RSS Amplifier

Hamburger Abendblatt · Aug 22, 2026

„Wir sind frei von Arroganz“: Deutsche Basketballer triumphieren beim Supercup

0
Sign in to vote or save

Rupert Fabig · Hamburger Abendblatt

Testspiel ist Testspiel ist Testspiel. Das wollte nur niemand der 9583 Zuschauer in der Barclays Arena wahrhaben. Und Isaac Bonga schon gar nicht, als der schlangenartige 2,03-Modellathlet im Schlussviertel rücksichtslos auf die eigene Gesundheit in Richtung eines vermeintlich verlorenen Balls hechtete, als hinge das Schicksal künftiger Generationen davon ab.

Pssst, der Basketball-Supercup ist trotz des super Namens in derselben Kategorie wie der Harz-Heide-Cup anzusiedeln. Es geht wirklich um nichts Bedeutsames. Den Titel wird sich kein Akteur jemals auf den Briefkopf drucken lassen. Doch schien es am Sonnabendabend unter ohrenbetäubendem Lärm des Publikums, als sei Welt- und Europameister Deutschland durch den 96:87-(24:24, 26:15, 28:30, 18:18)-Sieg im Supercup-Endspiel gegen Kroatien gerade der Coup des Jahrhunderts gelungen. Im Spiel um Platz drei besiegte Vizeeuropameister Türkei Tschechien erwartungsgemäß mit 99:84 (28:25, 26:27, 29:13, 16:19).

Basketball-Supercup: Deutschland gewinnt im Finale gegen Kroatien

Während der kompletten Schlussphase, in der die frechen Kroaten gefährlich aufgekommen waren, stand die Menschenmenge auf den Rängen. Unter „Deutschland“-Rufen erzielte Bonga die letzten, endgültig siegbringenden Punkte. Kommt es üblicherweise bei Siegerehrungen zum fluchtartigen Verlassen jeglicher Hallen und Stadien (um dann verlässlich im Stau zu landen), blieb diesmal fast jeder Platz besetzt, bis Kapitän Dennis Schröder den Pokal in die Luft recken durfte. „Einen Titel zu gewinnen, ist immer nice“, sagte der 32-Jährige anschließend.

Es war harte Arbeit dafür nötig. „Wir mussten leiden“, so Bundestrainer Àlex Mumbrú. Wie schon im Halbfinale am Freitag gegen die Tschechen begannen die Gastgeber defensiv etwas zu lasch. Mumbrú hatte daher trotz des letztlich ungefährdeten 115:82-Kantersiegs behauptet, er sei nicht zufrieden mit dem Auftritt gewesen.

Basketballer spielen begeisternd

Gegen Kroatien nun bereitete vor allem Mario Hezonja dem Favoriten Kopfzerbrechen. Zeitweise wirkte der 2,06-Meter-Mann wie „Super Mario“ der einstigen Videospielreihe entsprungen. Wenn er es zu bunt trieb, schrumpften die Deutschen den 31-Jährigen jeweils wieder auf sein stattliches Normalmaß.

Deutsche Basketballer jubeln.

Die deutsche Mannschaft ist eine verschworene Einheit.© Imago | Tilo Wiedensohler

Wenn die Verteidigung passt, kann diese Mannschaft in Europa niemand stoppen. Dann kennt sie ungeachtet der Spritpreise nur Vollgas, spielt begeisternd und spektakulär. Diesmal vor allem in Szene gesetzt von Schröder, der zehn Vorlagen gab, sich beim Punkten aber vornehm zurückhielt. Der Braunschweiger erzielte „nur“ zehn Zähler. Dafür einen ganz wichtigen Dreier in der letzten Minute.

Bundestrainer kann noch stärker aufstellen

Mehr war nicht notwendig, da seine allesamt auf europäischem Topniveau agierenden Kollegen ihre Klasse offenbarten. Oscar da Silva, der grandiose Bonga, Maodo Lô – die Namen sind so klangvoll wie die Qualitäten. „Es ist nicht unsere Mentalität, lasch in Spiele zu gehen, egal in welche. Gegen Tschechien hatten wir das erste Match des Sommers, das hat man gemerkt. Aber wir wollen immer unser Bestes geben, das ist unsere Identität. Wir hatten zwar Erfolg, aber sind frei von Arroganz“, sagte Lô.

Zuletzt hatten die Kroaten Deutschland Anfang des Jahres in der WM-Qualifikation eine seltene Niederlage zugefügt. Umso gruseliger für die Konkurrenz ist der Fakt, dass der Kontinental- und Interkontinental-Champion ein noch stärkeres Aufgebot stellen könnte. In Andreas Obst (FC Bayern) fehlte der beste Werfer Europas mit Rückenproblemen. Dazu war das NBA-Quartett um Meister Ariel Hukporti (New York Knicks), Isaiah Hartenstein (Oklahoma City Thunder), Hannes Steinbach und Christian Anderson (beide Charlotte Hornets) ebenso wie Toptalent Jack Kayil (Alba Berlin). Ganz zu schweigen von den Gebrüdern Franz (Orlando Magic) und Moritz Wagner (Brooklyn Nets), die den Sommer nutzen, um ihre geschundenen Körper aufzumotzen.

Maodo Lô beim Korbleger

Maodo Lô (32) überzeugte in Hamburg.© dpa | Matthias Stickel

Supercup bleibt in Hamburg

Mumbrú kann also aus dem Vollen schöpfen, wenn im Herbst 2027 bei der WM in Katar der Titel verteidigt werden soll. Den Feinschliff dafür können sich die Deutschen wie vor dem Triumph 2023 in Hamburg holen. Der Supercup ist vertraglich weiter an die Hansestadt gebunden. Hamburgs Sport- und Innensenator Andy Grote (SPD), der vor Ort ein „cooles Spiel“ sah, bestätigte dem Abendblatt, dass die Stadt ihre Zuwendungen beibehält. Testspiel ist eben auch für die Active City nicht einfach nur Testspiel.

Lesen Sie auch

Deutschland: O. da Silva (22 Punkte), Lô (19), Bonga (14), Thiemann (12), Schröder (10), Bruhnke (6), Krämer (4), Olinde (4), T. da Silva (3), Theis (2), Delow.

Read the original on abendblatt.de

Comments

Nothing yet. Say the first thing.

    Sign in to join the conversation.