Absolut berechenbar
19. August: 12-Uhr-Regel ist für den Schredder
Ich möchte eine Lanze für die 12-Uhr-Regel brechen. Vorher war es ein reines Glücksspiel, ob man zu einem hohen oder günstigen Preis tankt. Ich habe es erlebt, dass innerhalb weniger Minuten der Preis extrem geschwankt ist. Nur Minuten später zogen andere Tankstellen in der Umgebung nach. Zu jeder Tages- und Nachtzeit, viele Male am Tag. Dies ist jetzt absolut berechenbar. Niemand ist gezwungen, seinen Tank leerzufahren und dann notgedrungen um eine Minute nach 12 Uhr teuer zu tanken. Und ob die Preise ohne die 12-Uhr-Regel tatsächlich im Schnitt günstiger wären, ist auch nur Spekulation. Haben Sie einfach ein wenig Vertrauen in die Autofahrer.
Kai-Uwe Inselmann
Ohne Plan
19. August: Sternbrücke: Widerstand gegen Hochhaus-Idee des Verkehrssenators
Unter großem öffentlichen Interesse hat es eine hervorragend geplante und bewältigte Einfügung der „Monsterbrücke“ gegeben. Jetzt wird deutlich, dass es anscheinend keinen Plan für den Umgang mit diesem prägenden Infrastrukturteil gibt. Keine Planung bzgl. Begrünung, Einbeziehung des Umfelds (Neubaugestaltung? Angepasste Sanierung? Senkrechtbegrünung? Dachbegrünung? Anpflanzen von Bäumen?). Soll wie auf St. Pauli die „Bürger:innenbeteiligung“ sich totlaufen, um dann Immobilieninvestoren freie Bahn zu geben? Ich bin gespannt, ob dieser kleine Stadtausschnitt tatsächlich grüne, gern bewohnte, bunte Stadt sein darf: Schwammstadt, kostenlose Wasserspender, alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigende Raumaufteilung, schattenspendende Bäume – ein Traum?! Oder nötige Zukunftsgestaltung, weil die Immobilienwirtschaft schon 30 Jahre zu lange Beton, Glas und Stahl in unseren Städten Platz gegeben hat? Nicht die Technik der Brücken ist das Problem, sondern die vergessene Berücksichtigung des Lebens drumherum.
Dr. med. Susanne Heinrichowski
Keine Alsterrundfahrt
19. August: Meinungen der Abendblatt-Leser
17. August: Wie kommt Hamburg auf die Weltkarte?
Der Leserbrief von Herrn Häger zu den Problemen von Reisebussen in Hamburg kann noch ergänzt werden: Mit dem Reisebus zu den Alsterschiffen am Jungfernstieg? Das geht leider auch nicht mehr! Wir haben deshalb auf die Alsterrundfahrt verzichtet.
Angelika Heidtmann
Fall für das Bezirksamt
In der Tat ist der Mangel an öffentlichen Toiletten im öffentlichen Raum vielfach ein beklagenswertes Ärgernis. Gastronomische Betriebe sind aber nach der Hamburger Gaststättenverordnung verpflichtet, Kundentoiletten vorzuhalten, oder bei Kleinstbetrieben die kostenfreie Benutzung der Personaltoilette zu ermöglichen. Wenn diese Anforderungen regelmäßig von den gastronomischen Betrieben im Westfield oder dem Betreiber des Centers, Unibail-Rodamco-Westfield, konsequent missachtet werden, wäre das ein Fall für das Fachamt für Verbraucherschutz, Gewerbe und Umwelt beim Bezirksamt Hamburg-Mitte. Warum ausgerechnet die ECE, die mit dem Center so gar nichts zu tun hat, darüber nachdenken sollte, bleibt wohl das Geheimnis von Frau Riebow.
Wayne Schlegel
Lieber keine Weltstadt
Immer wieder wird im Abendblatt beklagt, dass Hamburg nicht zur Weltstadt tauge, zu provinziell sei und vor allem seinen selbst gestellten Ansprüchen nicht genüge. Ich wundere mich jedes Mal über dieses Gejammer und möchte an dieser Stelle einmal klarstellen: Hamburg ist eine Stadt, und eine Stadt hat weder einen Willen, noch stellt sie irgendwelche Ansprüche an sich. Dies könnten höchstens ihre Bewohner. Doch von denen verlangt kaum einer, der nicht gerade unmittelbar von der Kaufkraft der Touristen profitiert, nach mehr Tourismus. Vielleicht gibt es noch den einen oder anderen Politiker, der das beklagt. Aber der wird kaum in einem Stadtteil wohnen, der von Touristen geflutet werden würde. Ich habe auch noch nie im Bekanntenkreis die Klage vernommen, Hamburg sei ja leider keine Weltstadt. Dieses Klagelied wird allerdings weniger im redaktionellen Teil, als vielmehr zuhauf in den Zuschriften gesungen. Wer immer sich das wünscht, sollte sich einmal die letzte Seite o.g. Ausgabe aufmerksam durchlesen: „Pariser leiden unter Touristenansturm“! Es steht geschrieben, dass Montmartre im Griff der Touristenmassen sei, die Immobilienpreise hochgeschnellt seien, die Einwohner in die Vorstadt zögen. Paris mag sich berechtigterweise mit dem Titel „Weltstadt“ schmücken können, ich aber liebe meine grüne und vielfältige Provinzstadt Hamburg so wie sie ist, gerade ohne Weltstadt-Etikett!
Andreas Uber
Eine Generation verliert das Vertrauen
17. August: Gold-Rot-Schwarz gewinnt
Ob bei der Fußball-WM oder aktuell bei der Leichtathletik-WM: Immer wieder erleben Sportlerinnen und Sportler mit Migrationsgeschichte, dass ihre Höchstleistungen für Deutschland nicht mit Anerkennung, sondern mit offenem Hass im Netz beantwortet werden. Auch ich habe das kürzlich erfahren: Nach der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes porträtierte mich der NDR mit einem positiven Beitrag über meinen Lebensweg – und in den Kommentarspalten folgte menschenverachtender Hass. Ich sage bewusst nicht, solche Kommentare seien unanständig oder respektlos. Das würde die Sache verharmlosen. Was dort geschrieben wird, ist Rassismus. Und Rassismus ist menschenverachtender Hass. Er steht nicht zwischen den Zeilen, sondern schwarz auf weiß, für jeden lesbar. Junge Menschen mit Migrationshintergrund sehen das genau. Sie fragen mich, wie ich damit umgehe, und sagen mir dann unumwunden ihre Meinung: Es lohne sich nicht, sich für dieses Land anzustrengen, wenn der Rassismus ohnehin unübersehbar sei. Wieso sollten sie sich zu den gesellschaftlichen Werten bekennen, wenn ein Teil der Mehrheitsgesellschaft sich ihnen gegenüber so verhält? Diese Frage ist berechtigt und sollte uns alarmieren. Denn ein Gefühl, das auf schriftlich dokumentiertem Hass beruht, ist kein diffuses Unbehagen mehr, es ist begründetes Misstrauen. Und begründetes Misstrauen führt dazu, dass sich junge Menschen von dieser Gesellschaft abwenden. Genau darin liegt die Gefahr: Wer sich nicht ernst genommen fühlt, wird empfänglich für Radikalisierung. Wir stehen an einem Scheideweg. Ich vergleiche das bewusst mit historischen Momenten wie der Abschaffung der Sklaverei, weil damit deutlich werden soll, was auf dem Spiel steht: Auch damals brauchte es keine kosmetische Korrektur, sondern eine moralische Revolution, eine grundlegende Neuausrichtung dessen, was eine Gesellschaft zu tolerieren bereit ist. Genau das brauchen wir jetzt wieder. Wer rassistische Kommentare verfasst, muss zur Rechenschaft gezogen werden: rechtlich, gesellschaftlich, konsequent! Das schillernde Menschenbild, das Artikel 1 unseres Grundgesetzes zugrunde liegt, die unantastbare Würde jedes Menschen, darf nicht nur auf dem Papier stehen. Es muss gelebt und verteidigt werden. Nur dann können auch künftige Generationen in diesem Land in Würde leben. Sonst verlieren wir eine ganze Generation junger Menschen, die eigentlich bereit wäre, sich für dieses Land einzusetzen.
Mohammad Nadeem
Ehrenbürger
17. August: Miniatur Wunderland feiert 25-jähriges Bestehen mit viel Herz, aber ohne Promis
Da verzichten die Macher des Miniatur Wunderland, Frederik und Gerrit Braun, zum 25. Jubiläum auf den ganzen Schnickschnack mit Promis und laden dafür Familien ein, die schwere Schicksalsschläge erlitten haben. Schon in der Vergangenheit machten die beiden durch wunderbare soziale Aktionen, wie freien Eintritt für Bedürftige, von sich reden. Wann kapiert die Hansestadt endlich, welch tolle Mitbewohner diese beiden sind? Verleiht ihnen die Ehrenbürgerschaft!
Peter Steppich
Wie viele Hitzetote muss es noch geben?
20. August: Klimaziele wackeln: CDU will Zukunftsentscheid rückgängig machen
12.500 Hitzetote in Deutschland, Waldbrände mit Evakuierungen in Frankreich, Spanien, Großbritannien, Belgien, Kroatien, Griechenland und in der Eifel, ausgetrocknete Flüsse, Ernteausfälle. Und Herrn Thering fällt nichts Besseres ein, als den Klimaentscheid rückgängig zu machen. Dabei kann er sich die Beust-Regierung zum Vorbild nehmen, die den Volksentscheid zur Privatisierung der Krankenhäuser missachtet hat, der die Privatisierung mit überwältigender Mehrheit abgelehnt hat. Die Wählerinnen und Wähler müssten sich veräppelt fühlen, würde die Bürgerschaft den Volksentscheid wieder rückgängig machen. Das Verhalten der Hamburger CDU ist auf einer Linie mit Merz und Reiche, die die Klimapolitik der Ampel abwickeln. Wie viele Brände und Hitzetote muss es noch geben, bis die CDU merkt, dass die Kosten des menschengemachten Klimawandels die einer vernünftigen Klimapolitik weit übertreffen?
Winfried Wolf
Differenzierter betrachten
19. August: Deutsche Wirtschaft will die Altersteilzeit retten
Der ungewöhnliche Schulterschluss von Arbeitgebern und IG Metall zeigt, dass Altersteilzeit differenzierter betrachtet werden muss. Das Blockmodell ist für Unternehmen ein bewährtes Instrument, Personalabbau sozialverträglich zu gestalten. Doch aus betrieblichem Nutzen darf kein falsches rentenpolitisches Signal werden. Deutschland braucht angesichts des demografischen Wandels grundsätzlich mehr und längere Erwerbstätigkeit. Wer arbeitsfähig ist und gebraucht wird, sollte nicht durch systematische Frühverrentungsanreize möglichst früh aus dem aktiven Arbeitsleben gedrängt werden. Umgekehrt wäre es ebenso verfehlt, langjährig Beschäftigte pauschal zum Reparaturbetrieb der Rentenversicherung zu machen. Wer vier Jahrzehnte oder länger gearbeitet und Beiträge gezahlt hat, verdient Verlässlichkeit. Deshalb weder Abschaffung noch Bestandsschutz um jeden Preis: Altersteilzeit sollte vor allem dort erhalten bleiben, wo Unternehmen sie finanzieren, gesundheitliche oder betriebliche Gründe bestehen und Strukturwandel sozialverträglich organisiert werden kann. Rentenpolitik muss gleichzeitig die Lebensleistung der Älteren und die Belastbarkeit der Beitragszahler im Blick behalten. Alles andere verschiebt den Konflikt nur zwischen den Generationen.
Timo Ertel
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