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Acid Communist Aachen · Jun 7, 2026

Pride (2014): Ein Linkes Meisterwerk

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Acid Communist Aachen · Acid Communist Aachen

Pride erzählt die wahre Geschichte von Lesbians and Gays Support the Miners (LGSM), einer Organisation, die während des britischen Bergarbeiterstreiks 1984–1985 streikende Bergbaugemeinden unterstützte. Mehr noch: Der Film liefert Lektionen, die die Linke heute mehr denn je hören muss.

Betrachten wir die folgende Szene, in der der Aktivist für Schwulenrechte (und Vorstand der CPGB-Jugend) Mark Ashton die Gründung von LGSM im schwulen Buchladen und Gemeindezentrum Gay’s the Word vorschlägt.

MARK: Bilde ich mir das nur ein, oder wird die Polizei weich? Es ist komisch. In letzter Zeit hängen sie nicht mehr vor unseren Clubs rum. Was hat das zu bedeuten? Glaubt ihr, sie haben endlich genug von all dem Donna-Summer-Zeug? Meine Vermutung ist, dass sie woanders hingegangen sind. Um sich jemand anderen vorzuknöpfen. Meine Vermutung ist: Während wir eine vorübergehende Atempause genießen, sind sie dort. Und verpassen diesen armen Schweinen die Scheiße, die normalerweise wir abkriegen. Diese Bergbaugemeinden werden jetzt genauso schikaniert wie wir. Stimmt’s? Schikaniert von der Polizei. Schikaniert von der Presse. Schikaniert von der Regierung.

TEILNEHMER 1: Braucht einer von denen eine Umarmung?

MARK: Nein. Was sie brauchen, ist Bargeld, und zwar dringend.

TEILNEHMER 2: Ja, genau, weil die Bergarbeiter uns ja auch schon immer zu Hilfe gekommen sind, oder?

MARK: Willst du mich verarschen?

MIKE: Warum reden wir nicht über das Heute?

MARK: Heute haben wir mit nur ein paar Eimern fast 200 Pfund gesammelt. Überlegt mal, was wir erreichen könnten, wenn wir uns richtig anstrengen würden.

TEILNEHMER 3: Ich komme aus Durham.

MARK: Na, dann weißt du ja genau, wovon wir reden.

TEILNEHMER 3: Ich weiß, dass diese Wichser mich jeden Morgen auf dem Schulweg und jeden Abend auf dem Heimweg zusammengeschlagen haben.

An diesem Punkt verlassen der Sprecher und ein weiterer Teilnehmer schweigend den Laden, während die anderen die Gruppe gründen.

Angenommen, ein solcher Vorschlag würde heute gemacht – glaubst Du, es würde so gut laufen? Ich denke nicht, denn der “Wokeismus” dominiert die moderne Politik von links bis rechts. Mit “Wokeismus” meine ich die politische Praxis, strikte Freund-Feind-Unterscheidungen entlang Linien der moralischen Einstellung zu ziehen. Ein durchschnittlicher, d. h. “woker” Aktivist würde es heute nicht dabei beruhen lassen, seine persönliche Unfähigkeit zu erklären, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die ihm in der Vergangenheit aufgrund ihrer konservativen Überzeugungen geschadet haben. Vielmehr würde er diese Menschen als Feinde markieren – im Sinne einer Verweigerung jeglicher Unterstützung und Ablehnung jeglicher Kooperation. Folglich wäre LGSM für ihn nicht nur ein Projekt, zu dem er persönlich nichts beitragen kann, sondern ein schädliches Projekt, das gestoppt werden muss. Hier würde LGSM wahrscheinlich sterben, wenn es heute vorgeschlagen würde.

Aber die Mitglieder von LGSM betrachteten Konservative nicht als ihre “Feinde” außer in dem Sinne, dass sie gegensätzliche Ansichten zu Schwulenrechten hatten. Moralisch gesehen hassten sie die Sünde der Homophobie, nicht den Sünder, also den Homophoben. Pragmatisch gesehen wussten sie, dass das Vorenthalten von Unterstützung und die Ablehnung der Zusammenarbeit mit Konservativen im Allgemeinen nicht die optimale politische Strategie ist. Etwas kontraintuitiv ist die Unterstützung von bedürftigen Konservativen tatsächlich eine der besten politischen Strategien, um progressive Ziele voranzutreiben.

LGSM gelang es, den Widerspruch zwischen dem materiellen Unterstützungsbedarf der Bergarbeiter und ihrer (teilweisen) moralischen Verurteilung von Queerness auszunutzen. Die Mehrheit der Gemeindemitglieder war in der Lage, die vernünftige Entscheidung zu treffen, die Hilfe von LGSM anzunehmen – ein erster Schritt zur Überwindung ihrer Queerfeindlichkeit. Einige wenige Mitglieder waren dazu jedoch nicht in der Lage. Sie versuchten, das Projekt zu sabotieren, und stellten damit ihre moralische Verurteilung von Queerness über das materielle Wohlergehen ihrer eigenen Community. Dies führte zur einzigen Instanz von blankem Moralismus im gesamten Film:

HEFINA: In Wales gab es früher die Tradition, seine Gäste zu ehren. Erinnert ihr euch daran, Ladys? Respekt? Großzügigkeit? Es gibt nur eine Sache, die an dieser ganzen verdammten Angelegenheit unnatürlich ist: Die eigene Gemeinschaft zu verraten. Und wenn ich herausfinde, wer diese Geschichte an die Presse verkauft hat, glaubt mir, derjenige wird wissen, wie es sich anfühlt, sich zu schämen.

Es ist für die Bergbaugemeinde nicht nur vernünftig, die Queerness von LGSM zu tolerieren – es ist intolerabel, sie nicht zu tolerieren. Diese Form des gruppen-internen Moralismus hat eine viel größere Erfolgsaussicht als der gruppen-übergreifende Moralismus. Während Ersterer die Nähe des Anderen zu dir und seine Abhängigkeit von dir ausnutzt, verstärkt Letzterer lediglich dessen Identifikation mit seiner eigenen Gruppe.

Pride bietet nicht nur die Wohlfühlgeschichte einer unwahrscheinlichen Allianz, sondern einen Entwurf für eine effektivere Linke. LGSM hat gezeigt, dass der wirksamste Weg zum Abbau von Vorurteilen nicht darin besteht, den Intoleranten zu verurteilen, sondern sich für dessen Überleben nützlich zu machen. Es ist leicht, ideologische Reinheit innerhalb eines schrumpfenden Freundeskreises zu fordern; es ist weit radikaler und weitaus effektiver, sich auf die mühsame, widersprüchliche Arbeit einzulassen, diejenigen zu unterstützen, die einen selbst noch nicht unterstützen. Wenn wir die Stagnation der woken Politik überwinden wollen, müssen wir den Mut wiederentdecken, geteilte materielle Interessen über den Komfort der moralischen Verurteilung zu stellen. Nur wenn wir uns über die Mauern unserer eigenen Buchläden hinauswagen, können wir hoffen, eine Bewegung aufzubauen, die in der Lage ist, die Welt tatsächlich zu verändern.

Auf Deutschland übertragen bedeutet dies eine Brücke zwischen städtischen “Bunten” und meist genossenschaftlich organisierten Dorfläden zu schlagen. Anknüpfen könnte man an deren Dachverbände DORFbegegnungsLÄDEN in Deutschland und Bundesverband der Bürger- und Dorfläden. Der Fokus muss auf der Überwindung des Kulturkampfes liegen, nach dem Motto: Wir lassen uns von denen da oben nicht gegen einander ausspielen.

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