Unter anderem wie sehr die Bezirksliga-Fußballer des TSV Glinde Rücksicht auf die Bürger der Stadt nehmen, darum geht es in diesem Teil der Serie „Anstoß“. Ihre Heimspiele beginnen neuerdings am Freitagabend um 19.45 Uhr statt um 20 Uhr. Damit reagierten die TuS-Verantwortlichen auf einige schriftliche Beschwerden von Anwohnern, die den Sparten-Vorstand erreichten.
Vor allem die unmittelbare Nachbarschaft zu den nach einem verstorbenen, wertvollen Vereinsmitarbeiter benannten Bernd-Schaffernicht-Plätzen hatte sich von Lärm und Flutlicht in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt gefühlt. Ab sofort soll spätestens um 22 Uhr absolute Ruhe herrschen. „Wir wollen keinen Streit“, betont TSV-Ligaobmann Patrick Clasen (35) ausdrücklich.
Der neue Trainer könnte zum Gamechanger werden
Abende ohne jeden Geräuschpegel gab es im April und Mai. Nach dem 24. Spieltag hatten die Glinder nämlich veranlasst gesehen, ihre ebenfalls freitags aktive zweite Mannschaft wegen personeller Engpässe vom Spielbetrieb der Kreisliga 2 zurückzuziehen. So hatten sich die Sorgen der „Ersten“ auf die Reserve abgefärbt.
Die Neuzugänge Niklas Apollonio (l.) und Marvin Blaim (r.) unterbinden einen gegnerischen Angriff.© bz | bz
Die Serie Anstoß 2026/27 im Überblick
- Auftakt
- TSV Reinbek
- ASV Bergedorf 85
- SV Nettelnburg/Allermöhe
- SV Börnsen
- Oststeinbeker SV
- TuS Aumühle-Wohltorf
- VfL Lohbrügge
- SC Wentorf
- SC Vier- und Marschlande
- FC Voran Ohe
- SV Curslack-Neuengamme
- SV Altengamme
- ETSV Hamburg
- TuS Dassendorf
Die Bezirksliga mit 32 Mann im Kader sollte den Unterbau unterstützen, das war der Plan gewesen. Doch dann verabschiedeten sich elf von 19 Neuzugängen so schnell, wie sie gekommen waren. Am Ende sprangen lediglich der zwölfte Rang und damit die schlechteste Platzierung seit 2016 in der Tabelle heraus. „Paddy“ Clasen musste tief durchatmen. „Wir hätten auch absteigen können. Dann wäre es finster geworden.“ So finster, wie neuerdings das TSV-Sportgelände abends um 22.01 Uhr.
Der erfahrene Trainer Rüdiger Neuhaus soll dem Team die richtigen Impulse geben
Mit einem spannenden, neuen Trainer als Faustpfand versprechen die neuerlichen Veränderungen nun mehr Erfolg als der XXL-Umbruch im Sommer 2025. Große Hoffnungen setzt der Verein auf den 58 Jahre alten Rüdiger Neuhaus. Der Übungsleiter hat sich in über sieben Jahren bei der TSV Reinbek einen guten Ruf erworben und war auch vom TuS Hoisdorf II mit warmen Worten verabschiedet worden. „Er hatte die Mannschaft nach dem Abstieg aus der Verbandsliga in einer schwierigen Situation übernommen und stabilisiert.“
Die Saison-Vorschau-Serie „Anstoß“ gibt es seit 22 Jahren.© Fußball | Frank Hasse
Vorgänger Dominik Daube, 38, der dem TSV als Co-Trainer erhalten bleibt, hatte selbst dafür plädiert, ihn durch einen erfahrenen Mann zu ersetzen. Dass Daube im verlorenen Lotto-Pokalspiel bei der SV Billstedt-Horn (0:4) als Außenverteidiger ausgeholfen hatte, gilt als Ausnahme. Clasen denkt mit Schaudern an diese Partie zurück. „Urlaubsbedingt fehlten einfach zu viele Spieler. Allein Torwart Mirko Brandt hat uns vor einem Debakel bewahrt.“ Und dennoch herrscht vorsichtiger Optimismus. „Weil wir jetzt mehr Zuverlässigkeit und Identität im Kader haben.“
Die Hoffnungen für diese Spielzeit liegen auch auf Rückkehrer Niklas Appollonio
Wie eine süße Muse in seinen Ohren klangen jedenfalls die Worte, die Clasen von Niklas Apollonio (22) hörte. „Ich komme nach Hause“, sagt er. Seine gesamte Jugend hatte der Angreifer für den TSV Glinde gekickt, um dann zwei Jahre beim TuS Aumühle-Wohltorf dem Stammpersonal anzugehören. Clasen kennt ihn seit dessen fünftem Lebensjahr: „Gemeinsam mit seinem Vater Markus hatte ich Niklas von der F- bis zur C-Jugend trainiert.“
Durch Michel Joppich, der Neuzugang vom VfL Lohbrügge II, gibt es eine Familienzusammenführung. Bruder Bjarne Joppich, 25 Jahre alt, ist Stürmer bei den Glindern, und Vater Diethard „Didi“ bei Verletzungen für die Erste Hilfe auf dem Sportplatz zuständig. Rüdiger Neuhaus könnte es schwerfallen, sich zwischen dem Torwart-Juwel Michel Joppich und Urgestein Brandt als Nummer 1 zu entscheiden. Clasen erwartet ein Duell der Torleute „auf hohem Niveau“.
Trainer Rüdiger Neuhaus schwört die Spieler auf eine schwere Saison ein.© bz | bz
Monatelang nahm sich der Ligaobmann Zeit, die weiteren Neuen auf ihre fußballerischen und charakterlichen Eigenschaften abzuklopfen. Nun ist er überzeugt davon, dass sich auch die Stürmer Sergio Gaspar Koke (20/Oststeinbeker SV), Ilyas Bendriss (19/SC Victoria II) und Amir Toumi (SV Börnsen II) sowie Luca Hübner (18/hatte nach seiner Zeit beim TuS Hamburg pausiert), Leandro Dos Santos und Marvin Blaim (je 25/beide bisher „Zweite“) als Glücksgriffe erweisen werden. Clasen vertraut dem Trainer: „Rüdiger weiß, wie er die Jungs anzupacken hat.“
Der TSV geht mit zwei weiteren Herren-Teams diese Saison auf Punktejagd
Das muss Neuhaus auch, denn die Verluste sind nicht ohne. Stürmer Tobias Kehr, der aus beruflichen Gründen kürzer treten wollte, und Mittelfeldspieler Alexander Rarrek, für Clasen zwei Schlüsselspieler, setzten ihre Füße in die Tür des Willinghusener SC. Nick Schieweg ist weg zum SV Börnsen. Robin Schlecht verließ Glinde in Richtung TSV Bargteheide. Frohe Kunde gibt es aus dem Unterbau, denn der TSV schaffte es, gleich zwei Teams für die Kreisklassen II und III aus dem Boden zu stampfen. Sofern die „Dritte“, die ihre Heimspiele am Wochenende um 13 Uhr spielt, jemanden in seinem Mittagschlaf stört, gibt es leichte Entwarnung. Eventuelle Lärmbelästigungen sind wegen einer Unterbesetzung der Staffel höchstens an zwölf Sonntagen im Jahr zu erwarten.

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