprachmodell kein Gedächtnis. Es hat einen Kontext, den seine umgebende Anwendung bei jedem Aufruf vollständig neu…
Google Cloud hat im Februar 2026 einen 60-seitigen Bericht veröffentlicht, der den Return on Investment KI-gestützter Softwareentwicklung in eine Formel überführt. Das hauseigene DORA-Team und die Beratungseinheit „delta" rechnen darin an einem Modellunternehmen vor, was die Einführung agentischer Werkzeuge im ersten Jahr kostet und einbringt. Das DORA-Team, mittlerweile zu Google gehörend, gilt…
Die Werkzeuge der Softwareentwicklung haben sich in weniger als zwei Jahren grundlegend verändert. Wo bis 2024 ein Sprachmodell als Autovervollständigung im Editor arbeitete, sitzt es heute als autonomer Agent in der Kommandozeile. GitHub Copilot CLI, Claude Code, OpenAI Codex CLI und vergleichbare Werkzeuge planen Aufgaben, lesen Codebasen, schreiben Patches, führen Tests aus, erstellen Pull…
AEGIS, mein experimentelles Projekt, prüft jede Aktion eines KI-Agenten gegen ein formales Regelwerk, bevor sie ausgeführt wird. Bleibt der Guard nicht erreichbar oder ist die Aktion nicht eindeutig zu beurteilen, wird nicht gehandelt. Die Architektur adressiert einen Punkt der Debatte um sogenannte Agentic AI, der oft im Hintergrund bleibt: Sprachmodelle wie GPT, Claude oder Llama führen selbst…
Im letzten Beitrag ging es darum, wie Regeln in den Guard kommen: Formulare statt Freitext, das LLM füllt Felder, eine deterministische Funktion erzeugt die MELD-Syntax. Ich hatte am Ende versprochen, dass es dieses Mal um die Engine selbst geht. Also um die Stelle, an der zwei Regeln sich widersprechen, beide korrekt formuliert, beide aktiv sind, und die Engine trotzdem in Mikrosekunden eine…
Im letzten Beitrag ging es darum, wie Regeln in AEGIS landen. Diesmal geht es um die andere Seite der Frage: Was kann ein Sprachmodell in diesem Umfeld leisten, und wo hört es auf? Auslöser war eine Forderung, die in Besprechungen erstaunlich schnell plausibel klingt und bei näherem Hinsehen sofort auseinanderfällt. Ich wollte wissen, ob man ein Marketingkonzept automatisiert und mit 100 Prozent…
Zur Erinnerung: Im Februar 2025 veröffentlichte Anthropic Claude Code als Preview, ein agentisches CLI-Tool für Entwickler. Im Mai folgte die General Availability zusammen mit Claude 4. Am 16. April 2025 kam OpenAI Codex CLI als Open-Source-Terminal-Tool, parallel zu den o3/o4-mini-Modellen. Das ist weniger als ein Jahr her. Große Unternehmen stehen seitdem unter einem Druck, den ich bisher so…
Im letzten Beitrag habe ich von meiner Idee geschrieben, einen formalen Guard zwischen einem KI-Agenten und seinen Aktionen zu haben. Einen, der deterministisch prüft, ob eine Aktion erlaubt ist. Ich habe begonnen so einen Guard zu erstellen. Wie es sich gehört, hat der auch einen Namen: AEGIS, Architectural Ethics Guard for Intelligent Systems. Über den Weg dahin und die dabei entstehenden…
Bei der Recherche zu dem letzten Beitrag bin ich auf Themen gestoßen, die mich nicht mehr losgelassen haben. Es fing mit meiner Zeitreise zu Cyc an. Ich wollte verstehen, was Lenat tatsächlich formalisiert hatte. Leider ist vieles davon verschwunden. Ich konnte aber die OpenCyc-Flatfiles finden, die sein Team in den 2000ern veröffentlicht hat. Und dort habe ich entdeckt, dass Cyc die deontische…
Dieses relativ neue Paper von Goldfeder, Wyder, LeCun und Shwartz-Ziv „AI Must Embrace Specialization via Superhuman Adaptable Intelligence" finde ich sehr bemerkenswert. Nämlich dass der Begriff AGI mehr schadet als nützt — und dass die Zukunft der KI in spezialisierten Modulen liegt, nicht in einem allwissenden Monolithen. Ich bin absolut davon überzeugt, dass dieser Weg der viel versprechendste…
Vor zwei Jahren habe ich angefangen, ernsthaft mit Coding-Agenten zu arbeiten. Nicht als Spielerei, nicht für Demos, als Hauptwerkzeug in der täglichen Arbeit. Seitdem habe ich jede Generation dieser Werkzeuge begleitet: von den frühen Copilot-Versionen über Cursor bis zu Claude Code, OpenAI Codex und dem GitHub Copilot Coding Agent. Jedes neue Release, jedes neue Modell, jede neue Architektur.…
Eine Szene aus Idiocracy geht mir seit Jahren nicht aus dem Kopf. Darin gießen Menschen ihre Pflanzen mit einem Sportgetränk namens “Brawndo” statt mit Wasser. Fragt man sie warum, kommt immer dieselbe Antwort: “But it’s got electrolytes!” Niemand weiß, was Elektrolyte sind. Niemand versteht, warum Pflanzen Wasser brauchen. Aber der Satz klingt überzeugend. Wenn man…
Letzte Woche habe ich über die letzten 10% geschrieben. Über den Unterschied zwischen „sieht fertig aus" und „ist fertig". Seitdem beschäftigt mich eine Folgefrage, die ich für gefährlicher halte als das ursprüngliche Problem: Wer merkt überhaupt, dass die 10% fehlen? Das Prüfproblem Beim KI-generierten C-Compiler CCC produzieren die Optimierungsstufen -O0 bis -O3 byte-identische Binaries. Die…
In den letzten Monaten hat sich etwas in der Softwareentwicklung verschoben. KI-Coding-Agenten wie Claude Code, GitHub Copilot oder Cursor produzieren Code, der auf den ersten Blick professionell aussieht. Manchmal sogar beeindruckend. Anthropic lässt Claude einen kompletten C-Compiler schreiben . Ein Entwickler lässt KI einen DWARF-Debugger für OCaml implementieren. Die Ergebnisse sehen fertig…
„Mach mir eine App." Das ist der häufigste Prompt, mit dem Entwickler ein neues Projekt starten. Und es ist der schlechteste. Nicht weil das Modell nichts produziert, im Gegenteil. Es produziert sofort. Ordnerstruktur, Konfiguration, Routing, Datenbankschema, UI-Komponenten. In Minuten entsteht etwas, das aussieht wie eine Anwendung. Aber es ist keine Architektur. Es ist eine Halluzination von…
Angaben gemäß § 5 DDG Frank Csehan Elsastr. 20 16540 Hohen Neuendorf Kontakt E-Mail: service@ajagara.com Verantwortlich für den Inhalt nach § 18 Abs. 2 MStV Frank Csehan Elsastr. 20 16540 Hohen Neuendorf Hinweis Dies ist ein persönliches Blog. Die hier geäußerten Meinungen und Ansichten sind meine eigenen und spiegeln nicht die Meinung meines Arbeitgebers wider. Dieses Angebot wird privat…
1. Verantwortlicher Frank Csehan Elsastr. 20 16540 Hohen Neuendorf E-Mail: service@ajagara.com 2. Allgemeines zur Datenverarbeitung Diese Website ist ein persönliches Blog ohne kommerzielle Absicht. Ich erhebe so wenig personenbezogene Daten wie möglich. Es werden keine Cookies gesetzt, kein Tracking eingesetzt und keine Daten an Dritte weitergegeben. 3. Hosting Diese Website wird gehostet bei:…
„Kompetenz heißt Fachwissen. Fachwissen haben die, die etwas verständlich machen können. Transparenz von der Planung über die Wahl der Methode bis zur Lösung ist daher der grundlegendste und gleichzeitig schwierigste Beweis für Kompetenz.” Dieser Satz stand 1997 auf einer Website, für die ich mitverantwortlich war. Sie war mit Framesets gebaut, mit „Claris Home Page Version 2.0b1“ erstellt und…